ProgPower Europe 2014

03. - 05.10.2014 - Baarlo @ JC Sjiwa

Wenn man so will begann alles im Dezember 2011 in München, am 4.12. um genau zu sein. An diesem Tag spielten Orphaned Land mit Myrath und Arkan ihre erste Oriental Metal Tour, und da sie ihr Weg leider nicht in die Bundeshauptstadt führte, beschloss ich nach München zu fahren, einen alten Freund zu besuchen und mir dann dieses Erlebnis alleine zu genehmigen. Bereits am 02.12 sah ich in Berlin Opeth und Pain of Salvation zum letzten Mal in der damaligen Besetzung und da ich in der Nacht noch nach München fuhr trug ich mein Remedy Lane Shirt, beflügelt von dem Auftritt fast das ganze Wochenende. Das Shirt wiederum war der Grund, dass ich mit Dario ins Gespräch kam, der mir von großen Auftritten erzählte und mir bereits vor dem Beginn des Sets Myrath schmackhaft machte, die wohl einen gefeierten Auftritt auf dem Progpower Europe hinter sich hatten.

Ich lernte im Laufe des Abends sowohl Münchner als auch holländische Freunde kennen die vor allem eines verbindet, das Progpower Europe. Ich selbst kannte das Festival nur vom Namen her und wollte seit 2007 regelmäßig hin. Da der Weg aber weit ist, ich niemanden aus Berlin kannte der sich als Mitfahrer angeboten hätte, sowie niemanden vor Ort und das erste Oktober Wochenende bei mir fast traditionell für familiäre Angelegenheiten reserviert ist, kam es nie dazu. Die familiäre Atmosphäre dieser Gruppe aber sorgte dafür das meine Sehnsucht nach diesem Festival größer wurde und als ich dann eine Woche vor Beginn las, dass Pagan’s Mind abgesagt hatten und dafür Pain of Salvation 2 Gigs spielen, einen mit altem Zeug und das komplette Remedy Lane Set, gab es keine Ausreden mehr. Ich musste dahin!

FREITAG

Also alles schnell organisiert, Freundin eingepackt und ihr Ticket bestellt, eine Unterkunft im korrespondierendem Kastell de Berckt reserviert und, was der größte Akt war, um 5 vor 12 einen Leihwagen in Berlin gebucht. Fast schon traditionell übermüdet startete dann die ca. 600 Kilometer lange Fahrt gegen Freitag Mittag, die in dem beschaulichen niederländischen Örtchen Baarlo an der Deutschen Grenze um kurz nach 7 ihr Ende fand. Da es sich beim Progpower Europe um eine Indoorfestival handelt und die Rezeption des Kastell de Berckt ab 18:00 nur unregelmäßig besetzt sein sollte, versuchten wir unser Glück erst einmal mit dem Check In. Unser Timing hätte besser nicht sein können, denn gerade eingeparkt fuhr ein schwarzer Van vor und niemand geringeres als die Jungs von Pain of Salvation krochen verschlafen hervor. Ein Vorgeschmack auf das sehr familiäre Flair.

Nach einem kurzen liebevollen Hallo ließen wir die Herren aber auch in Frieden, da sie von ihrer langen Tour gezeichnet waren und wir auch selber nicht wussten was uns erwartet. Das Kastell de Berckt selbst ist ein Historisches Schloss auf dem gleichnamigen Landgut mit Park, Bauernhof, Kneipen und allem was dazu gehört. Dieser malerische Ort sollte also unser Domizil für die kommenden Nächte sein und nachdem wir uns vom internen Café und dem Innenhof überzeugt hatten, bezogen wir dann auch unser Zimmer. Dieses war etwas puristisch und hatte neben einem Stockbett, einem Doppelbett , 2 Regalbrettern und einem Waschbecken mit Spiegel nichts zu bieten, ganz im Gegenteil zum Rest des Anwesens. Etwas Pech schienen wir mit dem großen Ansturm der Mücken zu haben, die entweder durch die Jahreszeit oder durch den unweit entfernten Burggraben zahlreich herumschwirrten und uns erst einmal zu einer Säuberungsaktion veranlassten bei der dann auch noch die Sicherung rausgeflogen ist.

Alles verstaut und bereit für die erste Band ging es dann zur Halle. Weil wir es eilig hatten nahmen wir das Auto, da der Fußmarsch zwar idyllisch, aber mindestens 2 km lang ist. Ein Parkplatz in unmittelbarer Umgebung zu finden war kein Problem und auch die Organisation der Festivalbändchenübergabe ging rasch. Der Ort der Festivals, das Sjiwa ist in Holland eine traditionelle Konzerthalle für mittelgroße bis größere Acts. Altrockstars à la Kansas, The Sweet, Uriah Heep bis zu Bruce Dickinson und Fates Warning haben hier schon gespielt. Im Grunde genommen ist es eine recht normale Konzerthalle mit einem Fassungsvermögen von ca. 1000 Menschen, allerdings mit einem zusätzlichen Balkon und Kellerbereich, die beim Progpower gut gefüllt war ohne über zu quellen oder kurz vor dem Ausverkauf zu stehen, also angenehm zum Bewegen. Während ich noch dabei war die Halle zu mustern und etwas ziellos nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten, wurde ich schon von Raimond begrüßt, den ich seit dem Münchner Aufenthalt nicht mehr wiedergesehen hatte, der mich hingegen sofort erkannt hatte.
Ein kurzes Pläuschchen und dann fiel der Vorhang pünktlich um 20:00 Uhr und mit Votum wurde die erste Band des Festivals angekündigt. Da ich nur Pain of Salvation wirklich gut kannte und mir Chimp Spanner noch etwas geläufig sind, lies ich mich von allen anderen Bands erst einmal überraschen. Unsere Nachbarn aus Polen machten ihre Sache auf jeden Fall mehr als solide und legten damit gut vor.

Der Opener kam sehr grooveorientiert daher, war schön angeprogt mit leichten Gitarrenmelodien und einem schwermütigen Refrain. Progressive Metal polnischer Prägung möchte ich fast meinen wenn ich an Bands wie Riverside und Indukti denke. Düsterer, melancholischer teils aggressiver Prog Metal der vor allem auf Atmosphäre und Songdienlichkeit setzt und großes Gefrickel außen vor lässt. Doch so ganz wird man den Hauptstädtern damit nicht gerecht, haben doch die Akustikgitarreneinlagen von Sänger Bartosz und die Elektroanleihen von Keyboarder Zbigniew ihren eigenen Charme. Und nachdem „Dead Ringer“ mit einem grandiosen Basslauf daherkommt und auch mal zügiger wird, kommen in „New made Man“ sogar Fusioneinflüsse zum Vorschein. Das Progpower Publikum nimmt Votum auf jeden Fall dankend an, auch wenn der Sound nicht ganz optimal ist und man hier und da gerne ein Bisschen mehr vom Keyboard hören würde. Die Stärke der Kompositionen und die gelungenen kleinen Finessen funktionieren jedoch auch ohne perfekt differenzierten Sound, dazu kommt das Sänger Bartosz in Jeans und gemütlichem Wollpulli seine Lyrics deutlich lebt und zu jedem Zeitpunkt sympathisch rüberkommt. Da ist es fast schon zweitrangig, dass in „Steps in the Gloom“ ein extrem geiler slappender Bass ausgepackt wird und dass in „Coda“ auch noch orientalisch folkloristische Elemente in Form eines Bouzoukiparts addiert werden. Votums Konzept geht einfach auf, da sich die kleinen Mosaiksteine alle stimmig in das Gesamtbild einfügen und das macht ihre Musik so großartig. Als die Warschauer nach 75 Minuten letztlich die Bühne verlassen bin ich mir sicher, dass ich mir das Ganze noch mal auf CD zu Gemüte führen sollte und das ist doch das beste Kompliment, das man einer unbekannten Band machen kann.

