Pure Emotionen

Als Maladie begannen konnte man davon ausgehen, dass es sich lediglich um ein Projekt handeln würde, welches Tombthroat Gitarrist Björn Köppler ins Leben rief, um seinen tiefen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Von den Kritikern wurde "...plague within..." auch mehr als wohlwollend aufgenommen, doch es gab auch Fans, die das hinter Maladie stehende Konzept nicht verstanden und die Band sogar ziemlich heftig angingen. Es ist halt nicht einfach, Maladie zu verstehen und Björn macht es uns mit seinem am 06.03.2015 erscheinenden neuen Album "...still..." auch nicht einfacher, doch wenn man sich einmal etwas näher mit der Musik, den Texten und all den musikalischen Rafinessen auseinandersetzt, begibt man sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt, was mir Björn in unserem Gespräch auch detailliert erläuterte...
Deine Futterfotos bei Facebook sind ja fast komplett verschwunden, dafür postest Du immer wieder Bücher, die Du gerade liest. Was steht momentan auf dem Köppler’schen Leseplan?

Ja, es wird auch in Zukunft leider sehr viel weniger Futterfotos von mir geben, da es mir gesundheitlich leider nicht mehr erlaubt ist, groß zu kochen. Mich hat es im letzten Sommer ordentlich erwischt. Ich habe das zwar (wie man ja sieht) überlebt, aber da ist einiges kaputt gegangen in mir drin und da ist nicht mehr viel an Nahrungsmitteln übrig geblieben, was ich noch essen und trinken darf. Ich habe das damals nicht öffentlich gemacht, weil im Zuge der Anpreisung eines neuen Albums das ganz sicher als billige Promo-Aktion abgetan worden wäre. Aber Leute, die mein Profil verfolgen, haben halt schon gemerkt, dass da wohl was nicht so ganz stimmt...

Das ist schon sehr schade, da ich es nicht nur geliebt habe zu kochen und da auch zu experimentieren, sondern eben auch sehr gerne gegessen habe. Das war eine große Leidenschaft von mir, die ich ja auch lange beruflich ausgelebt habe. Aber man kennt das ja, wenn man im Leben mal auf den Sack bekommt, dann auch richtig. Man könnte fast behaupten, ich sei dran gewöhnt. Die Umstellung war nicht einfach, aber es ist wie es ist. Einige Sachen kann man doch noch zaubern aus den wenigen Dingen, die noch erlaubt sind. Aber größtenteils ernähre ich mich halt nur noch von gekochten Karotten und Brokkoli. Und Harzer Handkäse. Und mal ehrlich, Fotos davon will nun wirklich keiner sehen, hehe. Ich habe seitdem auch mittlerweile 17 kg abgenommen. Tendenz weiter fallend. Ist also auch eine Spitzendiät, haha... Naja, etwas Galgenhumor hat noch Niemandem geschadet.

Mein Bücher-Album bei Facebook habe ich einfach mal für mich angelegt, weil es mir Spaß macht, alle 12 Monate noch mal zu schauen, was ich da so alles gelesen habe. Und ehrlich gesagt hatte ich auch auf die ein oder andere Diskussion gehofft. Aber das kam nie wirklich zustande; die Leute lesen einfach zu wenig. Sie lassen sich vom TV berieseln und verdummen, sie treiben sich in hässlichen Kostümen auf Kommerzfestivals rum, sie verballern ihren halben Monatslohn am Wochenende in lauten Kneipen. Anstatt mal ein Buch zu lesen. Das finde ich persönlich sehr schade und traurig. Aber jeder wie er es braucht...

Ich bin süchtig nach Büchern. Das ist keine Übertreibung. Ich lese täglich; und wenn ich mal nicht zum Lesen komme, lässt mir das keine Ruhe und ich bekomme mir selbst gegenüber ein schlechtes Gewissen. Ich würde das durchaus Obsession nennen. Bücher können einem so viel geben. Da ist es egal ob es einfache Romane sind, tiefgründige Romane, oder auch Gedichte, Philosophie, Biografien oder Sachbücher. Bücher haben eine Magie, die kein anderes Medium so inne hat.

Ich habe immer einen Riesenberg an Büchern hier, die als nächstes dran sind. Wenn ich dann eines anfange, freue ich mich ab der ersten Seite auch schon auf das nächste. Gerade jetzt stehen 46 neue hinter mir auf dem Fensterbrett, die nur darauf warten, von mir gelesen zu werden.

