RAGNARÖK 2016 - RENE'S HOHE ERWARTUNGEN: UNSER BERICHT

01. - 02.04.2016 Lichtenfels @ Stadthalle

Das Ragnarök Festival in Lichtenfels eröffnete auch in diesem Jahr meine Festivalsaison und war mir erneut den Weg quer durch die Bundesrepublik wert. Meine Ansprüche waren recht hoch, denn 2015 kämpfte nahezu jede Band mit Soundproblemen, woraufhin der Veranstalter für diese Ausgabe Besserung versprach. Vor Ort traf ich dann auch wieder Redaktionskollegin Franzi, die ohnehin im nahen Bamberg wohnt, sowie Clemens, der mit seiner Band Strydegor selbst auf der Bühne stand.

FREITAG

Den Opener machten die Melodic Black Metaller von Thormesis. Ein mehr als hervorragender Einstieg, der auch schon viele Besucher vor die Bühne ziehen konnte. Warum diese Jungs einen so frühen Slot bekamen, weiß ich nicht, aber sie meisterten es perfekt. Insbesondere Basser Berucas ging ordentlich ab und man spürte die Leidenschaft der Musiker.

Im Anschluss spielten Ctulu, die ich bereits zuvor gesehen hatte und ein recht solides Bild hinterließen. Für mich leider in diesem Jahr eine langweilige Enttäuschung, die nicht an meine Erwartungen herankam. Der Crux bei der Selbstinszenierung ist immer der, dass sobald man die Musik nicht mag, jegliches Corpsepaint und Bühnenbild schnell lächerlich wirkt. So auch hier, ein Dutzend Kerzen, eine mystische Atmosphäre, Masken - soetwas mag bei Behemoth oder anderen funktionieren, hier vertrieb es mich jedoch nach den ersten paar Songs erst einmal vor die Stadthalle.

Nunja, jetzt mag man mir hier Befangenheit vorwerfen, denn immerhin spielt Schreiberkollege Clemens selbst bei Strydegor, aber ich möchte versichern, dass mein Bild auch ansonsten nicht allzuanders wäre: Die Schweriner räumten ab! Frontsau Florian wusste exellent mit den zahlreichen Festivalgängern umzugehen und nahezu jeden zum Mitmachen zu animieren. Auch in nachfolgenden Unterhaltungen bestätigten mir einige andere Besucher, dass sie positiv überrascht wurden. Für viele sicherlich DER Geheimtipp des Festivals.

Vargsheim
waren spielerisch ebenfalls voll dabei, konnten aber bei mir nicht ganz zünden. Aber was ist die Meinung eines einzelnen, wenn dafür recht viele zu den Würzburgern, die mit getragenem langsamen Black Metal durchaus punkten konnten, ihr Haupt schüttelten.

Deutlich mehr meinem Geschmack entsprachen Welicoruss, die ihre Mischung aus Symphonic, Pagan und Black episch verpackten und die Menge mehr als unterhielten. Kein Wunder, dass die Stadthalle sich immer weiter füllte, da wohl recht viele, wie auch ich selbst, nach einem kurzen hereinhören gefesselt waren. Gerne wieder!

Von Thrudvangar bekam ich leider nur das letzte Drittel der Show mit, aber das was ich sehen konnte, war dann durchaus solider Black/Death mit einer guten Showeinlage. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir die Jungs nocheinmal ausführlicher anschauen müssen.
Gernotshagen sah ich hier jetzt zum dritten Male. Konnten sie mich zuvor immer überzeugen, fehlte dieses Mal ein wenig die Stimmung, bzw. das gewisse Etwas. Die Band war zwar motiviert und recht viele konnten sehr gut abfeiern, aber ich habe sie einfach schon stärker erlebt und war auch nicht der einzige mit diesem Eindruck.

Lantlos
war für mich wohl einfach nicht gemacht. Diese Black/Post-Rock Mischung kam bei mir nicht so gut an, konnte aber durchaus bei anderen Besuchern punkten. Geschmäcker sind eben verschieden und was dem einen als langweilig erscheint ist für den anderen die Erlösung pur. Gleiches gilt für Marduk. An sich eine Band, die nicht unverdient da steht, wo sie ist, aber die Kombination eines eher mauen Sounds auf den oberen Rängen mit meiner langsam tributfordernden Müdigkeit machte das Spektakel dann doch ein wenig anstrengend.

Die Finnen von Ensiferum mussten aufgrund einiger technischer Probleme ein wenig später beginnen, vermutlich war es ein Kabelbruch oder etwas ähnliches. Nichts destotrotz wurde dann wie immer eine unterhaltsame und spaßige Show dargeboten. Einziges Manko: Mir fehlte es deutlich an einigen alten Klassikern, insbesondere „Treacherous Gods“ hätte ich gerne gehört, aber man musste dann mit „From Afar“ und „Iron“ vorlieb nehmen. Dennoch ein überzeugender Auftritt, der am Ende dann einfach zu kurz für alle Hits der Band war.