First felt pain
Dead Ringer
New Made Man
Me in the dark
Stranger than fiction
Steps in the Gloom
Bruises
The Hunt is on
Coda
Im Gegensatz zu den großen Festivals, die sich mit Bands und Bühnen gegenseitig überbieten, so dass man am Ende diverse Überschneidungen hat, von vielen Bands nur Schnipsel mitbekommt und im schlechtesten Fall noch Soundüberlagerungen in Kauf nehmen muss, ist das Konzept des Progpower Europe mit nur einer Stage ein anderes. Hier hat man Zeit Menschen und Bands kennenzulernen und sich auch mal ausführlicher zu unterhalten, was wir in der ersten 45 Umbaupause auch taten. Zeit auch den Merchandise Raum im Keller zu begutachten, der jetzt weniger progorientiert war, dafür um so mehr Metal und Rock im Angebot hatte. Besonderes Augenmerk fiel auf die Vinylecke und die Special Editions vieler Alben, ansonsten war es ein eher durchschnittlich sortierter Metalladen. Neben an, ebenfalls im Keller, der Raum für die Aftershowparty, der aber auch tagsüber durchgehend gut besucht war. Eine eingebaute Kneipe mit Billiardtisch, Dart, Sofas und Stühlen, gemütlich und einladend war hier vorzufinden. Da wir aber mehr an der nächsten Band als einer Runde Pool interessiert waren, ging es wieder nach oben, und zwar ganz nach oben auf den Balkon.

Da ein Balkon keine Tribüne ist, waren wir froh einen Platz ganz vorne ergattern zu können, denn sonst wäre die ganze Aktion ziemlich witzlos gewesen. Der obligatorische Bühnenvorhang öffnete sich ein weiteres Mal und diesmal war es Zeit die Amis von Jolly zu begrüßen, die mit ihrer Bandansage „Guidance One“ ankündigten den Zuschauer auditiv zum Glück zu geleiten. Challenge accepted sage ich da nur. Im Zeitalter der vielen Glücksratgeber ist dieses Unterfangen nicht ganz einfach. Formell ausgestattet mit Hemd und Anzug ging es für die vier dann auf die Bühne um ihre Mixtur aus Alternative Rock, Hardrock mit Keyboards und progressiven Elementen zu präsentieren. Mit dem kraftvollen „Ends where it starts“ und dem ruhigeren „Joy“, das mit einer großartigen Hookline gespickt ist gelang zuerst auch ein Auftakt nach Maß, der dann in „The Pattern“ seinen ersten Höhepunkt fand, ein treibender Groove mit wunderbarem Gitarrenlauf und einem Mitsingrefrain. Danach nahm man erst einmal den Fuß vom Gas und nach und nach schien es als wenn man vergessen hätte, wo sich das Pedal befindet. Gitarrist und Sänger Anadale und Bassist Anthony gerieten auf der Bühne zwar ordentlich ins Schwitzen und entledigten sich schichtweise ihrer Klamotten womit der Unisono Look hinfällig wurde, aber die Songs wurden eher ruhiger und oft vom Synthie getragen. „Guidance two“ kam vom Band und leitete den nächsten Teil ein, der wenig Höhepunkte bereithielt. Vom Gefühl getrieben das Ende des Konzerts zu erleben, schaute ich auf die Uhr, nur um festzustellen dass noch nicht einmal die Hälfte um war. Die sympathischen Amis verflachten für mich langsam, da ihre Musik zwar coole rotzige Riffs und einige interessante Elemente enthält aber auf Dauer doch sehr gleichförmig daherkommt und es einfach an qualitativen Hooklines fehlt, die das ganze zumindest griffig gestalten. Der Sound war auch hier und da etwas dröhnend und ich fragte mich immer mal was an Jolly eigentlich progressiv sein sollte. Zumindest der Keyboarder versuchte mit seinen Soundeinstellungen und kleinen Samples viel Abwechslung zu erzeugen und nach der Halbzeitpause, die von „Guidance three“ eingeläutet wurde, gab’s auch mal wieder was zum Bangen. Auch das Keyboardmotiv von „Lucky“ , sowie die kleine Einlage von Bassist Anthony der sein Instrument mit einem Bogen bearbeitete und dadurch schöne neue Klangwelten kreierte waren durchaus nette Elemente, die für sich alleine betrachtet funktionierten aber den Zusammenhang zum Gesamtkonzept irgendwie vermissen ließen. Und so plätscherte der Gig seinem Ende entgegen ohne in einem großen Finale zu enden. Die Masse quittierte den Einsatz des Vierers jedoch mit viel Applaus und für viele der Anwesenden war der Jolly Gig das Highlight des Festivals. Ich jedoch fragte mich warum die Herren den längsten Slot zugewiesen bekamen, wo ihre Ideen doch bestenfalls für eine Stunde gereicht hätten, eine Meinung mit der ich nicht ganz alleine stand aber klar in der Unterzahl war.

Guidance One
Ends where it Starts
Joy
Pretty darllin'
The pattern
Storytime
Guiodance Two
Still a dream
Radiae
Where everything's perfect
Dorothy's lament
Intermission
Guidance Three
Firewell
You against the world
Aqualand and the seven suns
Dust nation bleak
Golden divide
Guidance four
Lucky
While we slept in burning shades
Despite the shell
As heard on tape
The grand utopia

Die Fahrt noch in Knochen beschlossen wir im Gegensatz zum Rest der Meute das Kastell zu besuchen und die Aftershowparty sausen zu lassen. Was man jedoch so aus dem Innenhof mitbekam, gab es auch im Kastell einiges zu feiern und als das Zimmer mitten in der Nacht hell erleuchtet war, ging auch der Strom wieder.

SAMSTAG

Am nächsten Morgen weckte uns die strahlende Sonne im Kastell und wir watschelten noch etwas verträumt zum Speisesaal um das angebotene Frühstücksbuffet zu begutachten. Die Auswahl war überschaubar, aber ausreichend. Neben verschieden Teesorten und Kaffee wurden Apfel- und Orangensaft, verschiedene Brötchen und Brote, Butter, 2 Marmeladen, Nutella, etwas Wurst und Käse, Joghurt, 2 Müslis, Milch und gekochte Eier angeboten. Für mich persönlich war dennoch wenig dabei, da ich weder Nutella, noch Aprikosenmarmelade noch Milch oder Ei vertrage, Müsli somit flachfällt und ich zum Frühstück in der Regel nicht herzhaft esse. Sojamilch oder eine weitere Marmelade konnte auf Nachfrage nicht geordert werden und nachdem das Teewasser, sowie Marmelade und Brötchen alle waren, wurde auch nicht wieder aufgefüllt. Vielleicht lag es jedoch auch an der schon fortgeschrittenen Zeit und wir hatten einfach Pech, doch der Personenandrang war nicht gerade gering und vielleicht wäre das ein Punkt, den man definitiv verbessern könnte. Da wir jedoch im Speisesaal zwischen den immer noch erschöpft wirkenden Herren von Pain of Salvation, den Jungs von Jolly und Votum saßen und ich über Raimond noch 10 weitere Menschen kennenlernte, spielte mein mangelndes Frühstück schnell eine untergeordnete Rolle.