Momentan bin ich auf den letzten Seiten von Galeras „Flut“. Die Geschichte eines Mannes, der unter der seltenen Krankheit Prosopagnosie leidet, bei der man sich Gesichter einfach nicht merken kann. Nicht mal das eigene. Jeden Morgen wenn man in den Spiegel schaut, erkennt man sich selbst nicht. Auch wenn diese Krankheit nicht der Hauptaufhänger der Geschichte ist, macht es alles doch um einiges interessanter. Es geht aber vordergründig um Weltverlorenheit, und die Suche nach sich selbst. Wenn auch unbewusst...

Dienen Dir die Romane auch irgendwie als Inspiration für Deine Musik?

Das würde ich so direkt nicht sagen, nein. Unbewusst beeinflussen Bücher einen aber sicher zu jeder Zeit. Für meine Texte nutze ich aber des öfteren manche Dinge, die ich lese, und seien es nur einzelne Wörter, die mich dazu animieren, einen Text zu verfassen. Dies ist dann aber bei Tombthroat eher der Fall. Für Maladie brauche ich nicht wirklich Inspiration in Form von Büchern. Das (mein) Leben an sich ist hier Inspiration genug. Da werden mir musikalisch, wie auch lyrisch, so schnell die Ideen nicht ausgehen...
Björn, die ersten Reaktionen auf „…still…“ waren ja, einschließlich meiner, recht euphorisch. Eine Genugtuung?

Ohja, die ersten beiden Rezensionen sind veröffentlicht. Eine ja von dir. Alleine die Punktevergebung (10 von 10) ist eine Genugtuung. Aber das Geschriebene braucht keine Punktewertung, denn da steht drin, dass die Musik
Maladies berührt. Tief berührt. Und das ist ein Lob, das besser nicht sein könnte.

Ich war mir nicht sicher, was ich zu erwarten habe als ich mit Maladie angefangen habe. Ich dachte, dass alles an Maladie, also Musik, Texte, Aufmachung, einfach ZU persönlich sei, als dass jemand da wirklich Zugang 'zu findet. Da habe ich mich anscheinend ziemlich getäuscht. Und das ist ein wunderbarer Erfolg für mich persönlich, denn ich habe in meinem Leben noch nie etwas Ehrlicheres, Authentischeres und einfach emotionaleres gemacht, als Maladie. In Maladie fließt nicht nur mein Herzblut, sondern einfach mein Leben an sich. Das mag nun sehr pathetisch klingen, aber es ist die Wahrheit und ich wüsste nicht, wie ich das anders beschreiben könnte. Ich werde immer wieder gefragt wie lange ich an einem Lied sitze beim Komponieren, weil doch alles so detailverliebt und überlegt sei. Aber das ist es nicht.

Ich denke nicht wirklich nach beim Komponieren. Ich habe eine kleine Idee, meistens nur eine kurze Tonfolge. Dann nehme ich eine meiner Gitarren und stöpsle diese in mein Audiointerface und fange an, Demos aufzunehmen. Ich lasse mich da einfach gehen, „improvisiere“ eigentlich so gut wie nur, lasse die Finger einfach selbständig werden und was dabei dann rauskommt, ist das was du auf den Maladie Platten hörst...

Ich bin auf jeden Fall gespannt wie die weiteren Reviews ausfallen werden. Denn ja, ich bin stolz auf das, was wir mit Maladie zustande bringen, und positive Reviews sind dann einfach eine Genugtuung...

In Deinem Line Up, welches ja langsam die Form eines Orchesters annimmt, gab es ja leichte Veränderungen…ist es eigentlich schwer, Deine Ideen Deinen Mitstreitern verständlich zu machen? Und welchen Anteil haben Deine Mit-Musiker am finalen Ergebnis gehabt?

Ja, es gab einige wenige Besetzungswechsel bei Maladie. Das hatte verschiedene Gründe. Die üblichen, würde ich sagen. Und wir sind auch gewachsen, das stimmt. Mittlerweile sind wir 9 feste Mitglieder und 4 Gastmusiker. Aber ich denke, dass es dabei auf Dauer nicht bleiben wird. Ich habe keinerlei Skrupel, Leute, deren Einsatz ich mir bei Maladie vorstellen kann, auch einfach zu fragen, ob sie Lust hätten dabei zu sein. Da sind mir alle „Gesetze“ was die Besetzung einer Rockband angeht vollkommen egal. Ein kleiner „Running Gag“ bandintern ist der Spruch:

„We are Maladie, we can and will do what ever we want, because we can“.