Der langen Anfahrt und der vielen bisherigen Bands geschuldet verzichtete ich dann jedoch auf den Auftritt von Todtgelichter, auch wenn mir viele dazu geraten haben diese Band anzusehen. Irgendwann waren dann auch meine Energiereserven aufgebraucht.

SAMSTAG

Rabenwolf fehlte wie auch schon auf dem Metal Frenzy 2015 ein wenig der eigene Sound, man könnte sie auch böswillig als Gernotshagen-Abklatsch bezeichnen. Das ist zwar nicht unbedingt schlecht, aber eben auch nichts herausragendes. Als Opener jedoch voll und ganz in Ordnung um warm zu werden. Blöd nur, dass es warum genug war und viele lieber draußen die ersten kühlen Biere des Tages vernichteten. Ich nutzte die Zeit dann auch um mir im Ort ein kleines Frühstück zu besorgen – leider mit der Folge, dass ich Wind Rose verpasste. Ärgerlich.

Dafür war ich dann bei Aeba wieder voll da. Die Kieler zu sehen war mir persönlich ziemlich wichtig, denn wie oft man dazu noch die Chance hat, steht wohl in den Sternen. Eigentlich schon seit einiger Zeit aufgelöst, hat man sich jetzt für ein paar Konzerte dieses Jahr wieder zusammengefunden. Gespielt wurde schöner Oldschool Death Metal, der ordentlich Spaß machte und eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. Lediglich die kurze Verabschiedung („Danke“ und weg) war ein wenig plötzlich, eine Zugabe gab es auch nicht. Schade eigentlich, aber davon abgesehen ein gelungener Auftritt.

Grimner setzten schon wie die Pagan-Kollegen von Gernotshagen am Vortag oder Rabenwolf zuvor auf eine kleine Kostümshow und in die gleiche Richtung schlug dann auch die Musik ein. Insgesamt hat es mich auch hier nicht vom Hocker gehauen, aber der Tag war ja noch jung. Nach der halben Show habe ich mich dann erst einmal kurz vom Acker gemacht und mich draußen den Gerstensaftvernichtern angeschlossen. War ja auch schon nach vier (-zehn) Uhr...

Einer meiner Gründe überhaupt erneut zum Ragnarök zu fahren, war der Auftritt Ereb Altors. Im Sinne der Legende Bathory erschaffen die Schweden eine perfekte Atmosphäre, strotzend vor Kälte, und mit überzeugender Leistung. Alleine dafür hat sich die Anfahrt schon gelohnt. Insbesondere das Cover „Twilight of the gods“ schnitt wie ein Schwert durch die Luft und lies den Geist Quorthons wiederauferstehen. Diese Jungs müssen sehr schnell wieder in meine greifbare Nähe kommen, am besten mit einer wesentlich längeren Show!

Minas Morgul
ist hingegen eine Band, mit der ich noch nie viel anzufangen wusste. Hinzukam eine durchgehende Übersteuerung des Mikros. Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob das nicht doch Absicht war, denn es wirkte so, als sei kein Techniker interessiert, daran etwas zu ändern, aber auch sonst hätte mich die Musik wohl nicht allzusehr angesprochen. Egal, eine recht ansehnliche Menge an Fans zog es dennoch vor die Bühne.

Im Anschluss kam dann mit Saille eine belgische Black Metal Truppe auf das Bühnenparkett, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Dem typischen Geschrammel mischte sich ein Keyboard bei und einige ruhige Passagen lockerten das Ganze dann auf. Ich kann zwar keine Bestnote für den Auftritt vergeben, aber es war dennoch schön anzuhören.

Wolfchant
kann man wohl als ersten kleinen Headliner des Samstages bezeichnen, denn die Halle war zu Beginn bereits ansehnlich gefüllt. Die Songs machten durchgehend Spaß und trieb die Menge hervorragend an. Einziges kleines Manko: Durch die zwei Sänger kam es mehrmals zu kleinen Stellen, wo der eine bereits den nächsten Song ankündigte, der andere aber seine Ansage noch nicht fertig hatte. Auch war Cleanstimme Nortwin ein wenig zu leise abgemischt und ging immer mal wieder unter. Dennoch ein hervorragender Auftritt.

The Vision Bleak
habe ich dann bewusst ausgelassen, da ich mit der Musik absolut nichts am Hut hatte und auch nicht ungerechtfertigt eine gute Performance durch meinen eigenen Geschmack niedermachen möchte. Ich habe mir aber sagen lassen, dass die Band durchaus punkten konnte – sofern man eben mit den Gothic Elementen, die irgendwie kein bisschen in das restliche Lineup passten, etwas anfangen kann.

