DIE URSACHE DER APOKALYPSE



Es kommt wahrlich nicht allzu oft, um nicht zu sagen selten bis gar nicht vor, dass mich ein Debütalbum einer Band so vollkommen mitreißt und begeistert wie „Access all worlds“ von den Dänen Iotunn. Das liegt vor allem anderen daran, dass sich die Mucke der Jungs aus Kopenhagen einfach nicht so richtig kategorisieren und in eine vorgefertigte Schublade packen lässt, was es normalerweise dem Reviewer leichter macht, eine entsprechende Bewertung vorzunehmen. Die nordischen Riesen (Iotunn ist Alt-Nordisch für Gigant) um die Gitarre spielenden Brüder Jens Nicolai und Jesper Gräs haben einen solch grandiosen Genre Mix entwickelt, der so ziemlich jede Spielart des extremen Metals abdeckt und zu einer eigenen Melange verschmelzen lässt.

Das Tüpfelchen auf dem I ist allerdings Sänger Jón Aldará, der ebenfalls bei den Färingern von Hamferð ins Horn bläst und mit seiner ausdrucksstarken Stimme so ziemlich alles abdeckt, was der heutige Metal so zu bieten hat. Mal keifen, mal bellend, mal glockenhell singend passt sich dieser grandiose Vokalist jeglicher musikalischen Stimmung an und verpasst damit Iotunn noch mehr Eigenständigkeit und Abwechslungsreichtum als sowieso schon vorhanden. Ja, „Access all worlds“ ist schon jetzt für mich ein Meilenstein des noch jungen Musikjahres 2021 und dementsprechend musste ich natürlich reagieren und mich mit Jesper Gräs hinsetzen, um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Jesper, erzähle mir doch mal bitte, wie die Geschichte von Iotunn begann? Und wie kamst Du auf den Bandnamen? Ok, Eure Musik ist gigantisch, dass weiß ich mittlerweile…

Hey Olaf und danke, dass Du so großes Interesse an Iotunn zeigst, das freut mich sehr. Begonnen hat alles im Jahr 2009, als mir der Gedanke kam, eine 70er Jahre Space Rock Band zu gründen, da ich viele Jahre diese Musik recht exzessiv hörte und nun meine eigene Interpretation davon machen wollte. Das war quasi die Saat, die gesät wurde. Als dann aber 2011 mein Bruder Jens Nicolai mit einstieg fingen wir an, mehr Metal und vor allem klassische Musik zu integrieren, denn auch Klassik war mir sehr wichtig, da ich sie in meiner Kindheit und Jugend permanent hörte.

Somit begannen mein Bruder und ich einen vollständig eigenen Sound zu finden, der all dies irgendwie in sich vereint, denn unsere beiden Leidenschaften für die Musik währte schon das ganze Leben lang und sollte sich nun in unserer eigenen Kreation widerspiegeln. 2014/2015 hatten wir dann das Gefühl, den Sound gefunden zu haben, der die Grundlage für eine Weiterentwicklung sein könnte und mein Bruder fand hierzu den Namen Iotunn mehr als passend.


Euer musikalisches Fundament ist ganz klar Heavy Metal, doch Ihr vermischt diesen mit Death, Black und Viking Metal Elementen, scheut Euch aber auch nicht davor, sphärische Klänge in Euren Sound einzubinden und den Hörer auf eine spannende musikalische Reise mitzunehmen. Der Begriff „Progressive Cosmic Death Metal“ trifft es von daher recht gut. Dennoch interessiert es mich brennend, wie Du selbst Eure Musik einem Fan beschreiben würdet, der noch nie etwas von Euch gehört hat.

Der von Dir erwähnte Begriff trifft es ganz gut, da gehe ich mit, hahaha.

Der kam aber von Eurer Plattenfirma…

Ach echt? Nun gut…Wir sind eine Band, die gegen das Denken in Kategorisierungen und Genredefinierungen als Axiom sind. Progressive Metal trifft es in meinen Augen am ehesten, weil es genau das ist, was unsere Musik repräsentiert. Wir wollen mit unserer Kreativität und der daraus folgenden Musik Grenzen überschreiten und Reisen antreten, die für uns ein wesentlicher Bestandteil sind und gut beschreiben, was Iotunn darstellt.