Und genau so ist es auch. Da, wie bei allem anderen, lasse ich mir nicht (mehr) reinreden. Ich bin in meinem Leben immer nur Kompromisse eingegangen, um es anderen Recht zu machen. Das ist vorbei. Ich tue was ich will, und wie ich es will. Und der Erfolg (so gering er auch sein mag) gibt mir Recht und macht mich stolz.

Bei „...still...“ hatten meine Mitmusiker aber weitaus mehr Anteil als noch beim Debüt. Man kann sagen, dass sie mutiger geworden sind und ihre Ideen mehr einbringen und wer wäre ich, wenn ich das unterbinden würde? Dieses Mal hat jeder seine ganz persönlichen Vorstellungen und Ideen eingebracht und „...still...“ wäre nicht ansatzweise so gut geworden, wie es jetzt ist, wenn ich diese nicht angenommen hätte. Das wird auch in Zukunft so bleiben, denn das ist Maladie. So persönlich Maladie auch für mich ist, Maladie würde nicht so klingen, wie sie es tut, ohne meine Mannschaft.

Und es ist absolut nicht schwer, ihnen meine Ideen verständlich zu machen. Alle arbeiten sehr professionell und wissen mittlerweile, was und wie ich mir alles vorstelle.

Im Gegensatz zu „…plague within…“ finde ich den Sound auf „…still…“ diesmal differenzierter, klarer und noch besser hörbar. War das von vornherein Dein Ansatz?
Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit dem Sound von „...plague within...“. Dieses Mal hat sich Christoph aber wieder selbst übertroffen und alles aus der Platte herausgeholt. Und leicht haben wir es ihm sicher nicht gemacht, da ja doch weitaus mehr auf „...still...“ passiert als noch beim Debüt. Ich habe da teilweise 7 verschiedene Gitarren übereinander gelegt, wir haben Chöre aufgenommen, es kommen viele Instrumente dazu und auch Mathias hat ein sehr dynamisches Spiel am Schlagzeug, was alles andere als leicht in solch eine Soundwand zu mischen ist, im Gegensatz zu „normalem“ Metal-Drumming. Christoph hat sich mehr Zeit für den finalen Mix genommen, und das hört man der Platte ab dem ersten Takt schon an.

Welchen Anteil am Gesamtergebnis hatte Christoph Brandes und seine Arbeit im Iguana Studio?

Nun, Christoph muss ja mit dem Arbeiten, was wir ihm einspielen. Aber er hat da durchaus Ideen für den Sound eingebracht, die meinen zu 100% entsprachen. Dieser knackige Bass, diese sehr breit angelegten Gitarrenwände, das sehr präzise Schlagzeug und die vielen Gesänge. Alles klingt so, wie es klingen muss und Christoph hat dann mit seinem abschließenden Mastering noch mal ordentlich einen draufgelegt. Der Rohmix an sich klang schon hervorragend, aber was er mit dem Mastering noch zusätzlich heraus geholt hat, ist schlicht und einfach perfekt.

Auch hier kann ich sagen, dass „...still...“ nicht so klingen würde, wie es klingt, wenn wir nicht im Iguana Studio gewesen wären. Ich hoffe sehr, dass wir auch in Zukunft mit Christoph zusammen arbeiten können.

Gesanglich ist das Album auch wieder ein Highlight geworden. Erkläre uns doch mal Dein Konzept mit mehreren Sängern und den verschiedenen auf dem Album vorhandenen Sprachen. Bei unserem ersten Interview sprachst Du ja davon, dass das nie so geplant war, diesmal scheint es mir aber, dass Du bewusst darauf hingearbeitet hast.