Skyforger
traten bereits vorheriges Jahr auf und das sie nun erneut wieder auf der Bühne standen, lag vermutlich an der ohnehin gerade stattfindenen Tour mit Ereb Altor und Månegarm. Dennoch überzeugten die Letten auch dieses Mal mit einer Menge Energie und insbesondere Sänger Peter lief dauerhaft über das Gelände um sich mit Fans zu unterhalten. Das ist einmal Fannähe, die gelobt werden muss! Es wäre nicht schlimm, wenn die Truppe zum Dauergast des Ragnaröks werden würde.

Nocte Obducta waren sowohl mir als auch Franzi ein wenig suspekt. Black Metal vermischte sich mit gefühlt allem, und nicht alles davon funktionierte. Dazu kam ein unausgeglichenes Mixing von verzerrten und cleanen Parts. Insgesamt ein wenig zu avantgardistisch für unsere Geschmäcker.

Die im Anschluss auftretenden Månegarm rissen dafür die Hütte ab. Die eingeräumten 50 Minuten waren am Ende dann doch viel zu schnell vorbei. Besonders gut kam der Akustiksong „Eld“ an, wobei die Schweden von ihren Landsmännern von Grimner unterstützt wurden. Leider ist die nebenbei stattfindene Tour mittlerweile schon wieder vorbei und somit heißt es erst einmal warten um sich die ganze Dosis Månegarm zu geben.
Eluveitie bekamen insgesamt eine Stunde Spielzeit, fingen jedoch leicht verspätet an und hörten beinahe eine Viertelstunde früher auf. Warum? Ich habe keine Ahnung. Als Frontman Chrigel zur Halbzeit ankündigte, man sei kurz vor Ende, fragten sich viele was das soll. Ich rechnete mit einer dafür längeren Zugabe, die sich letzlich jedoch auf das fast schon zu häufig gespielte „Inis Mona“ beschränkte. Für zwei bis drei Songs mehr wäre sicherlich noch Zeit gewesen. Insgesamt enttäuschten die Schweizer sehr, auch mich als Fan der Band. Und mal ehrlich: „Call of the Mountains“ will mittlerweile doch eh kaum noch einer hören...

Diese Enttäuschung hatte dann leider auch noch weitere Auswirkungen. Da ich keine Lust hatte mir jetzt eine halbe Stunde die Beine in den Bauch zu stehen, verließ ich die Stadthalle und verquatschte mich draußen mit einigen Leuten, was dazu führte, dass ich von Thyrfing nur den letzten Song zu hören bekam. War wohl mein Fehler, aber das gehört nunmal zu Festivals dazu. Viele andere bestätigten mir jedoch eine Show, die eventuell sogar die Beste des gesamten Ragnarök Festivals sein sollte. Muss ich unbedingt bald nachholen!

Als Rausschmeißer spielten zum Ende hin die Black Metaller von Eis. Ursprünglich war an beiden Tagen ein Auftritt geplant, unter anderem sollte das gesamte Kainsmal Album präsentiert werden, aber da einige Bandmitglieder die Band kurz zuvor verließen, halfen nun einige Mitglieder von Gernotshagen aus. Das daher das Set verkürzt werden musste, war nur eine logische Folge. Dennoch spielten Eis immerhin 70 Minuten lang, Frontmann Alboin unterhielt nebenbei mit gelungenen Ansagen, Anflügen von Standup-Comedy und Selbstirone und die Merchidee mit Eis-Kratzern war ein guter und offensichtlich auch gewinnbringender Einfall.

Das Ragnarök 2016 hat insgesamt wieder sehr viel Spaß gemacht, kam vom Lineup aber nicht ganz an die letzte Ausgabe heran, wobei diese Einschätzung natürlich bei jedem unterschiedlich sein wird. Der Sound hat sich dafür enorm gebessert, ist allerdings noch immer ausbaufähig. Man muss dazu allerdings auch die Architektur der Location miteinbeziehen, gegen die der Veranstalter natürlich nur begrenzt etwas tun kann, weswegen ich durchaus teilweise Verständnis dafür habe. Gleichermaßen positiv wie negativ sind mir die Ordner aufgefallen. Alle waren durchweg freundlich und hilfsbereit, erweckten jedoch auch teilweise den Eindruck, dass sie ohnehin nicht allzu sehr am Geschehen interessiert sind. Die Preise der einzelnen Händler waren im Großen und Ganzen für ein Festival in Ordnung, sollten aber nicht weiter steigen.

Das Lineup insgesamt war recht ausgewogen, es gab Bands, die ich den ganzen Tag hätte hören können, als auch solche, die man sich meiner Meinung nach hätte sparen können. Dennoch: Das Ragnarök hat auch in diesem Jahr bewiesen, dass man einige große Namen auf die Bühne holen kann, ohne gleich ein überlaufenes Wacken zu sein. 2017 werde ich gerne wieder nach Franken reisen. Als erste Bands sind bereits Agrypnie, Fjoergyn sowie die dieses Jahr verhinderten BlackMessiah angekündigt. Also: auf einen weiteren Weltuntergang!

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