WARBRINGER – Wrath & Ruin (2025)
(9.401) Olaf (9,5/10) Thrash Metal
Label: Napalm Records
VÖ: 14.03.2025
Stil: Thrash Metal
Kaum zu glauben, dass WARBRINGER nun schon ihr siebtes Studioalbum präsentieren. Die Thrash-Metal-Truppe aus Südkalifornien mischt seit bald zwei Jahrzehnten die Szene auf und hat sich vom Geheimtipp der New Wave of Thrash zu einer festen Größe des Genres entwickelt. Ich erinnere mich noch gut, wie ihr Debüt War Without End 2008 einschlug wie eine Bombe und bewies, dass klassischer Thrash Metal auch im neuen Jahrtausend quicklebendig ist.
Seitdem hat die Band mit jeder Veröffentlichung an Profil gewonnen und konsequent ihr Markenzeichen verfeinert: rasende Riffs, aggressive Vocals und eine unbändige Old-School-Energie, die dennoch frisch und zeitgemäß wirkt. Heute zählen WARBRINGER zu den Speerspitzen des modernen Thrash Metals – sie tragen das Erbe der 80er-Thrash-Legenden mit erhobenem Haupt weiter und drücken ihm ihren eigenen Stempel auf. Nach dem vielgefeierten Weapons of Tomorrow (2020), das von vielen als Höhepunkt ihres Schaffens angesehen wurde, war die Vorfreude auf das neue Album groß. Fünf Jahre haben Fans auf WARBRINGER’s neuestes Werk Wrath & Ruin gewartet – und wer dachte, die Band hätte ihren Zenit bereits erreicht, wird nun eines Besseren belehrt.
Brachial, schneller, härter – mit Wrath & Ruin dreht WARBRINGER sämtliche Regler auf Anschlag. Die acht neuen Songs kennen absolut keine Gnade und sprengen die bisherigen Grenzen der Band. Frontmann John Kevill liefert seine wohl beste Gesangsleistung ab: Er brüllt, schreit und faucht aggressiver und wütender denn je, ohne an Präzision einzubüßen – man spürt in jeder Zeile den puren Zorn. Gleichzeitig stellt Drummer Carlos Cruz eindrucksvoll unter Beweis, warum er zu den Besten seines Fachs gehört: Präzise wie ein Uhrwerk und doch voller unbändiger Energie prügelt er auf sein Kit ein und treibt die Band mit Doublebass-Gewittern und Blastbeats vor sich her. Dieses Fundament aus entfesseltem Gesang und infernalischem Schlagzeugspiel bildet das Rückgrat eines Albums, das an Intensität kaum zu überbieten ist.
Schon der Opener The Sword & The Cross peitscht in irrwitzigem Tempo los und geht nahtlos in A Better World über – ein Eröffnungs-Doppelschlag, der keine Gefangenen macht. Blisternde Gitarrenriffs und schwindelerregende Soli fliegen einem um die Ohren, während WARBRINGER hier direkt zeigen, dass sie nichts verlernt haben. Besonders Carlos Cruz verdient sich früh den Titel „Blast-Commander“: Seine knallharten Snare-Attacken und wuchtigen Doublebass-Salven lassen einem den Atem stocken. Der Refrain von A Better World brennt sich zudem erstaunlich eingängig ins Gedächtnis, ohne dass die Band auch nur eine Sekunde vom Gaspedal geht. Bereits dieses furiose Auftakt-Duo macht klar, dass Wrath & Ruin ein extremes Brett von einem Album ist.
Nach dem Hochgeschwindigkeitsstart wuchtet Neuromancer mit schwerem Groove und hypnotischem Riffing aus den Boxen. Der Song “reitet tief unten” – sprich: Er setzt auf ein drückendes Midtempo-Fundament, das von unablässigen Doublebass-Attacken vorangetrieben wird. Die Gitarren sägen sich mit tremolo-geladenen Läufen durch den dichten Sound, während Bass und Drums wie ein Panzer durch die Gehörgänge rollen. The Jackhammer macht seinem Namen alle Ehre: Wie ein Presslufthammer auf Steroiden hämmert der Track auf den Hörer ein. Ein Hagelsturm aus Snare-Schlägen geht auf die Ohren nieder, begleitet von messerscharfen Thrash-Riffs, die den Adrenalinspiegel in die Höhe treiben. Hier brennt die Band ein technisches Feuerwerk ab – schnörkellos, brutal und absolut mitreißend. Die Nackenmuskeln bekommen spätestens hier ihr Fett weg.