Ja, der Gesang ist wirklich sehr gut geworden. So zufrieden ich noch immer mit „...plague within...“ bin, muss ich doch zugeben, dass die Jungs auf „...still...“ noch mal ordentlich einen drauf gelegt haben. Rein technisch, aber auch vom Transport der Emotionen der gesungenen Worte. Aber ich persönlich habe an meiner Arbeitsweise diesbezüglich nichts geändert. Das geschieht alles nicht wirklich geplant oder bewusst. Wenn ich Texte verfasse, lasse ich mich genau so gehen, wie beim Komponieren. Ich blende die Welt um mich herum aus und schreibe. Die einzelnen Zeilen oder Strophen, die dann in andere Sprachen übersetzt werden, verlangen dies einfach von mir. Warum? Ich weiß es nicht. Maladie geschieht einfach, Maladie verfolgt in dem Moment, in dem ich etwas tue keinen bestimmten Plan. Auch wenn ich ein Konzept habe, wie es weitergehen wird. Hm, schwer zu erklären. Also ja, es gibt ein Konzept, in dem die Dinge aber eher passieren, als dass sie erzwungen werden...

Du hast auf "...still..." ziemlich häufig auf die Dienste von Hauke Peters am Saxophon zurückgegriffen. Einfaches Stilmittel oder tatsächlich ein weiteres Hilfsmittel zum emotionalen Ausdruck.

Das Saxophon ist eigentlich auf dem ersten Album bei "Transgressus" schon zu hören. Aber da war es programmiert und das klang nicht sonderlich toll, weswegen es auch ziemlich in den Hintergrund gemischt wurde.

Mit Hauke habe ich einen Saxophonisten gefunden, der es perfekt schafft, dieses Instrument nicht einfach nur auf ein fertiges Lied drauf zu legen, sondern es so zu integrieren, wie man das bei einem Solo auch erwarten kann und muss. Was musste ich mir alles anhören. Ein Gejammer und Gemecker a la "Was? Saxophon? Im Metal? Das ist doch Scheiße!", oder auch "Oh nein, das haben doch andere (ich nenne keine Namen) auch schon probiert und sich blamiert. Das funktioniert einfach nicht!". Aber wer mich kennt, weiß, dass mir solche Sprüche egal sind, weil wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, wird das auch gemacht. Und jeder wird hören, dass sich das Saxophon bei Maladie nicht einfach nur perfekt einfügt, sondern die Atmosphäre auf eine ganz besondere Weise verstärkt und erhebt. Hauke ist mit seinem Saxophon auch festes Bandmitglied und wird in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Die Zweifler werden mit "...still..." eines Besseren belehrt, wie du ja auch schon passend in deinem Review formuliert hast.

Welches Konzept verbirgt sich diesmal hinter „…still…“? Wenn ich mir die Übersetzungen so ansehe wie „Veränderung“, „Erkenntnis“, „Bitterkeit“ oder „Erwachen

„...still...“ hat kein eigenes Konzept, sondern ist ein Teil von einem großen. Das Leben als Krankheit fungiert als Schirmherr. Einige haben mich gefragt, ob ich mir nicht einen zu engen Rahmen gesteckt habe, indem ich Krankheit als Konzept gewählt habe. Das Gegenteil ist der Fall. Das Leben an sich ist eine Krankheit mit schier unendlich vielen Symptomen. Es passieren immer Dinge, die einer Krankheit mehr als nahe kommen. Und damit meine ich nicht nur physische. Alleine das Jahr 2014 war von Krankheit und Enttäuschung so sehr infiziert, dass mein Gehirn überquillt vor Ideen. Dinge die passiert sind und Menschen, die mich so sehr enttäuscht haben, dass mir nichts anderes übrig bleibt als dass ich es in meiner Musik und in meinen Texten verarbeite. Damit kann ich sie zwar nicht ungeschehen machen, aber ich schöpfe etwas ab aus dem Fass, bevor es überläuft. Ich bin ein sehr nachtragender Mensch. Vergebung ist für mich nichts als Heuchelei...

Aber so schmerzhaft und enttäuschend das letzte Jahr auch war, hat es für mich persönlich einen der positivsten Abschlüsse gefunden, die man sich nur vorstellen kann, und ich gehe dadurch einer unbekannten, aber sehr wohltuenden Zukunft entgegen.