Nachdem Frühstück ging es dann direkt zu einer Prelistening Session des neuen „Armed Cloud“ Albums in das Café des Kastells. Nicht das ich jemals vorher von der Band gehört hatte, aber es lohnte sich den symphonischen Progmetal mit großartigen Melodien anzuhören, erst recht in Gemeinschaft Gleichgesinnter. Einen Musiktipp reicher beschloss ich mich mit meiner Freundin der neuen Truppe anzuschließen und einen Spaziergang durch Baarlo an die Maas ins CaféD’Heeren von Baarlo zu machen. Dort angekommen in einer munteren Runde aus Holländern, Luxemburgern und Deutschen gab es dann eine Spezialität der Region: Reistorte. So fremdartig es der Name auch verlauten lässt, die Torte war wirklich lecker und auch der Rest der Gruppe war mit seinen bestellten Kirschsahnetorten oder Apfelstreuselkuchen sehr zufrieden. Und so verging durch weitere angeregte Gespräche die Zeit im Nu und der erste Auftritt des Tages stand vor der Tür.
Wieder im Sjiwa angekommen, war es nun Zeit für Disperse aus Polen. Bereits die ersten cleanen Gitarrenakkorde, die von spacigem Keyboardklängen untermalt wurden deuteten an worum es gehen wird: Atmosphäre. Wie schon am Abend zuvor bei Votum tauchte der Zuhörer in eine wohlige Melancholie ein, die von einer rhythmischen Gitarrenwand ab und an aggressiv vorangetrieben wird. Disperse sind jedoch erste Anfang/Mitte 20 und wer ihnen Einfallslosigkeit attestieren will, liegt vollkommen daneben. Ihr Stil ist trotz der ähnlichen Grundstimmung eigenständig und bedient sich vieler unterschiedlicher Einflüsse. Der Opener „Dancing with endless love“ kommt harmonisch eher aus der jazzigen Ecke und als es mit „Unbroken shiver“ in die Vollen geht, fühlt man sich stärker an Meshuggah Grooves erinnert als an Opeth oder Katatonia. Hinzu kommt, dass mit Jakub Zytechi ein absoluter Vollblutgitarrist auf der Bühne steht. Ob gefühlvolle Leads, ultraschnelle Arpeggios, Tappings oder krumme Grooves, der Jungspund zockt die Noten so arschtight runter dass so manchem gestandenen Gitarristen die Tränen kommen könnten. Doch der Mann mit der Petrucci Gitarre, soliert nicht ganz so exzessiv wie sein Idol, sondern stellt sein Können immer songdienlich hinten an und schafft es so vor allem der Band mehrere wichtige Facetten hinzuzufügen, die ihre Songs von anderen abheben. Auch „Profane the Ground“ und „Enigma of Abode“ ziehen und auch wenn die Halle noch nicht übermäßig voll ist, die Anwesenden sind mit Disperse vollends zufrieden.

Diese belassen es bei Material vom aktuellen Album und leiten schließlich kurz vor Schluss nochmal eine Coverrunde ein mit ProdigysVoodoo People“ und „Pug“ von den Smashing Pumpkins. Da ich weniger die einen, noch die anderen übermäßig schätze, bin ich etwas verwundert, dass sich die Covers wirklich gut in ihr Set einfügen. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass sich die Polen nicht hinter diese Songs verstecken müssen und dass mir zwei weitere eigene Lieder lieber gewesen wären. Den Abschluss eines Gigs, den man nur als sehr gelungen bezeichnen kann, bildet dann „Message from Atlantis“, ein ruhiger, atmosphärischer Song, getragen von einer längeren Cleanpassage, die in einem letzten petrucciartigem Solo mündet.

Dancing With Endless Love
Unbroken Shiver
Touching The Golden Cloud
Profane The Ground
Enigma Of Abode
Choices Over Me
Voodoo People (Prodigy cover)
Pug (Smashing Pumpkins cover)
Message From Atlantis
Zufrieden verlassen wir die Halle um uns an der Frischluft die Füße zu vertreten und uns beim Supermarkt 100 Meter weiter gekühlte Getränke zu holen. Die Powermetalfraktion unserer Gruppe blickt der nächsten Band mit Vorfreude entgegen und ich kann mir in etwa vorstellen was da auf mich zukommt.

30 Minuten später betreten Prospekt die Bühne und bereichern das Billing um eine bisher nicht gehörte Facette. „A desolate Kingdom“ ist pompös, treibend, groovig und vor allem doublebasslastig, Sänger und Keyboarder Richard Marshall thront mit seiner hohen und sehr hellen Stimme über allem während er mit seinem Keyboard ein paar Flächen einwirft und den Groove dem Rest überlässt. Der rotgelockte Bassist Phil ist in Dauerbewegung und zwischen Bangen und Posieren eigentlich kaum vor die Linse zu bekommen und Gitarrist Lee kommt konzentriert daher, denn er ist der Mann für die Soli, und was für welche. Ein Shredderer vom Herren, der alles drauf hat was man von Gitarrenvirtuosen heutzutage erwartet. Fans von Symphony X kommen mit der instrumentellen Seite von Prospekt auf jeden Fall auf ihre Kosten, nur hat ein Michael Romeo einfach noch bessere Melodien auf Lager und Russell Allen kann seine Stimme stärker variieren. Die Briten jedoch sind was das Songwriting angeht abgeklärt, vielleicht zu abgeklärt für manche Anwesenden. „Dissident Priest“ und „Eternal Memories“ geben weiter auf die 12, danach kommt ein Longtrack mit schönen Tempowechseln und ruhigen Passagen und auch eine Ballade darf nicht fehlen, bevor man wieder zur Doublebass greift. Doch trotz der klassischen Elemente des traditionellen Progressive Metal kommt durch die charismatische aber auch erdrückende Stimme von Richard hier und da etwas Monotonie auf. Zu präsent sind seine Höhen und zu dominant die Harmonien die er der Musik auferlegt. Nach einer weiteren Offenbarung seines Könnens in Form eines Gitarrensolos, bittet Mr. Luland zum Mitbangen beim Midtempogroovemonster „Shroud“, bevor mit „Shutter Asylum“ der Gig beendet wird. Auch Prospekt werden mit ausreichend Applaus verabschiedet und den haben sie sich auch redlich verdient. Hier und da würde man sich noch ein paar Überraschungen wünschen, ein bisschen mehr Variation in Stimme und Harmonien und ein wenig mehr Emotion, was man Prospekt aber zu keinem Fall absprechen kann ist Professionalität. Die Grooves saßen, die Highspeedsoli waren nahezu perfekt und auch die Stimme war kraftvoll und sauber.

Intro
A Desolate Kingdom
Dissident Priests
Eternal Memories
Hunting Poseidon
Visions
The Great Awakening
Guitar Solo
Shroud
Shutter Asylum

Also wieder raus aus der Halle und ein Schwätzchen mit den Jungs von Disperse und ihrem Soundmann gehalten, die gerade auf dem Parkplatz vor der Halle aus ihrem Van heraus Merchandise verkauften. Die Band plus Crew kommt aus dem Krakauer Umland und muss leider noch heute den 1000 Kilometer langen Heimweg antreten, dennoch wird man sich die anderen Bands noch anschauen und hoffen den ein oder anderen Artikel zu verkaufen. Der Andrang an den signierten Cds ist gar nicht mal so klein und die 30 Minuten Umbaupause vergehen wie im Flug.
Mit Aeon of Horus ist dann die erste Progressive Death Metal Band am Start. Da diese Band in alphabetischer Reihenfolge natürlich ganz vorne aufgelistet war, hatte ich mir hier schon ein paar Songs auf You Tube gegeben. Progressive Death oder Technical Death wie er sein sollte, getragen von vielen hektischen Breaks und Taktwechseln, einer verdammt groovenden Rhythmusfraktion und einem Mordsgrowler angereichert von atmosphärischen Keyboardflächen. Live fällt als erstes eines auf, die optische Präsenz von Basser Adam und Growler Carlo. Während erster vor allem durch sein sympathisches Dauergrinsen besticht und mit seinen Pausbäckchen einfach knuffig daherkommt, wundert man sich bei zweitem ob das wirklich die adäquate Visualisierung zu dem Gehörten ist. Ein Mann mit langen rotgelockten Haaren und Brille den man durchaus als IT-Spezalist vermuten könnte weil er etwas nerdy wirkt, bläst einem mit derart druckvollem Gegrowle in die Sitzlehnen, dass man nur den Hut ziehen kann.