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Through A Glass, Darkly überrascht dann mit unerwartet düsteren Klängen. In diesem Stück erlauben sich WARBRINGER einen Hauch von Atmosphäre: Zwischen den aggressiven Thrash-Passagen schimmern gothische Akkorde und melodische Leadgitarren hervor, die dem Song eine unheilvolle Stimmung verleihen. Kevills Gesang klingt hier stellenweise geradezu diabolisch – sein heiseres Keifen legt eine Extra-Schippe Bosheit drauf, während die Gitarren harmonische Akzente setzen. Dieser kurze Ausflug in düstere Gefilde passt erstaunlich gut ins Gesamtbild und zeigt die experimentierfreudige Seite der Band, ohne die brachiale Grundausrichtung zu verlieren. Direkt im Anschluss fegt Strike From The Sky alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Dieser Song ist Thrash in Reinkultur: Rasend schnell, voller kreischender Soli und mit einem Chorus, der einen in Sekundenbruchteilen zurück in die Glanzzeiten des 80er-Thrash katapultiert. Hier werden keine Gefangenen gemacht – Strike From The Sky ist pure Thrash-Exzellenz und dürfte Live für Moshpits der Extraklasse sorgen.
Eines der größten Highlights des Albums folgt mit Cage Of Air. Dieser Track sprengt endgültig den Rahmen dessen, was man von WARBRINGER erwartet: Er beginnt atmosphärisch dicht und offenbart starke Black-Metal-Einflüsse. Kalte, klirrende Gitarrenläufe verweben sich zu einer spannungsgeladenen Melodie, während im Hintergrund ein unheilvoller Sturm aus Doublebass und Becken grollt. Man wähnt sich fast in eisigen nordischen Gefilden – Cage Of Air baut eine finstere, „true cult“ Atmosphäre auf, die im Thrash selten so eindringlich gelingt. Die duellierenden Gitarrenleads sorgen für Gänsehaut und entwickeln einen epischen Charakter, der den Song zu einem echten Underground-Epos wachsen lässt. Hier zeigen WARBRINGER eindrucksvoll, dass sie sich nicht scheuen, neue Extreme auszuloten.
Doch bevor man sich vom atmosphärischen Rausch erholen kann, setzt The Last Of My Kind zum abschließenden Schlag an. Der Albumcloser führt den dunkleren Pfad fort und kombiniert ihn mit der vollen Wucht der Band: Synkopierte Oktavläufe tanzen über einem Fundament aus wuchtigen, fast melodeath-artigen Riffs, und Kevill schreit sich ein letztes Mal die Seele aus dem Leib. Der Groove packt einen bei der Kehle, während melodische Gitarrenlicks im Hintergrund aufblitzen – ein Finale, das ebenso abwechslungsreich wie zerstörerisch ist. Nach diesem letzten Track bleibt man erschöpft und doch euphorisch zurück.
Acht Songs, acht Volltreffer – WARBRINGER gönnen uns auf Wrath & Ruin keinerlei Verschnaufpause und verzichten komplett auf Lückenfüller. Jeder Track zündet auf seine Weise und fügt dem Album etwas Besonderes hinzu, sei es schiere Geschwindigkeit, atmosphärische Dichte oder refraintaugliche Hooklines im Thrash-Gewitter. Die Produktion (von Szene-Größe Mark Lewis) verleiht dem Ganzen zudem einen modernen Punch, ohne der Musik ihre Aggressivität zu nehmen. Unterm Strich zeigt die Band eine beeindruckende Konstanz auf höchstem Niveau – Wrath & Ruin ist ein einziges energiegeladenes Ausrufezeichen in Sachen Thrash Metal und für mich bereits jetzt ein sicherer Anwärter auf die Top 10 des Jahres.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Sword and the Cross
02. A better World
03. Neuromancer
04. The Jackhammer
05. Through a Glass, darkly
06. Strike from the Sky
07. Cage of Air
08. The last of my Kind