Um auf die von dir angesprochenen Titel genauer einzugehen, erkennst du ja, dass die Krankheit innerhalb einer Krankheit (plague within) erwacht. In der Ich-Form gehe ich dieses Thema an. Nach dem dumpfen Dahinsiechen auf dem Debüt, findet jetzt ein langsamen Erwachen, ein Erkennen und Sehen, statt. Und was geschieht wenn man sieht? Genau, man verfällt in eine Bitterkeit und fragt sich, warum man nicht einfach weiter dahinsiechen konnte. Wäre es nicht einfacher, nicht zu sehen? Einfach weitermachen wie bisher und sich mit allem abzufinden? Einfach zu resignieren? Ja, das wäre es ganz sicher. Aber hier erwacht die Krankheit, nennen wir sie der Einfachheit halber „Morbus“, sie weckt sich mehr oder weniger selbst, und sie sieht und erkennt, was direkt in Bitterkeit und Wut übergeht. Das sieht man auch auf dem Cover, das Remy (Headspiltdesign) wieder perfekt nach meinen Vorgaben umgesetzt hat. Auch hier werde ich weiterhin mit Remy arbeiten.

Auch wenn es nun so erscheinen mag, als ob ich mir selbst widerspreche, weil ich sagte dass bei Maladie nichts wirklich geplant ist, werde ich diese Geschichte weiter erzählen, denn es ist die Geschichte meines Lebens, die Geschichte der Krankheit eben...

Warum hat die Veröffentlichung denn solange gedauert? Ich weiß, dass Du die Demos zum zweiten Album schon recht zeitig fertig hattest.

Das hatte einige Gründe. Es stimmt, dass „...still...“ schon recht lange im Kasten war, bis es an den finalen Mix und das Mastering ging. Das hatte terminliche Gründe seitens des Labels und des Studios. Das muss ja alles lange im Vorfeld geplant werden, da geht es ja auch um nicht geringe Kosten, deren Deckung gesichert sein muss. Da kann man nicht immer Rücksicht auf die (in meinem Falle) immense Ungeduld der Musiker nehmen. Dann kamen noch einige persönliche Dinge hinzu, und es hat eben seine Zeit gedauert, bis alles fertig gemacht werden konnte. So ist eben das Business, so war es aber ja schon immer. Ungeduld ist hier fehl am Platze. Und glaube mir, es war sehr schwer, da ich wohl der ungeduldigste Mensch dieses Universums bin.

Aber jetzt steht die Veröffentlichung kurz bevor und wir alle, inner- und außerhalb der Band, freuen uns sehr darauf und auf die gemeinsame Zukunft unter des Banner Maladies.

„…still…“ wird es auch als limitierte Doppel LP geben. Da müsste doch für Dich auch ein Traum wahr werden, oder?

Oh ja! Ich liebe und kaufe seit fast 27 Jahren Musik auf Vinyl Ich mache selbst seit 21 Jahren Musik. Und es war von ersten Tagt an ein Traum, ein Lebenstraum, meine eigene Musik in Form einer LP in eigenen Händen zu halten. Das hat bisher nie sollen sein bisher. Und als dann Tomasz von Apostasy Records mir sagte, dass es „...still...“ womöglich tatsächlich auf Vinyl geben wird, habe ich tatsächlich Tränen der Freude und der Erleichterung vergossen (jaja, Heulsuse und so... mir egal). Robby von Supreme Chaos Records hat sich die Lizenz dafür geschnappt und erfüllt diesen meinen Lebenstraum. Und das in einer Form, wie ich sie mir nie zu erträumen gewagt hätte. Doppel-Vinyl in einem 350g Gatefold mit Textblatt in 4 verschiedenen Versionen; schwarz, clear, und zwei unterschiedlichen sehr schicken Splatter-Versionen. Ich kann es immer noch nicht fassen, und möchte den beiden an dieser Stelle meinen tiefsten Dank ausdrücken!
Hat Dein Sänger Deha erneut die Pianoparts auf "...still..." eingespielt?

Ja, Déhà hat wieder das Piano eingespielt. Er spielt dieses Instrument mit einem Gefühl, wie man es so nur sehr selten erlebt. Wenn er spielt, verschmilzt er vollkommen mit dem Lied und dem Instrument; er verliert sich richtig in der Komposition und man spürt quasi seine Liebe zu diesem Instrument. Und das hört man auch an jedem einzelnen Akkord auf "... plague within..." und jetzt auch auf "...still...".