Leider bahnt sich schon beim Opener „Antithesis“ das Problem dieses Gigs an, und es ist einmal mehr der Sound. Von vielen Grooves und Gitarrenläufen ist einfach nicht viel zu erkennen weil der Sound sehr breiig ist und so sieht man zwar dass die Australier über ihre Saiten flitzen aber man sucht oft vergeblich nach dem Äquivalent im Audiobereich. Fast schon erleichternd ist es da, dass Aeon of Horus auch ein paar atmosphärische Passagen vom Keyboard getragen oder einfach Cleanparts mit jazzigen Touch eingebaut haben, denn solange nur eine Gitarre stark verzerrt ist kann man beide gut vernehmen. Da ich eh nicht der große Death Metal Fan bin und Progressive Death instrumental oder wenigstens mit ein paar Cleanpassagen am liebsten hab, fällt dieser Auftritt ein wenig hinten über was schade ist, da man das Potential deutlich erkennt und die CDs nicht von schlechten Eltern sind. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden und auch hier muss man wieder sagen, dass das Publikum Aeon of Horus mit nicht weniger Applaus als Disperse oder Prospekt versieht. Für die Death Metal affinen hat der Fünfer aus Down Under gute Arbeit erledigt und für manche wenige war es ein Highlight. Also mal wieder gemischte Meinungen.

Antithesis
Refraction
Release
Symbiosis
Emanate
3C321
Radiate
Dissipate
Resolve
Nun stand das Diner Break an. Was im ersten Moment wie eine Pause mit Gratisessen daherkommt, entpuppt sich aber einfach nur als längste Umbaupause des Tages für den Zuschauer. Ob es für die Bands anders ist weiß ich nicht, jedoch fällt auf dass die Briten von Prospekt genau wie wir den Weg zum Wok Baarlo, dem örtlichen Chinamann antraten. Angepriesen als einziges Restaurant im Ort dass vom Preis-Leistungs-Verhältnis solide ist, probierten wir das All-You-Can-Eat-Buffet, das auch für Berliner Verhältnisse in Ordnung ging. Die Auswahl der Gerichte war reichlich, dazu gab es ein üppiges Salat Buffet, man konnte sich sein Fleisch und Gemüse der Wahl direkt vom Koch auf der heißen Herdplatte braten lassen und eine kleine Auswahl an Desserts und Kuchen gab es auch noch. Auch dieser Laden wurde schnell überrannt von einem Ansturm aus Progpower Touristen und wir waren froh, dass wir uns schon rechtzeitig reichhaltig eingedeckt hatten.

Früh genug zurück vor der Bühne um einen guten Platz für mein Highlight Pain of Salvation zu ergattern, bekamen wir am Rande noch mit, dass den Herren aus Eskiltuna wohl die Instrumente abhanden gekommen waren und sich für diesen Gig alles geliehen werden musste. Mit einer Verzögerung von knapp 10 Minuten kamen die 5 dann begleitet vom düsteren Intro des Songs „Deus Nova“ auf die Bühne um mit „Used“ gleich mal ordentlich Gas zu geben. Von der ersten Sekunde an war unumstößlich klar, dass hier Profis und Perfektionisten am Werk sind. Auch auf fremden Instrumenten war der Sound differenziert, feinste Nuancen von Keyboard, Bass und cleaner Gitarre waren wahrzunehmen und Daniels göttlicher Gesang wurde mehrstimmig ergänzt wie man es von den Alben gewohnt ist, nur viel viel drückender.

Auch wenn der Rest gute Arbeit ablieferte musste man gestehen dass Pain of Salvation hier in einer eigenen Liga spielten. Auch dem Publikum war das anzumerken, wobei man auch vermuten kann, dass es daran lag, dass Daniel Gildenlöws Mannen schlichtweg etablierter sind. Mit „In the Flesh“ blieb man dann beim „Perfect Element“ Album und präsentierte eine weitere Rarität bevor „Ashes“ fast vom gesamten Publikum lauthals mitgesungen wurde. Als danach auch noch „Morning on Earth“ intoniert wurde , überkam mich kurz der Gedanke ob hier neben Remedy Lane auch das komplette Vorgänger Album gespielt werden sollte. Nach dieser herzerwärmenden Ballade meldete sich Daniel dann zu Wort, bedankte sich für die geliehenen Instrumente und begrüßte das Publikum. Zwei Tage lang alte Songs auf die viele lange gewartet hatten, dafür aber in neuem, irgendwie auch alten, Look. Die alte Regel, dass man keine Bandshirts auf der Bühne trägt, scheint wohl hier nicht zu gelten. Die neue Besetzung trug etwas Killing Joke und Sacred Reich zur Schau, was das Feeling für mich etwas lockerer als üblich gestaltete. Dem musikalischen Anspruch tat das aber keinen Abbruch. Nach „Perfect Element“ begab man sich nun zum Debut „Entropia“ zurück um dessen Opener in die Menge zu schmettern. „Do my words mean more to hear when I am standing here? On a stage like all your silly idols do!” Ein Vorwort für das musikalische Schaffen, diesmal etwas mittig platziert, gefolgt von den beiden funkigen Nummern „Nightmist“ und „People passing by“ mit schönen slappenden Basseinlagen und ein, zwei neuen Variationen. Bevor man diesen gefeierten Gig ausklingen ließ, begab man sich noch einmal zu den neuen Cds zurück mit „1979“ und „Linoleum“ bevor dann, schon längst über der Zeit, der Longtrack „The perfect Element“ samt Pink Floyd anmutendem Intro „Falling“ zelebriert und einmal mehr lauthals mitgesungen wurde.

Ich habe von Daniel Gildenlöw egal in welcher Besetzung noch keinen schlechten oder mittelmäßigen Gig erlebt und auch wenn er am Frühstückstisch noch kaputt wirkte, auf der Bühne ist der Mann ein Energiebündel und Ausnahmesänger weil er wirklich jeden Ton lebt, und mal mit mehr Druck, mal fast zerbrechlich, hoch, tief, flüsternd, wütend schreiend und rappend ein schier endloses Repertoir auf Lager hat mit dem jede Passage in eine eigene Stimmung getaucht werden kann. „Was kann jetzt noch besser werden?“, höre ich jemanden fragen. Vielleicht das nächste Set am morgigen Abend denke ich und verlasse euphorisiert die Halle.

Deus Nova 
Used
In the flesh
Ashes
Morning on earth
! (Foreword)
Nightmist
People passing by
1979
Linoleum
Falling
The perfect element
Nach einem weiteren Gang zum Supermarkt und einem Bisschen Fachsimpeln über das Gehörte ging es wieder rein um zu schauen was Aeon Zen so zu bieten haben. Da der Headliner schon gespielt hatte eine sehr schwierige Aufgabe für die Briten, die aber ihrerseits auch einen guten Plan parat hatten. Da sie es im Jahr zuvor im Besucherpoll auf Platz 2 geschafft hatten, wurden sie für das letzte Progpower nicht berücksichtigt, machten aber gehörig Eindruck und zogen in diesem Jahr quasi nach.

Und da das Progpower für kleine Bands aus der Progecke eine Art Feuertaufe darstellt, haben sich die 5 auch besonders Mühe gegeben und extra ein Bandansage als Intro vorbereitet. Mit „The Entity“ eröffnete man auch gleich mit einer Videoauskopplung und jeder Menge Groove und Energie. Unterstütz wurde dieses Gefühl von der energetischen Performance von Sänger Andi, der erste in diesem Jahr der nicht noch selbst nebenbei ein Instrument bediente und sich voll und ganz auf’s Performen konzentrieren konnte. Eine angenehme Mischung aus angeprogtem Power Metal mit groovigen 7- und 8-Saitergitarren und unterstützenden Growls durch Bandkopf Mitch am Bass. Gitarrist Alistair streute hier uns da sehr filigrane Soli ein, zog sich aber ansonsten etwas aus der Affaire und wirkte für sein Können fast schon unangemessen schüchtern. Auch wenn mir die Herren aus Cambridge gar nichts sagten, ein paar laut mitsingende Fans hatten sie und auch so waren ihre Songs im Ganzen ganz gut nachvollziehbar, was es einem als Neuling einfach machte. Und wer noch nicht mitging, konnte sich von Sänger Andi dazu animieren lassen.