Ein wesentlicher Bestandteil Eurer Musik ist ohne Zweifel Euer Sänger Jón Aldará, der mit seinem überragenden stimmlichen Talent und seinem Abwechslungsreichstem Eurer Musik die Krone aufsetzt und jede Nuance, jedes Gefühl großartig umsetzt. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Hatte er bei der Entwicklung seiner Gesangsparts freie Hand?

Als wir 2017 einen neuen Sänger brauchten, schwebte sein Name in unseren Köpfen herum…und das schon seit längerem. Anfang 2018 kontaktierte ich ihn dann und blitzschnell war alles geritzt (lacht). Wir hatten uns schon vorher bei Hamferð und Iotunn Konzerten getroffen, kannten uns also schon etwas und vor allem kannten und schätzten wir seine erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten. Als wir ihn dann endlich ansprachen, wollte er erst einmal ein paar Songs von uns hören, an denen wir zu diesem Zeitpunkt arbeiteten und er mochte das Gehörte sehr. Von da an ging es darum, den kreativen Prozess anzukurbeln und weiter über die Entstehung neuer Ideen zu diskutieren.

Im November 2018 begannen wir dann an der Finalisierung der Musik. Er flog zehn Mal von den Färöer-Inseln in unser ehemaliges Studio in Kopenhagen, verbrachte volle Wochenenden mit uns, um die kompletten Lyrics und Vocals für „Access all worlds“ auszuarbeiten und zu gestalten. Es war ein sehr offener und aufgeschlossener Prozess, bei denen Jon viel Magisches zustande brachte. Während dieses Prozesses entwickelte sich auch die Musik immer weiter und natürlich wurde somit eigentlich unbewusst unser Sound immer weiterentwickelt und ausgebaut. Das Ergebnis kann man jetzt hören.


Ich bekam beim ersten Hören dieser überragenden Gesangsparts mehrfach Gänsehaut am ganzen Körper. Wie ist es Euch ergangen, als Ihr erstmals seine Stimme auf Euren Songs gehört habt?

Ich war damals auf dem Weg vom Studio nach Hause. Wir hatten an dem Tag an diversen Gesangslinien für „The voyage of garganey I“ und „Tower of cosmic nihility“ gearbeitet, die ich auf dem Heimweg zum ersten Mal komplett hörte. Während des Hörens merkte ich plötzlich, dass ich inmitten der Straßen Kopenhagens buchstäblich laut mitsang und auf seltsame Weise begann, zu tanzen (lacht). Es war eine verdammt spannende und produktive Zeit, an die ich gerne zurückdenke.

Auf Eurer Debüt EP „The wizard falls“ von 2016 konnte man noch nicht erahnen, wohin Eure musikalische Reise einmal gehen würde. Auch hat dort noch Euer alter Bassist Benjamin Möller Jensen gesungen. Dazu kam eine großartige Produktion des Metallica-Sound Erfinders Fleming Rasmussen. Diese EP hat Euch viele Türen geöffnet, hatte aber bei weitem noch nicht die Klasse, die Ihr jetzt mit „Access all worlds“ zeigt. Das war vor 5 Jahren. Wenn Du die Entwicklung von damals zu heute siehst, wie zufrieden oder glücklich bist Du damit?

Ich habe bis heute nur gute Erinnerungen an unsere Wizard EP und ich denke bis heute, dass es eine unschätzbare und gute Erfahrung war, die wir mit der Zusammenarbeit mit einem solch erfahrenen Produzenten haben machen dürfen. Dort kam unsere gesamte Entwicklung der Jahre zuvor zusammen und wurde gebündelt.

Meine persönliche Verbindung zu unserer Musik hat sich seitdem enorm weiterentwickelt, vor allem als Jon 2018 zu uns gestoßen war. Das hat uns alle in eine Art ruhigen Geisteszustand versetzt.