Viele Metaller werden mich jetzt für die folgende Aussage hassen, aber auch für mich ist das Klavier das mit Abstand am schönsten und besten klingende Instrument. Auf kaum einem anderen kann man Emotionen besser vermitteln und auf keinem anderen klingen Harmonien so wunderschön, oder eben auch bedrohlich und düster, je nachdem, was und wie man spielt.

In Zukunft wird das Klavier nicht nur ein fester Bestandteil von Maladie bleiben, sondern sicherlich auch vermehrt zum Einsatz kommen.
Du hast jeden Song grafisch darstellen lassen, das sieht nach einer Menge Kohle aus. Warum war dir die grafische Umsetzung so wichtig?

Ich habe nicht umsetzen lassen, ich habe selbst umgesetzt. Konzept, Design und Layout der CD und der LP sind auf meinem Mist gewachsen. Wie beim Debüt auch schon. Da habe ich klare Vorstellungen, und das mache ich dann lieber selbst, bevor ich unzufrieden mit dem Ergebnis bin. Bernd Lietz (Experimental Photography) hat wieder die Bandfotos gemacht und da er ein großartiger Fotograf ist, habe ich ihn gefragt, ob er auch andere Fotos für die Gestaltung beisteuern würde. Er war sofort einverstanden und hat sich daran gemacht, meinen Vorstellungen entsprechend, passende Motive zu finden. Er wurde fündig und hat sich meisterlich selbst übertroffen. Das sind die mit Abstand schönsten und gleichzeitig makabersten Fotos, die ich je gesehen habe. Jeder weiß, dass Fotografie mehr ist, als lediglich eine teure Kamera zu besitzen und den Auslöser zu drücken. Bernd hat die Stimmung von Maladie mehr als perfekt eingefangen und ich bin mehr als glücklich und dankbar, dass ich ihn vor Jahren kennengelernt habe, und er seine Arbeiten Maladie zur Verfügung stellt. Er ist mittlerweile schon so 'was wie ein festes Bandmitglied geworden. Mit diesen fantastischen Fotos war es mir ein leichtes, das Design zu vollenden. Die LP wird auch ein anderes Design haben als die CD, da mir eine bloße Kopie in groß da auch zu einfach gewesen wäre. Einfachheit und Maladie scheint eben nicht zusammen zu funktionieren...

Mir ist es eben sehr wichtig, dass ein Album auch entsprechend aufgemacht ist. Die reine Musik kann noch so gut sein, ohne eine adäquate optische Aufmachung der CD/LP fehlt einfach etwas. Daher kann ich es nicht verstehen, und werde es auch nie, wie sich jemand ein Album einfach nur runter lädt (am besten noch illegal). Da verkommt das Produkt, die Kunst, zu einem reinen Konsumartikel wie Klopapier, meiner Meinung nach. Musik ist so unbeschreiblich viel mehr, als nur bestimmte Tonfolgen zur Nebenbeiberieselung. Ich merke immer mehr, wie sich da der Hörer immer weiter davon entfernt Musik so zu sehen, zu höre, wie ich es tue. Aber für solche Leute ist Maladie wohl eh nicht die geeignete Musik.

Ihr habt ja einen Auftritt beim Ragnarök Festival absolviert. Sind diesbezüglich eigentlich noch weitere Aktivitäten auf dem Livesektor geplant?

Das ist ein schwieriges Thema bei Maladie. Anfangs konnte ich mir das live ja gar nicht vorstellen. Aber Ivo, der Veranstalter vom Ragnarök, anscheinend schon und hat uns ein sehr gutes Angebot gemacht. Also habe ich mich diesbezüglich umkrempeln lassen und ich habe es bis heute nicht bereut. Da jeder in der Band sehr professionell arbeitet, haben uns 3 Tage gereicht um das Set einzustudieren und zu proben und der Auftritt hat wunderbar geklappt. Das würde ich in der Form gerne mal wiederholen, klar. Da hat auch jeder Bock drauf bei uns. Geplant ist nichts, aber wir lassen das einfach mal auf uns zukommen...

In einem unserer vielen Gespräche im Vorfeld dieses Interviews hattest Du ja angedeutet, dass nach „…plague within…“ und „…still…“ die Geschichte Maladies noch nicht abgeschlossen ist und Du bereits weit voraus planst. Was ist da angedacht? Ich hörte da was von einer EP…

Für
Maladie gibt es unendlich viel Inspiration und Berge an Ideen. Man kann sagen, diese Krankheit ist unheilbar, aber nicht gnädig genug zu töten.

