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AYREON – 01011001 – Live Beneath the Waves (2024)

(8.920) Jörn (9,5/10) Progressive Metal


Label: Mascot Label Group
VÖ: 17.05.2024
Stil: Progressive Metal






Alle zwei Jahre lädt Arjen Lucassen zur großen Sause ins beschauliche niederländische Tilburg ein. Und wenn der zwei Meter große Meister ruft, kommen sie alle in Scharen. Was 2017 als einmalig geplantes Event mit drei Konzerten an einem Wochenende stattfand, mauserte sich aufgrund des überwältigenden Erfolgs zu einer wiederkehrenden Großveranstaltung, bei der Besucher aus über 60 (!) Ländern die ganze Stadt belagern und Tilburg so für ein paar Tage zur AYREON-City wird.

Wurde beim ersten Mal unter dem Titel „Ayreon Universe“ noch eine umfassende Best-Of-Show geboten, folgte in 2019 eine Aufführung des kompletten Sahnealbums „Into The Electric Castle“. Aufgrund der Pandemie wurde der Turnus dann in 2021 einmalig unterbrochen, sodass es den dritten Schlag schließlich erst im September 2023 gab. Auf dem Programm stand dieses Mal die Live-Darbietung des 2008er Meisterwerks „01011001“. Da gibt es wahrlich schlechtere Ideen.

Aufgrund der immens hohen Ticketnachfrage wurden dieses Mal sogar noch für Samstag und Sonntag jeweils zusätzliche Nachmittags-Shows zugefügt, sodass es diesmal insgesamt fünf Aufführungen an einem Wochenende geben sollte. Auch für gestandene Musiker eine amtliche Kraftanstrengung. Zumal hier von einer Spielzeit von gut zweieinhalb Stunden pro Show die Rede ist. Dass das Unterfangen trotzdem erneut zu einem absoluten Triumphzug wurde, lag neben dem vorzüglichen Songmaterial auch wieder an dem unglaublichen Aufgebot an großartigen Musikern und Weltklasse-Sängern und Sängerinnen.

Fast der gesamte originale Cast des Albums konnte für die Live-Aufführung gewonnen werden. Darunter Szenegrößen wie Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN), Tom Englund (EVERGREY), Daniel Gildenlöw (PAIN OF SALVATION), Simone Simons (EPICA) oder Anneke van Giersbergen (ex-THE GATHERING), um nur einige zu nennen. Lediglich ein paar ursprüngliche Teilnehmer waren nicht mit von der Partie. So mussten unter anderem Jorn Lande oder MAGNUM-Urgestein Bob Catley, sowie der bereits vor einigen Jahren auf tragische Weise ums Leben gekommene GOTTHARD-Frontmann Steve Lee ersetzt werden. Wie gut, dass Mr. Lucassen mittlerweile aus einem schier unerschöpflichen Fundus an Klasseleuten wählen kann, die liebend gerne einspringen, sobald er ruft. Und so gesellten sich unter anderem Goldkehlen wie Damian Wilson (ex-THRESHOLD) oder John Jaycee Cuijpers (PRAYING MANTIS) zu dem illustren Treiben hinzu.

 

Wer da nicht dabei gewesen ist, war entweder zu langsam (alle Tickets waren einmal mehr innerhalb von Minuten restlos ausverkauft) oder ist einfach ein absoluter Banause.

Glücklicherweise wurde das Spektakel jedoch wie schon in den Jahren zuvor mitgeschnitten, sodass sich nun jeder noch einmal dieses ganz besondere Konzertereignis geben kann. Oder sich kräftig in den Allerwertesten beißt, weil man nun sieht, was man da Großartiges verpasst hat.

Da die Show neben den rundherum perfekten musikalischen Darbietungen auch zahlreiche optische Schauwerte zu bestaunen hatte, wie etwa den Konzertsaal durchflutende Laserstrahlen oder fantastisch ins Bühnenbild eingebaute LED-Tafeln, sollte man in jedem Fall zur DVD oder Bluray greifen statt zur ebenfalls erhältlichen Doppel-CD.

