A-D

DIE TOTEN HOSEN

Ballast der Republik (2012)

30 Jahre Die Toten Hosen!!! Himmel, meine Freundin ist gerade mal erst 27. Dies lässt zwei Rückschlüsse zu: 1.) Ich bin ein alter Sack 2.) Campino und Co. Haben selbst nach 3 Jahrzehnten immer noch Bock, denn anders ist es nicht zu erklären, warum die Düsseldorfer mit ihrem 13. (!!!) regulären Studioalbum (ohne die Kompilations) erneut tierisch Arsch treten und sämtlichen Etablierten den Hintern versohlen. Klar zollt das Alter manchmal ein wenig musikalischen Tribut, dennoch ist das neue Hosen Werk ein Ausbund an Kreativität, Spontanität und faustdicken Überraschungen, denn nicht nur 16 brandneue Geschosse, sondern auch eine Bonus CD namens „Die Geister die wir riefen“ mit 15 Vertonungen quer durch die deutsche Geschichte werten „Ballast der Republik“ auf und machen das Album somit Charttechnisch zu einem sicheren Anwärter auf ein erneute Nummer Eins Scheibchen.

Teilweise richtig hart ist die CD geworden, dennoch nicht ohne teilweise in ruhigeres Fahrwasser abzudriften. Die Texte machen Spaß, sind zum Teil tiefgründig oder auch mal zum schmunzeln. Also quasi die gesamte Palette aus der Schaffensphase der Beinkleider. Bereits bei Veröffentlichung der Single „Tage wie diese“, den ich immer noch für einen der besten Hosen Songs der letzten Jahre halte, wuchs meine Erwartungshaltung schier ins Unermessliche, musste aber trotz mehrmaligem Durchhören manchmal etwas schlucken, denn selbst der von der Band selber meist geschmähte Pop hat zum Teil Einzug auf das Scheibchen gehalten. Songs wie „Ein guter Tag zum Fliegen“, „Alles hat seinen Grund“ oder „Reiß dich los“ hätten vor Jahren in meinen Augen niemals den Weg auf ein reguläres Album gefunden. Da hätte man ruhig die Songs der EP wie „Was macht Berlin?“ oder „Champions league“ stattdessen verwenden können…Apropos CL (ok, ein wenig kleiner darf’s schon sein): Scheinbar mit einer hellseherischen Gabe ausgestattet haben die Hosen mit „Schade, wie kann das passieren“ den Soundtrack zu den Bundesliga Relegationsspielen meiner Hertha gegen die Fortuna aufgenommen, dessen Refrain „Schade, scheiße, wie kann das passieren? Wie konnten wir gegen so was verliern“…passt, wie Arsch auf Eimer. Richtig ernst wird es auf dem ruhigen „Europa“, wo die Missstände der Flüchtlinge beispielsweise auf Lampedusa angeprangert werden, oder das textlich überragende „Traurig einen Sommer lang“, bei dem vielen alten Helden wie Jim Morrison, Sid Vicious oder Bon Scott gehuldigt wird. „Das ist der Moment“ zeigt einen nachdenklichen Campino, der scheinbar ein Resümee seines Lebens zieht und hier sehr viel von sich selbst preisgibt. Sensationell! Über vielen Songs liegt ein leichter Hauch von Celli und irgendwie hatte ich teilweise das Gefühl der Endlichkeit, als ob die Jungs „Danke“ sagen wollen und das war’s…ich hoffe, ich irre mich in diesem Punkt. Auf der zweiten CD legen die Dead Trousers dann richtig los, denn wer Hermann Hesses „Im Nebel“, „Die Moorsoldaten“, Erich KästnersStimmen aus dem Massengrab“ oder den Abwärts Klassiker „Computerstaat“ in lupenreine Hosen Klassiker verwandelt, hat Eier so dick wie die eines Blauwals. Ebenso wie die Version von „Schrei nach Liebe“, von dieser merkwürdigen Doktor-Band, bei mir um die Ecke, die grade mit ihrem neuen Album „Auch!“ im Vergleich zu den Rheinländern auf der ganzen Linie den Kürzeren gezogen haben. Grandios. Dazu noch die Kraftwerk Hymne „Das Model“, das Ton Steine Scherben Monument „Keine Macht für Niemand“ oder „Einen großen Nazi hat sie“, der erstmals 1929 veröffentlicht wurde (welch eine Weitsicht!!!)…nein, diese Bonus CD ist ganz großes Kopfkino!!!

Ich gebe zu, dass ich in den letzten Jahren die Veröffentlichungen der Düsseldorfer Institution ein klein wenig stiefmütterlich behandelt hatte, da mir einfach Irgendetwas Elementares fehlte. Doch mit „Ballast der Republik“ kommen die Hosen mit einem lauten Knall zurück ins Rampenlicht. O.k., es ist nicht alles Gold was glänzt, doch allein aufgrund der Bonus CD, was ich in solch einer Form noch von keiner anderen Band gesehen und vor allem gehört habe, geht mein tiefster Respekt in die Nordrhein westfälische Landeshauptstadt. Es bleibt zu hoffen, dass nach der Wohnzimmer Tour die Band schnellstens auf die großen Bühnen zurückkommt, dann ist der Sommer gerettet. Auf jeden Fall kann ich als Berliner mit einer kleinen Träne im Augenwinkel konsternieren: Die Toten Hosen 1 – Die Ärzte 0…Was sich allerdings in den anliegenden und von mir bereits angesprochenen Relegationsspielen schnell ändern wird.

Bewertung: Reguläre CD 7,5, Bonus CD 9,0 …macht zusammen 8,25 von 10 Punkten

Tracklist:

01. Drei Kreuze (Das wir hier sind)

02. Ballast der Republik

03. Tage wie diese

04. Traurig einen Sommer lang

05. Altes Fieber

06. Zwei Drittel Liebe

07. Europa

08. Reiß dich los

09. Drei Worte

10. Schade, wie kann das passieren

11. Draußen vor der Tür

12. Das ist der Moment

13. Ein guter Tag zum fliegen

14. Oberhausen

15. Alles hat seinen Grund

16. Vogelfrei

01. Computerstaat (Abwärts)

02. Sirenen

03. Das Model (Kraftwerk)

04. Die Moorsoldaten (u.a.Hannes Wader)

05. Im Nebel (Hermann Hesse)

06. Heute hier, morgen dort (Hannes Wader)

07. Rock me Amadeus (Falco)

08. Industrie-Mädchen (S.Y.P.H.)

09. keine Macht für Niemand (Ton Steine Scherben)

10. Einen großen Nazi hat sie! (Tanzorchester Dajos Bela)

11. Schrei nach Liebe (Die Ärzte)

12. Manche Frauen

13. Innenstadt Front (Mittagspause)

14. Stimmen aus dem Massengrab (Erich Kästner)

15. Lasset uns singen

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