Wir sind mit dem neuen Album mehr als zufrieden und haben mit unserer musikalischen Weiterentwicklung die Tür zu unserem zweiten Album ganz weit aufgestoßen.


Access all worlds“ wurde nun von Fredrik Nordström im legendären Studio Fredman gemixt und gemastert. Ist der Sound so geworden, wie Ihr ihn Euch vorgestellt habt? Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Oh Mann, was waren wir im Vorfeld aufgeregt, mit solch einem Top Mann wie Fredrik zusammenarbeiten zu dürfen und sind mit dem Endergebnis mehr als nur zufrieden. Wie waren die gesamte Zeit in den Entstehungsprozess eingebunden und konnten zu jeder Zeit über die Ausrichtung des metallischen oder atmosphärischen Weges mitsprechen. Ich fand und finde es unglaublich spannend, ein Album mit solch verschiedenen Facetten machen zu können, was genauso Metal wie auch spacy ist. Es gab ziemlich viele Situationen während der Tage im Fredman Studio wo wir Fredrik baten, den Hall aufzudrehen, mehr Verzögerungen einzubauen und er sagte nur: „Hey, ich bin hier der Kerl aus den Achtzigern“, hahaha.

Wir hatten eine unglaublich tolle Zeit, eine Menge Spaß und bekamen exakt das Album, was wir uns vorgestellt und erträumt hatten. Die gesamte Zeit war für uns eine großartige Erfahrung, musikalisch wie auch sozial.

Erzähle mir doch bitte mal ein wenig über das textliche Konzept der Platte. Ich las etwas darüber, dass es sich um Astronauten handelt, die dem Grund für die Apokalypse auf die Spur kommen wollen.

Ich glaube, das kommt in etwa hin (lacht). Es war Jens seine Idee, dass wir ein Science-Fiction Konzept Album machen sollten. Ich persönlich musste mich damit erst anfreunden, denke aber mittlerweile, dass sich während der Entwicklung des Konzeptes viele unterschiedliche Aspekte und Sichtweisen entwickelt haben. Aber ja, Du hast recht. Es ist die Geschichte über die Ursache der Apokalypse und die Reise ins Unbekannte, um einen neuen Ort für die Menschheit zum Leben zu finden.

Es ist eine Geschichte, die die verschiedenen Stationen reflektiert, die das Leben für uns alle parat hat, so dass der Hörer durchaus auf unterschiedliche Art und Weise zum Nachdenken angeregt werden soll. Es ist einfach ein Konzept, welches aufzeigen soll, wie wichtig es heutzutage ist, offen und bewusst durchs Leben zu gehen und es spiegelt auch das wider, was es bei Iotunn an Kreativität gibt. Es gibt einfach sehr viel zu entdecken und wir hoffen, dass der Hörer dies erkennt und in irgendeienr Form auf sich anwendet.


Wie entsteht solch ein textliches Konzept? Sowas schüttelt man sich ja nun nicht einfach jeden Tag aus dem Ärmel.

Jon hat hier unglaubliches geleistet und hat tatsächlich parallel das lyrische Konzept entwickelt und gleichzeitig an den vokalen Parts gearbeitet und sie arrangiert. Natürlich haben wir über die textliche Ausrichtung alle gemeinsam gesprochen und uns darüber Gedanken gemacht. Schlussendlich war es also eine gemeinsame Geschichte, die von uns allen mitgetragen wurde und alle Themen, die in den Texten behandelt werden, wurden von uns als Band abgesegnet.

Mit Metal Blade seid Ihr auf einem absolut hochrangigen Label untergekommen. Glückwunsch hierzu, doch besteht bei einer solch hochklassigen Ansammlung an Bands nicht die Gefahr, dass man als Newcomer ein wenig untergehen könnte?

Das glaube ich nicht, denn Metal Blade hat uns von vornherein versichert, dass sie die Ausrichtung und Energie haben, uns aufbauen zu wollen und das war exakt die Motivation, die wir uns gewünscht haben, als wir nach der Fertigstellung von „Access all worlds“ im März 2020 bei den Labels anklopften. Wir arbeiten jetzt 6 Monate mit Metal Blade zusammen und fühlen uns nach den ersten Eindrücken bei all der Kameradschaft einfach großartig aufgehoben. Also nein, ich glaube nicht, dass dies ein Risiko war oder ist.