Songs wie „Into the Infinite“ und „Redemptions Shadow“ hatten feine Hooklines am Start und auch die anderen Songs waren nicht von schlechten Eltern. Ab und an kamen auch, wie bei „Rememberance“, deutliche Devin Townsend Einflüsse zur Geltung, sowie leichte Synthisamples, die die Mixtur weiter verfeinerten und individuell bereicherten. Bereits 5 Cds haben Aeon Zen am Start und da alle im Set Beachtung fanden, kam das Gesamterlebnis sehr ausgewogen und stimmig daher. Von Uptempo bis langsam, von growlenden und tiefen kratzigen Vocals vom Bassisten bis zur hohen Stimme des Sängers und von groovig verspielt bis eingängig war das ganze Spektrum vertreten. Schade nur, dass man auch hier das Keyboard nur marginal zu hören bekam, gab es doch zumindest ein paar Soli. Als guter Entertainer mit der einen oder anderen Pointe und obligatorischem Mitsingpart führte Andi das Publikum dann zu Ende des Gigs, der mit „Unite“ abgeschlossen wurde. Zwar konnte das Niveau von Pain of Salvation nicht ganz gehalten werden, aber Aeon Zen waren weit davon entfernt ein Lückenfüller zu sein und haben hier definitiv auf sich aufmerksam gemacht.

The Entity
Soul Machine
Into The Infinite
Redemption's Shadow
Warning
Remembrance
Rebuild The Ruins
Downfall
Portrait
Time Divine 2.0
Unite
Das letzte Mal Umbaupause für Samstag und dann zu Voyager, die mich bis dato am neugierigsten gemacht haben, da ich viele Stimmen vernahm, die diesem Gig entgegenfieberten. Melodisch sollte es sein und kultig und wenn man die Shirts am Merchandisestand als Anhaltspunkt nehmen darf auch etwas nerdig. Epic Electro Progressive Power Pop Metal stand da auf knalleroten, geradezu leuchtenden T-Shirts. Als der Vorhang dann fiel war ich zunächst etwas verwirrt, da ich mir Voyager etwas älter vorgestellt hatte, so kultig wie sie ja sein sollten.

Der optischen Verwirrung folgte jedoch keine akustische, denn wenn Voyager eines nicht sind, dann schwer durchsichtig. Wer nun aber denkt das sei negativ, wir sind schließlich auf einem Progfestival, der irrt. „The Domination game“ heißt der Opener und man fühlt sich nicht nur vom Namen an manche Symphony X Stücke erinnert. Eine verdammt geil groovende Rhytmusfraktion schmettert leicht krumme Rhytmen mit abgehackten Melodiebögen, dazu gesellt sich eine angenehm warme Stimme die sich in mittleren Lagen befindet und sehr charismatisch an so manchen Gothic Metal Bariton erinnert. Abgerundet wird das Ganze mit epischen Keyboardklängen und eingängigen Hooklines die auch kein Radiohörer verschmähen könnte. Und das Schöne ist, Voyager haben davon nicht nur eine im Gepäck. Auch „Land of the Lies“ und „Stare into the Night“ sind der Natur, dass man nach dem ersten Refrain den zweiten Mitgröhlen kann ohne dabei schleimig triefenden Kitsch à la Amaranthe abzuliefern.

Nicht weit vorne stehend fiel mein Blick pünktlich zum Solo natürlich auf die Gitarristen und ich war mir erst nicht sicher ob die Leadgitarre zu meiner linken von einem sehr zarten Jungen oder einer Frau gespielt wurde. Beim zweiten wurde es dann klar, wir haben es hier mit einer Frau zu tun, Simone Dow um genau zu sein, die bei Voyager die Saiten quält. Nun bin ich über die Jahre etwas skeptisch geworden was weibliche Gitarristen betrifft, zu oft werden Frauen nur für die Optik eingesetzt und können lediglich ein paar Akkorde spielen, auch wenn man gerade auf You Tube erkennt dass es auch anders geht. Simone das zu unterstellen käme einer Beleidigung gleich. Erstens ist die Rhythmusarbeit von Voyager alles andere als für Anfänger geeignet, zweitens shreddert die gute Skalen vom feinsten runter. Arpeggios, Sweepings, Tappings – alles was das Gitarristenherz begehrt und dazu noch eine Rampensau vom Dienst immer am Bangen oder im Steve Vai Style Grimassen schneiden. Es sollte mehr Frauen wie sie in der Szene geben!

Ihr männliches Pendant an der anderen Gitarre ist nicht minder talentiert und eine klassische Teilung in Rhythmus- und Leadgitarre scheint es bei Voyager nicht zu geben. „Hyperventilating“ und „Lost“ ziehen fürs erste fast noch mehr als ihre Vorgänger und Sänger Daniel Estrin erinnert mich mehr und mehr Dave Gahan von Depeche Mode. Er ist allerdings auch nicht der einzige am Mikro, denn auch Bassist Alex unterstützt ihn ordentlich, sei es nun mit Growls oder mehrstimmigem Gesang. Mittlerweile in der Mitte des Gigs angelangt nimmt sich die Band Zeit das Publikum durch ein paar humoristische Einlagen abzuholen. Sänger und Keyboarder Daniel wirft ein paar Deutschfetzen in die Menge, Russisch und Holländisch folgen, und bedankt sich für den grandiosen Empfang. Kritische Stimmen die nicht sicher waren ob die Multikultitruppe aus Perth in der Lage ist ihrem spontanen Headlinerslot gerecht zu werden und die 90 Minuten zu füllen kann man getrost auf diesen Teil verweisen. Denn wenn es Gefahr laufen konnte etwas gleichförmig zu werden, dann waren sie zur Stelle, zum Beispiel mit einem Medley aus 90er Popsongs und Klassikern. Mit knallroter Keytar ausgerüstet, einem Instrument was man von Henrik Klinkenberg, Jens Johansson oder Jordan Rudess kennt, oder auch Dieter Bohlen der es in Deutschland in den Achtzigern salonfähig gemacht hat, geht es durch „Backstreet’s back“, Haddaways „What is love?“ , den Beverly Hills Cop, Ghostbusters, RushsYYZ“ „Highway to Hell“, John Farnhams „You’re the voice“ bis hin zu „Killing in the name of“ von RATM.

Ein Überraschungsauftritt nimmt seinen Lauf und wird für viele das Highlight des Wochenendes. Natürlich sind Pain of Salvation emotionaler aber Party macht keiner besser als Voyager . Ein weiteres Highlight rauszupicken fällt schon schwer, für mich sind „The Devil in me“, „Breaking down“ und der Rausschmeißer „White Shadow“ jedoch noch eine Spur besser als der Rest. Das Progpower Publikum feiert Voyager, die Australier wollen kaum von der Bühne aber es gibt ja noch die Aftershowparty. Für heute zumindest ist Schluß.

The Domination game
Land of the Lies
Stare into the Night
Iron Dream
Hyperventilating
Lost
Morning Light
Medley
Orpheus
Devil in me
Between the Sheets
Sober
Pulse 04
Breaking down
The Meaning of I
I am the Revolution
White Shadow

Wir begeben uns fürs erste ins Kastell, begegnen auf dem Weg dahin Pain of Salvation die ihre Koffer ziehen, können sie aber mangels Platz im Wagen nicht mitnehmen. Ein klein Bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich gehofft hatte mich mit ihnen etwas zu unterhalten aber wie es scheint ziehen die Herren den Schlaf vor und ich kann es ihnen auch nicht verübeln. Und wie der Zufall spielt wird auch aus unserer Aftershowparty wieder nichts.