Der Sound ist dabei, wie sollte es beim Qualitätsfetischisten Lucassen auch anders sein, wieder einmal absolut hochklassig. Das für AYREON-Verhältnisse eher düstere und teils recht harte Songmaterial ist klar und kraftvoll abgemischt und pustet einen regelrecht gegen die nächstgelegene Wand.

Beim Bild könnten Technik-Freaks zwar bemängeln, dass hier und da vereinzelt Treppeneffekte auftreten, aber das wäre hier wirklich Jammern auf höchstem Niveau. Denn trotz der Tatsache, dass man aufgrund der atmosphärischen Wirkung bei der Lichtshow eher auf dunkle Farben gesetzt hatte, ist das Bild scharf genug, sodass keine Details verlorengehen. Einzig die merkwürdige Entscheidung, immer wieder für ein paar Sekunden Zeitlupeneinstellungen einzustreuen, trübt die Immersion hin und wieder ein wenig. Sobald man sich jedoch erst einmal daran gewöhnt hat, steht dem Genuss nichts mehr im Wege.

Bei allen Weltklasse-Darbietungen ist besonders die Leistung der kanadischen Sängerin Brittney Slayes (heißt die Dame wirklich so???) der Band UNLEASH THE ARCHERS hervorzuheben, der vor allem die herausfordernde Aufgabe zuteilwurde, die Parts zu übernehmen, welche auf dem Album ursprünglich von NIGHTWISH-Frontfrau Floor Jansen gesungen wurden. Wie man sich vorstellen kann keine leichte Aufgabe, die sie allerdings problemlos meistert.

Wenn dann noch der eher bühnenscheue Maestro Lucassen selbst bei zwei Songs zum Mikro greift und sich bei seiner minutenlangen Dankesrede wieder einmal als einer der bescheidensten und sympathischsten Menschen des Planeten erweist, ist eine meterdicke Gänsehaut garantiert.

Zwar war die Auswahl an Songs für den Zugabenteil mit „This Human Equation“ vom schrägen 2020er Album „Transitus“ und „Fate Of Man“ vom letzten STAR-ONE-Album bei den vorangegangenen Shows schon einmal besser gewählt. Aber spätestens, wenn beim abschließenden 15-Minüter „The Day That The World Breaks Down“ alle Künstler noch einmal auf der Bühne zusammenkommen, ist die AYREON-Welt wieder in Ordnung und man sieht sich selbst begeistert vor dem heimischen Fernseher stehen und applaudieren.

Darüber hinaus gibt es als Extra noch eine sehr interessante gut einstündige Dokumentation mit zahlreichen Interviews und Blicken hinter die Kulissen dieser Megaproduktion, die Aufschluss darüber gibt, mit wieviel Herzblut alle Beteiligten hier bei der Sache waren.

Bei so viel auf Bild- und Ton verewigter Sonderklasse stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob die Tradition beibehalten wird und es im Jahr 2025 zur nächsten Runde kommt. Erste Stimmen klingen bereits vielversprechend. Ich hoffe aber, dass ich mir mit dieser Lobhudelei dann nicht selbst ein Bein gestellt habe und nun allen den Mund habe wässrig werden lassen. Denn schon beim letzten Mal waren die Karten überaus schwer zu bekommen. Wenn jetzt also noch mehr Leute auf die Idee kommen, sich um Tickets für das nächste AYREON-Happening zu bemühen, könnte es auch für mich eng werden.

Anspieltipps: „Age Of Shadows“ und „Beneath The Waves“


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. March Of The Machines
02. Age Of Shadows
03. Comatose
04. Liquid Eternity
05. Connect The Dots
06. Beneath The Waves
07. Newborn Race
08. Ride The Comet
09. Web Of Lies
10. The Fifth Extinction
11. Waking Dreams
12. The Truth Is In Here
13. Unnatural Selection
14. River Of Time
15. E=MC²
16. The Sixth Extinction
17. Speech
18. This Human Equation
19. Fate Of Man
20. The Day That The World Breaks Down
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