CD-Reviews N-P

ONTBORG – Following the Steps Of Damnation (2023)

(8.237) Patrick (9,0/10) Melodic Death Metal


Label: Black Lion Records
VÖ: 24.02.2023
Stil: Melodic Death Metal






Die 2017 gegründeten, aus dem GRAVEWORM Umfeld stammenden ONTBORG kommen aus dem schönen Südtirol und bieten uns auf ihrem zweiten Album „Following The Steps Of Damnation, melodischen Death Metal der alten Schule inklusive schwedischer HM2 Kreissäge-Prägung. Diese musikalische Beschreibung mutet herkunftsbedingt auf den ersten Blick relativ ungewöhnlich an, denn Italien mag zwar für vielerlei Dinge weltberühmt sein, aber schwedisch angehauchter Old School Death Metal zählt hier definitiv nicht dazu. Dementsprechend skeptisch bewegte sich mein Zeigefinger auf die PLAY-Taste meiner Stereoanlage, doch kurz darauf fegte ein derart überraschender und ultrafetter Orkan durch meine Höhle, welcher mir bereits in den ersten Sekunden ein breites Grinsen ins Fressbrett zauberte.

Schon die ersten Töne des Titeltracks „Steps Of Damnation“ offenbaren einen wunderbar herrlichen und perfekt ausbalancierten Sound, der unglaublich druckvoll und dennoch knarzig, mit den nötigen Ecken und Kanten aus den Boxen feuert. Absolut positiv fällt hier die Verwendung des allseits beliebten und oftmals inflationär eingesetzten Boss HM2 Pedals auf, denn ONTBORG übertreiben es mit der räudigen Verzerrung zu keiner Zeit und so jagt die Band ihre Hymnen über ein eher fein gezahntes Sägeblatt durch die zerspanende Maschine, was wiederum dafür sorgt, dass die herrlich knackigen Riffs permanent auch als solche zu erkennen sind und nicht in einem wüst verwaschenem Soundbrei untergehen.

Der Song an sich startet dabei relativ gewöhnlich in genretypischer Manier, entwickelt sich aber bereits nach kurzer Zeit zu einem absoluten Groove-Monster und ich ertappe mich dabei, den Refrain bereits beim zweiten Einsatz, mit hochgereckter Faust, kopfschüttelnd, trotz fehlendem Haupthaar durch die Bude zu grölen. Ein Fest für die Nachbarn und ein sicheres Zeichen dafür, dass die Band hier einiges richtig gemacht haben muss!

Auch das folgende „Purgatory“ ergeht sich unheimlich riffbetont im Midtempo und enthüllt wieder diesen unfassbaren Groove, der unweigerlich in die gebrechlichen Gliedmaßen fährt und einen nicht kontrollierbaren Bewegungsdrang auslöst. Ein paar sinnvoll gestreute Geschwindigkeitsattacken sorgen für die nötige Abwechslung und somit weiß auch dieser Song restlos zu begeistern. Es ist schier unglaublich, aber die Hitdichte auf diesem wahrlich fantastischen Album reißt einfach nicht ab. Manchmal drücken die Jungs ein bisschen mehr aufs Gaspedal, aber die ganz große Stärke liegt in diesem heftig drückendem Midtempo, mit dem die Band alles aus dem Weg schiebt, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die fein garnierten Melodiebögen kommen dabei niemals zu kurz, ändern aber überhaupt nichts an der Tatsache, dass hier mit richtig dicken Klöten musiziert wird. Eine perfekte Melange aus Härte, Groove, Melodie, eingängigen Refrains und einem furchtbar grandiosen Sound. Weitere Highlights zeigen sich in der recht aggressiven Abrissbirne „Echoes Of Time“, dem überaus eingängigem Kracher „Nightfall“ und der fast schon doomig vor sich hin schleifenden Hymne „To The North“.

Gut, das ist nun alles nicht sonderlich innovativ oder gar neu, aber es ist schlicht so dermaßen gut gemacht und bei all den bekannten Zutaten immer noch wesentlich eigenständiger als so manche, gerade gehypte Band, welche die schwedischen Vorbilder wirklich fast eins zu eins kopieren. Auf „Following The Steps Of Damnation“ steckt der Teufel im Detail. Diese Scheibe hat so viele großartige Momente, wird zu keiner Zeit langweilig und ist dem geneigten Anhänger des geliebten Schwedentodes mit Hang zum schwarzen Metall wärmstens zu empfehlen. ONTBORG liefern DIE Überraschung im ersten Quartal! Ein herrliches Stück Todesstahl!

Fürs Auge gibt’s dann zu allem Überfluss auch noch ein extrem schickes Cover aus der Feder von Juanjo Castellano, der ja bekanntermaßen in jüngster Vergangenheit u.a. auch die Werke von NIGHTBEARER und REVEL IN FLESH veredelte. Ein makelloses Gesamtpaket, dessen einziger Kritikpunkt meinerseits auf der fehlenden Veröffentlichung in Form eines Vinyls beruht. Schade, denn ich hätte mir dieses Meisterwerk sehr gern ins Plattenregal gestellt.

Anspieltipps: “Steps Of Damnation” und “Nightfall”


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


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