SONNTAG

Im Frühstückssaal erkenne ich diesmal noch mehr bekannte Gesichter. Voyager, Aeon Zen, Prospekt, Aeon of Horus, alle sitzen sie da in Gespräche mit Fans verwickelt. Die Aftershowparty ging bis um 5 und soll ziemlich gerockt haben. Wir haben leider nur die Betten gerockt, aber was soll‘s. Nach einer Bekanntschaft mit Brasilianern und einer Venezolanerin werden wir auf selbstgemachte Caipirinhas und venezolanische Rum eingeladen und so vergeht im netten Gespräch der Vormittag. Da wir in der Nacht noch die Heimreise antreten müssen um den Mietwagen auch pünktlich zurück zu geben, checken wir, unter allgemeinem Bedauern, aus und begeben uns an einem wolkenverhangenen Tag ein letztes Mal zum Ort des Geschehens.

Dort beginnen gerade die Niederländer von Cartographer ihr Heimspiel, und das als erste instrumentale Band des Festivals. Post progressive Rock soll es sein, was den Hörer hier erwartet und nach den ersten Minuten stimme ich dieser Kategorisierung durchaus zu. Ich bin an sich kein Fan von Postrock, nicht weil mir die schwebende, melancholische Atmosphäre nicht gefällt, nein, es ist mehr die Monotonie die oft aufkommt bei der minutenlangen Wiederholung eines oft eh schon sehr simplen Motives. Diesen Vorwurf kann man den Tilburgern allerdings gar nicht machen. Von kurzen Songs bis zum Longtrack ist hier alles vertreten und wenn eine Akkordfolge sich durch das Lied zieht, so wird sie ständig variiert, ergänzt oder weiterentwickelt. Die drei Gitarren sind klug eingesetzt, Breaks sorgen für die nötige Würze an den richtigen Stellen und wenn es sein muss, wird auch mal die Double Bass Attacke gefahren. Das Publikum quittiert die Leistung wohlwollend ohne in ganz große Begeisterungsströme auszubrechen, was ich mir bei Post Rock aber im Allgemeinen schwer vorstellen kann, da es einfach nicht zur Atmosphäre der Musik passt. Das gleiche gilt für die Band, großes Stageacting passt hier nicht weswegen die Holländer ihr Set gefühlvoll und unaufdringlich spielen, bei manchen Passagen aber durchaus abgehen. Wer jedoch schon ausreichend wach ist, und diese Art von Atmosphäre schätzt hat es hier mit durchaus fähigen Musikern und Songwritern zu tun. Gerade zum Ende hin habe ich bei „Bargaining“, „Satao’s bane“ oder dem Titeltrack „A Sea of Sunshine“ das Gefühl, dass hier noch mal eine Schippe raufgepackt werden kann. Für mich sind Cartographer auf jeden Fall eine Bereicherung für das Billing und das Musikregal daheim. Die Fans werden mir da sicherlich zustimmen denn zum Ende hin wird der Applaus deutlich lauter.

Intro
Anger
Revision
We’ve come a long way
Here’s to you
Depression
Bargaining
Satao’s Bane
A Sea of Sunshine

Wir pilgerten einmal mehr zum Supermarkt der entweder in Holland an sich am Sonntag aufhat oder nur für das PPE in Baarlo. Dort deckten wir uns mit reichlich holländischem Gebäck und ein paar Getränken ein. An den vor der Halle postierten Tischtafeln nahmen wir dann ein zweites Frühstück ein und lernten einen Herrn aus Uruguay kennen, der mittlerweile in Bremen lebt. Auch hieraus entwickelte sich wieder ein nettes Gespräch und da der Herr regelmäßig in Berlin ist, hoffen wir ihn bald mal wieder zu sehen.
Wieder drinnen angekommen war es ein weiteres Mal Zeit für Prog aus Polen. Tenebris machten am Merchandise durch Vinyl mit sehr kunstvollem Cover, welches Mayapyramiden umgeben von dazugehörenden Stammesfürsten zeigt, auf sich aufmerksam und nun stellte sich die Frage inwiefern dieses Cover mit dem Konzept der Band zu tun hatte. Im Opener „PSI’k on out“ suchte man die Panflöten und Trommeln jedoch vergebens, stattdessen wurde es einmal mehr spacig.

Wer die späten King Crimson mag, etwas Cynic und Death, und ein paar Postmetal Einflüssen nicht abgeneigt ist, dem wird Tenebris viel Spaß bereiten. Die Musik erinnert mich von der Stimmung her oft an die Landsmänner von Indukti allerdings ohne folkloristische Elemente oder Geige. Tenebris kann man schlecht nebenbei hören und als Partygast taugen die 5 wenig. Die Atmosphäre ist beklemmend, aufdringlich und geht ans Eingemachte, wenn man sich gefühlsmäßig mitnehmen lässt. Unterstützt durch die Stimme von Szymon die irgendwo zwischen kratzigen Schreien und Growls anzusiedeln ist und gerne mal auf Dissonanzen baut, sind es vor allem die Gitarren und das Keyboard die volle Aufmerksamkeit fordern. Schön finde ich vor allem die softeren Passagen mit klarem, oft mehrstimmigen Gesang wie bei „Adha Pawn“, der Rest ist mir zu anstrengend. Zum Kennenlernen ist derartige Musik live nichts, finde ich, auch Indukti habe ich erst bei langen Autofahrten lieben gelernt und so haben es Tenebris bei mir schwer. Das sonstige Publikum scheint da aber anderer Natur, es ist nämlich kein deutlicher Unterschied zu den anderen Acts zu erkennen. Schade das Sänger Szymon hier und da ein Bisschen gehemmt wirkt und er auch eher wortkarg daherkommt, das verdichtet die Atmosphäre zwar weiter, aber etwas Auflockerung hätte dem Ganzen sicher gut getan. Nachdem die Lodzer ihr komplettes Werk „Alpha Orionis“ präsentiert haben, wurde der Gig mit „The Comet“, „See Comet feel cold“ und „Atmosphere“ geschlossen. Inwiefern das repräsentativ für die 23 jährige Historie der Band war, kann ich schwer beurteilen, da der Fokus eindeutig auf der Gegenwart lag, den Fans hat es aber gefallen und nicht wenige waren danach auch am Merchstand zu sehen.

PSI`k On Out
Of Zerpatinum
Cold Star
Adha Pawn
Sempiternal Regnum
Punishment Vision
Black Ezekiel
Trembling Giant
Alpha Orionis
The Comet
See Comet Feel Cold
Atmosphere
Wieder an der frischen Luft wollte ich dann wissen was Vulture Industries eigentlich machen und die Antwort war: “Man braucht Humor dafür, mehr will ich nicht sagen.” In welche Richtung der Humor geht oder was das überhaupt über die Musik sagt, alles bleibt unklar. Auch die Gruppe schunkelnder Norweger mit Vulture Industries Shirts die mich davon überzeugen wollen unbedingt diese Band zusehen bringen nicht mehr Licht ins Dunkel. Lieb sollen wir zu ihnen sein bittet der Ansager diesmal, denn sie kommen gerade von einem deutschen Black Metal Festival bei dem niemand etwas mit ihnen anfangen konnte.