Nicole und Eliran Kantor, die bereits mit tollen Artworks für Testament und Hatebreed für Aufmerksamkeit gesorgt haben, haben ein tolles Cover für Euch gemalt, welches in meinen Augen die Stimmung des Albums perfekt einfängt. Haben die beiden Eure Ideen gut umgesetzt?

Im Endeffekt zeichnet sich mein Bruder für das künstlerische Gesamtkonzept verantwortlich, welches er dann zusammen mit Eliran entwickelt hat, der dann auch die Zeichnungen anfertigte. Die Entwürfe dazu kamen von Nicole, die ebenfalls in einem engen Dialog mit uns stand. Ergo haben beide mit der gesamten Band immer im direkten Kontakt gestanden, um das Album so visuell umzusetzen, wir wir es uns erträumt hatten. Hat ja auch gut geklappt (grinst).

Gibt es eigentlich irgendetwas, was man an „Access all worlds“ hätte besser machen können? Oder gibt es Dinge, die Dir im Nachhinein vielleicht nicht mehr gefallen?

Natürlich gibt es immer einen Raum für Verbesserungen. Das merken wir gerade jetzt, da wir uns schon in der Phase zur Planung des zweiten Albums befinden. In diesem jetzt stattfindenden Prozess versuchen wir darüber zu sprechen und zu analysieren, was wir alles im Bezug auf die gesamte Aufnahmeprozedur noch besser machen könnten. Klar schauen wir, wo man den Hebel noch ansetzen könnte, doch um ganz ehrlich zu sein fühle ich mich mit „Acces all worlds“ rundherum glücklich und zufrieden und bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Die Mühen und jeder einzelne Aspekt, den wir in die Scheibe reingepackt hat, hat sich gelohnt. Ob es sich auszahlt, werden wir sehen (grinst).

In diesen hässlichen Corona Zeiten ist es natürlich schwierig, nahezu unmöglich, ein neues Album angemessen zu promoten oder Live Gigs zu spielen. Wie nutzt Ihr die Zeit nach dem Release des Albums? Wird es vielleicht einen Livestream Gig oder ähnliches geben?

Ich gebe Dir natürlich vollkommen recht, dass es ein völlig anderer Vorgang ist, ein Album während einer Pandemie zu veröffentlichen, doch aufgrund des Umstandes, dass die Welt mittlerweile digitaler weitaus vernetzter ist als jemals zuvor und dementsprechend die Vertriebswege kürzer und direkter sind, glaube ich fest daran, dass unser Album vernünftig unter die Leute gebracht werden kann und in dieser schlimmen Zeit für ein wenig Freude bei den Fans sorgen wird.

Selbstverständlich wären wir nach dem Release mehr als gerne auf Tour gegangen, doch wir können nichts weiter tun, als abzuwarten und das Beste aus der Situation rauszuholen. Wir denken über eine ganze Reihe von Ideen nach, wie wir unser Album im Frühjahr angemessen promoten können und ich bin mir 100%ig sicher, dass wir zusammen mit unserem Management und Label etwas Gutes an den Start bringen werden.


Den Dänen wird ja bekanntermaßen nachgesagt, zu den glücklichsten Menschen der Welt zu gehören. Stimmt das? Bist Du glücklich?

Wow, echt gute Frage. Ja, im Moment bin ich persönlich absolut glücklich. Wir haben in Dänemark in vielerlei Hinsicht großes Glück auch in Hinblick auf die Tatsache, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Vielleicht trägt die Veröffentlichung unserer Scheibe ja dazu bei, dass die Dänen noch glücklicher werden (lacht). Ich spreche hier aber wirklich nur für mich, denn das Leben hält viele verschiedene Geisteszustände parat, die bei jedem Dänen anders ausgeprägt sind.


OLAF

Interviewpartner: Jesper Gräs (Guitar)


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