Ich habe einen Plan für 6 Alben und 5 EPs gesteckt. Danach ist kein Ende in Sicht, aber soweit sind wir momentan. Um ehrlich zu sein, denn das ist ja auch eher ein sehr offenes Geheimnis, sind wir schon mitten in der Arbeit an der ersten EP und am dritten Album, deren Titel ich hier aber natürlich noch nicht verraten werde. Ich habe alle meine Gitarren schon im Kasten und die Texte verfasst. Bernd ist schon dabei erste Demos seiner Gesangslinien aufzunehmen und Mathias wird noch im Februar anfangen das Schlagzeug einzutrümmern. Ich denke, dass im Sommer alles aufgenommen ist.

Déhà und ich komponieren bereits Material für das vierte (!!!) Album und Mark hat mir dafür auch schon einige sehr gute Ideen von ihm vorgespielt. Also, so schnell werdet ihr uns nicht los.

Aber ich greife vor. Als nächstes kommt eine EP, die der Bezeichnung EP aber eigentlich nicht wirklich gerecht wird, da die Spielzeit doch weitaus über der einer herkömmlichen EP liegt. Hierauf wird es auch einige Überraschungen geben, mit denen man bei Maladie wahrscheinlich eher nicht gerechnet hätte. Ihr seid gewarnt...

Kriegst Du da nicht irgendwann mal Ärger mit der Belegschaft aufgrund Deines angedachten Arbeitspensums?

Naja, Ärger wäre zu viel gesagt. Aber klar, man sagte mir doch schon öfter mal, dass ich bitte mal langsamer machen soll, da ja jeder auch (man sollte es nicht glauben) neben Maladie noch einiges um die Ohren hat. Nicht nur musikalisch. Aber was soll ich machen? Das Zeug muss raus. Wenn ich es nicht aufnehme, würde es mich wahnsinnig machen. Ich wäre zu keinem klaren Gedanken mehr fähig, wenn sich das alles anstauen würde. Ich MUSS es loswerden. Aber kaum habe ich wieder ein Lied fertig, stürmen schon wieder Ideen für 5 weitere auf mich ein.

Maladie
hat auch musikalisch keinen fixen Rahmen, kein Genre, keine Schublade. In zum Beispiel, einer Death Metal Band hat man ja nicht sonderlich viel Freiraum, was Experimente angeht. Death Metal ist Death Metal und aus. Und das ist auch gut so. Bei Maladie gibt es so etwas aber nicht. Maladie ist pure Emotion. Und Emotionen kann man nicht führen oder erzwingen. Ich weiß nicht ob ich es schon erwähnt habe, hehe, aber ich bin die Ungeduld in persona, und da gehe ich meinen Mitstreitern ganz sicher recht oft ziemlich auf die Nerven. Noch haben sie aber nicht zu brutaler körperlicher Gewalt gegriffen. Noch nicht... 

Wie sieht es denn eigentlich mit Deiner zweiten Band Tombthroat aus? Ist da noch irgendwas zu erwarten in naher Zukunft?

Tombthroat
ist nicht tot, wenn du das befürchtest. Ich habe ein neues Album so gut wie fertig komponiert, Texte sind geschrieben und das Coverartwork habe ich ebenfalls schon fertig. Das wartet eigentlich nur darauf, ausgearbeitet und aufgenommen zu werden. Aber da gibt es momentan ein paar Hürden, die erst noch genommen werden müssen. Man kann allerdings sagen, dass der Anlauf schon abgeschätzt wurde und nur ein kleiner Schubs fehlt um loszurennen.

Aber grundsätzlich wird es da in Zukunft krasse Änderungen geben was das „Wie“ betrifft, aber nicht das „Was“. Musik und der Wille ist ausreichend vorhanden. Man muss sich nur gut überlegen, wie das in Zukunft umgesetzt wird.

Tombthroat
ist mein Baby, das ich mit Alex zusammen vor 19 (!!!) Jahren gegründet habe; das lasse ich ganz sicher nicht sterben...

Social Media

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

The new breed

P P P

Z.O.F.F. 2020

alter Z.O.F.F.

On Tour

VERLOSUNGEN

ZO SONGCHECK

V.I.P.

Schrod's...

wo wir sind

Der Patch

Join the Army

Damit das klar ist