Schon beim Anblick der Herren kann ich mir das lebhaft vorstellen. Barfuß, schwarze Jeans, weißes Oberhemd und Hosenträger, dazu bleich geschminkte Gesichter und ein Frontmann der vor einem eines ist: ein Psycho! Die Musik ist düster, schleppend, groovend und öfters mal mit Double Bass unterlegt, der Gesang relativ facettenreich. Die Atmosphäre gleicht der eines guten Horrorfilms, Nilsen stolpert unaufhörlich über die Bühne und erinnert dabei an Klaus Kinski, verwirrt blickt er mit weitaufgerissenen Augen ins Publikum und schreit, keift, flüstert und krächzt nur um im nächsten Moment in wahnsinniges Gelächter auszubrechen. Das Konzert ist mindestens zur Hälfte Show, die Musik läuft im Hintergrund, unterstreicht die Atmosphäre und hantiert mit Effekten wie man es von guten Filmsoundtracks kennt. Ein Bisschen erinnert mich das Konzept an The Vision Bleak, die Umsetzung ist jedoch eine andere und Frontmann Bjørnar Erevik Nilsen hat eine viel größere Bühnenpräsenz. Viele reißt die Performance mit, was jedoch schade ist, ist der viel zu leise Gesang, der es nur selten zulässt die ebenfalls humoristischen düsteren Texte zu verstehen und so geht dem Auftritt für den Neuling eine wichtige Komponente verloren. Der Kenner jedoch ist verzückt von dem avantgardistischen Black oder Dark Metal der auch Progelemente nicht scheut und selbst die Musiker von Aeon Zen und Aeon of Horus, die selbst in den ersten Reihen stehen müssen zugeben, dass sie in der Performance hier ihren Meister gefunden haben. Zu „Blood don't Eliogabalus” verlässt Nilsen dann die Bühne und geistert verwirrt durchs Publikum, fast wie im Theater. Musikalisch gesehen wird mir das ganze jedoch auf die Dauer zu eintönig und ich verlasse die Halle mit gemischten Gefühlen.

Intro
The Tower
Divine Appalling
Pulse of Bliss
The Hound
The Bolted Door
Blood don't Eliogabalus
Lost Among Liars
A path of Infamy

Mit eben diesen probieren wir dann die örtliche Pizzeria aus, von der ich im Nachhinein allerdings abraten muss. Zwar war auch dieser Laden wieder gut gefüllt, wie kamen mit Holländern und einer Isländerin ins Gespräch und hatten eine schöne Zeit, aber die Pizza war schon ziemlich schlecht für eine mittlere Preisklasse.
Wieder im Sjiwa angekommen war es dann nach dem Diner Break Zeit für die letzten 3 Bands des Festivals und mit Chimp Spanner wusste ich zumindest was mich erwartet.

Als die Briten die Bühne betraten fiel als erstes auf, das ihr Livebassist fehlt, von ihm hieß es später er sei krank gewesen. Soundtechnisch muss das aber kein Manko sein, denn auch Chimp Spanner stehen auf tiefergelegte Gitarren und gerade die 8 Saiter überschneiden sich ja dermaßen mit den Bassfrequenzen, dass es live auch mal ziemlich matschig werden kann. Stattdessen hatten die Affen Schraubenschlüssel (mal ehrlich, wie kommt man auf sowas?) eine druckvolle Gitarrenwand und sphärische Hintergründe. Und mit dieser Mischung aus Ambient, Fusion und Prog Metal startete auch „Bar Code“, der Opener für diesen Abend. Die Performance bewegte sich zwischen einem bangenden Schlagzeuger und Rhythmusgitarristen und einem meist hochkonzentrierten Leadgitarristen und da die Musik instrumental war sah ein großer Teil der Show ebenso aus.

Richtige Überraschungsmomente sucht man zwar vergebens, wenn man den Stil der 3 erst einmal begriffen hat, aber verinnerlicht man diese Musik, dann kann man die Augen schließen und in Sphären verträumt dahintreiben während man im Hintergrund, mit dem Bauch quasi, zu den Stakkatogrooves abgeht. Und so gräbt sich Chimp Spanner mit jeder Minute und jedem weiteren Song hypnotisch ein und die Stunde des Konzerts ist wie ein kurzer Trip. Damit sprechen die Briten wahrlich nicht jeden an, sorgen aber im allgemeinen Billing für Abwechslung und ergänzen eine Facette die bei einem modernen Progfestival nicht fehlen sollte. Der Applaus der halbvollen Halle ist dementsprechend frenetisch und Frontmann Paul Antonio Ortiz macht auf mich einen zufriedenen Eindruck und lädt die Fans auf ein gemeinsames Getränk ein.

Bad Code
Dark Age of Technology
Aurora
Untitled
Supererogation
Cloud City
The Mirror
Engrams
Mobius 1-3
Draußen hat sich das Wetter noch nicht stark verändert, es wird kälter und langsam dunkel und drinnen wird es voller. Die Isländer von Agent Fresco haben zwar erst zwei Alben aber dafür ein erstaunliches Renommee in der Szene und bereits zum Anfang kommt mir ein Verdacht woher das kommt. Wie auch Pain of Salvation leben sie ihre Musik, sind vielfältig und experimentell und vor allem emotional dabei auf der Bühne. Der Opener „Anemoi“ beginnt mit melancholischen Pianoläufen, wird ergänzt von funkigem Schlagzeug und gefühlvoll von Sänger Arnór intoniert dessen Stimme einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Ein unüblich softer Opener für Rockshows aber schon der Zweitling „He is listening“ zeigt dass es dabei nicht bleibt. Die Herren aus Reykjavik wechseln zwischen härteren, schnörkellos groovenden Midtempo Riffs, gefühlvollen Pianopassagen und eingängigen Poprefrains die allerdings immer einen gewissen Stil haben und keinesfalls als inhaltsleere Partymucke getarnt daherkommen. Irgendwo zwischen Alternative- und Art- Mathrock also gehen die Herren auf der Bühne ab, wechseln fließend in den Songs ihre Instrumente und bangen was das Zeug hält auch mit kürzeren Haaren. Besonders hervorzuheben ist Sänger Arnór der auf der Bühne schon Anspruch auf Kilometergeld hätte, da er wie ein gefangenes Raubtier von einer Seite der Bühne zur anderen läuft und selbst bei den Ansagen kaum still steht. In eben jenen macht er uns darauf aufmerksam, dass sein Genuss von Chili an diesem Wochenende ziemlich hoch ausfiel und er zwar gerne nach dem Konzert Kontakt aufnehmen möchte, man aber auch gewarnt sein soll vor den unfreiwilligen Ausdünstungen des Frontmanns. Eine Art Running Gag der immer wieder aufgegriffen wird ohne dass Agent Fresco sonst übermäßig spaßig daherkommen. Der überwiegende Teil des Sets besteht aus ihrem einzigen Longplayer „A long Time Listening“ und wird von den Fans dankend aufgenommen, lauthals mitgesungen und in manchen Fällen geradezu gefeiert.

„Skylines
Drew lines under my eyes
How the chime came quickly”

Es ist dann auch der Titeltrack der für mich ein Faustdickes Ausrufezeichen darstellt. In einer sehr persönlichen Ansage schildert Arnór von einem Gespräch mit seiner Mutter nach dem Tod seines Vaters, der an Krebs verstarb. Dieses Gespräch dauerte fast die ganze Nacht lang und seine Mutter schüttete sich die Seele aus. Inspiriert davon entstand der Track und in gewisser Hinsicht ist das Debut davon beeinflusst Momente wie diese kreativ umzusetzen. Es sind diese Momente in denen sich die 4 einfach nur als Menschen, emotional offen, nachdenklich aber auch witzig zeigen die Agent Fresco so sympathisch machen und den Funken mehr überspringen lassen. Dazu gibt es natürlich die Single „Dark Water“, mit „Destrier“ auch einen neuen Song und neben dem gefeierten „Pianissimo“ noch eine persönlich Widmung an Ragnar von Pain of Salvation. Nachdem es mit „Tiger Veil“ noch etwas extra gibt, ist dann aber wirklich Schluss und nicht nur ich scheine begeistert zu sein.

Anemoi
He Is Listening
Paused
Silhouette Palette
Of Keen Gaze
Translations
Destrier (New Song)
A Long Time Listening
Implosions
Pianissimo
Dark Water
Eyes of a Cloud Catcher
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Tiger Veil
Im Gegensatz zum recht entspannten rein und raus, bemerkt man vor dem Special Gig nun, dass sich erstaunliche viele nach vorne drängeln um sich für Pain of Salvation gut zu positionieren. Wir jedoch verlassen noch mal die Halle, freunden uns mit Italienern und Holländern an und tanken Frischluft nach. Einen halbwegs zentralen Platz mit guter Sicht und Akustik ergattert, vernehmen wir dann wie mit 10 minütiger Verspätung das Intro von „Of two beginnings“ aus den Boxen kommt. Gänsehaut überkommt mich als die ganze Halle in den Opener einstimmt bis dieser fließend in das leicht doomige „Ending Themes“ übergeht. Als dann noch „Fandango“ erklingt wird so langsam klar, dass hier das Remedy Lane Album erstmal am Stück gespielt wird. Das nimmt natürlich etwas die Spannung raus, ergibt aber dramaturgisch durchaus Sinn.

Zur Livequalität der Schweden muss man wohl nach dem Samstagabend nichts mehr sagen. Es sitzt wieder alles, der mehrstimmige Gesang, jede Nuance an Artikulation, der Sound und alles was dazu gehört. Diesmal kann man sich sogar noch auf das eigene Equipment verlassen, dass anscheinend wieder aufgetaucht ist, und setzt damit noch mal ein i-Tüpfelchen drauf, wenngleich man auch minimal softer wird. „A trace of blood“ ist dann die Nummer mit der sich Daniel Gildenlöw bei mir ein Denkmal gesetzt hat, da sie textlich wohl der intimste seiner eh schon offenherzigen Texte ist und man ein solches Thema erst einmal verarbeiten muss. Es geht um die Totgeburt seines ersten Kindes und dass der Herr so auf der Bühne steht wie er es tut nötigt mir großen Respekt ab. „I never knew your name but I will miss you just the same

Für mich jetzt schon der Höhepunkt auch wenn ich ja weiß welche weiteren noch folgen werden. Bei „Undertow“ hat Daniel die Lyrics jetzt an Ragnar abgegeben und der macht seine Sache ebenso überzeugend. Vielleicht ein Überbleibsel von Daniels schwerer OP diesen Jahres, die zum ersten Pain of Salvation Gig ohne ihn geführt hat. Über mehrere Wangen kullern dicke Tränen und auch hier wird der Refrain wie eigentlich bei jedem Song lauthals mitgesungen. Und so geht es weiter, wobei meine Highlights „Rope Ends“ und die letzte Nummer, der Longtrack „Beyond the Pale“ sind in dem noch einmal alles abgerufen wird was die Band ausmacht. Dass danach erstmal die Bühne verlassen wird machte Daniel schon vorher klar und so war es dann trotz der noch verbleibenden Zeit keine Überraschung, dass die 5 unter tosendem Applaus verschwanden. Das Band brachte den Song zu Ende und alle stimmten in die Ansage mit ein „We will always be so much more human than we wish to be!“

Nachdem sich die Herren ausführlich feierten ließen, gab es dann die unvermeintliche Zugabe und da es laut Daniel Gildenlöw immer das gleiche mit dem Publikum sei, es könne sich nie einigen was es denn hören möchte, gab es als erstes Mal ein Medley mit Songs aus allen Phasen der Band. Auf das Tapping mit Hammondorgel aus „Idioglossia“ folgte der krumme 7/8 Uptempogroove von „Handful of Nothing“, gefolgt von dem düsteren „Ashes“, dem melancholischen „Road Salt“, dem folkigen „Chain Sling“, dem unheilvollen „Deus Nova“ und dem lustig elektronischem „Disco Queen“. Ein Schnelldurchlauf durch die komplette Historie also. „You see, evereybody is happy now. To make you even more happy, you will hear Léo sing!“ Gesagt getan wurden die Instrumente reihum getauscht, und es wurde der Klassiker von Chicago25 or 6 to 4“ gecovert mit Drummer Léo Margarit am Mikro. Seine Stimme kam erschreckend nah ans Original ran, nur die charismatischen Bläser fehlten, wurden in dem Falle aber auf Gitarre übertragen. Nach einem weiteren Gang von der Bühne gab es als letzten Song noch einmal eine à capella Version von „1979“ die ein letztes Mal für Gänsehaut haut sorgte und einen würdigen Abschluss des Festivals darstellte.

Pain of Salvation
Of two beginnings
Ending Theme
Fandango
A Trace of Blood
This Heart of mine (I Pledge)
Undertow
Rope Ends
Chain Sling
Dryad of the Woods
Remedy Lane
Waking every God
Second Love
Beyond the pale
Medley: Idioglossia, Handful of Nothing, Ashes, Road Salt, Chain Sling, Deus Nova, Disco Queen
25 or 6 to 4 (Chicago Cover)
1979

Und dann war es vorbei und ich fragte mich in der Euphorie warum Pain of Salvation nicht ihre vollen 105 Minuten gespielt hatten, aber an sich war ich und auch der Rest vollkommen happy. Die Nacht war hereingebrochen über Baarlo und das Festivalpublikum machte sich auf den Heimweg oder harrte vor der Halle aus wie wir einmal mehr ins Gespräch vertieft, diesmal mit Brasilianern und Norwegern. Die 3 Tage sind wie im Flug vergangen und nachdem wir uns noch etwas auf der Aftershowparty rumgetummelt haben, gilt es Resumée zu ziehen.

Ich habe bis dato noch kein so familiäres Festival erlebt und meine Vorstellungen wurden bei weitem übertroffen. Zu einem sehr offenherzigen Empfang von Freunden von Bekannten bis hin zu total Fremden, gesellten sich viele interessante Gespräche und eine Art Geist der dieses Festival umgibt. Nicht umsonst kennen sich große Teile der Community und pilgern hier Jahr für Jahr her egal wie das Line Up aussieht. In diese eh schon familiäre Atmosphäre werden dann auch gleich noch die Bands integriert, was ich so sonst noch nie erlebt habe. Klar kann man sowas nicht mit Open Airs wie Bang your Head, Wacken oder Summer Breeze vergleichen, aber auch kleinere Festivals wirkten auf mich sonst distanzierter und weniger homogen.

Das Billing war trotz nur 2 bekannten Bands für mich sehr gut, da ich viele neue Bands kennen und lieben gelernt habe und die musikalische Bandbreite gut ausgewogen war. Es gab keine Band die eindeutig schlecht war und ich habe auch von niemandem eine Beschwerde in dieser Hinsicht vernommen, was ebenfalls ein Novum ist. Lediglich der Sound war bei mehreren Bands nicht ganz optimal. Die sonstige Organisation hingegen war vorbildlich und auch die freundlichen Anwohner und die örtlichen Restaurants und Cafés sind Pluspunkte, verglichen mit dem Fastfood was sonst auf Festivals erhältlich ist.

Das Kastell de Berckt hingegen fand ich vom Preis-Leistungsverhältnis nicht sehr überzeugend. Das Ambiente ist zwar wundervoll aber für knapp 50 Euro die Nacht, könnte man schon etwas mehr Service erwarten. Vielleicht kann man hier ja noch etwas dran drehen, das Gebäude und die Atmosphäre mit den Bands vor Ort sind jedenfalls fantastisch.

Alles in allem, und immer noch überwältigt von Pain of Salvation, überwiegt ein sehr schönes Wochenende mit netten Menschen, großartiger Musik und natürlich die Vorfreude auf das nächste Jahr, in dem ich hoffentlich wieder am Start bin.

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