IN FLAMMEN OPEN AIR 2019

Wollt Ihr auch noch ein Stück?

11. bis 13.07.2019 - Torgau @ Entenfang


In Flammen 2019 - Tag 1&2In Flammen 2019 - Tag 3 

DONNERSTAG

Es war Mitte Juli, Sommerferien, und wir packten Kind und Kegel (und Frisbee und und und) ein, um zum Familientreffen der Metaller nach Torgau zu fahren. Anreise und Check-In waren gewohnt problemlos, denn zum einen wird das Festivalmotto „Metal ist Freiheit“ tatsächlich gelebt, sodass eigentlich alle – vom Gast bis zum Ordner – recht entspannt waren, zum anderen wurde das Nadelöhr an der Autokontrolle entschärft. Es half sicher auch, dass in diesem Jahr nicht ausgerechnet eine Band wie CANNIBAL CORPSE schon am Donnerstag spielte, sodass sich der Anreiseverkehr gleichmäßiger verteilte.

Das Campingareal ist auch noch einmal deutlich vergrößert worden, sodass es kein Gedränge gab und unsere Vorhut großzügig eine halbe Reihe für uns und die ganze Truppe abstecken konnte. Nach Zeltaufbau, Begrüßung der Kollegen und dem ersten Hopfentee war es gegen halb sechs am Nachmittag Zeit für die erste Band PROFANATION. Als eine der Dienstältesten Death Metal Formation Ostsachsens zogen sie eine beachtliche Menge an Schaulustigen vor die Bühne und servierten ihr Gemetzel in feinster Manier. Es gab fliegende Haare und ersten Kreisverkehr, als wäre das bereits der Headliner und nicht die allererste Band des Festivals. Zur Feier des Tages wurde sowohl ein ehemaliger Mitstreiter für einen Song auf die Bühne geholt als auch der Staffelstab am Mikro an einen jungen Burschen übergeben, der geradeso dem Stimmbruch entwachsen aussah, aber sehr ordentlich brüllen konnte. [jezebel]
Mit der fertig veröffentlichten Trilogie im Gepäck haben die Belgier WIEGEDOOD genug Stoff, um beim Warm Up wirklich einzuheizen. Routiniert und präzise hauen WIEGEDOOD ein Brett nach dem anderen raus. Black Metal pur und genau das richtige Futter für die Ohren, um sich auf dem Acker zu Hause zu fühlen und den Alltag abschalten zu können. Trotz der immer noch hellen Abendstunde wird hier 50 Minuten lang ordentlich Finsternis fabriziert. Ich sollte WIEGEDOOD noch ein weiteres Mal diese Saison sehen und weiß daher, dass hier immer gleich hohes Niveau abgeliefert wird. Dank dieser Band stand das Festival bereits am Donnerstag in Flammen. [tom]

Die nächste Band, ASOMVEL stellte eine stilistische 180°-Drehung im Vergleich zu WIEGEDOOD dar, denn hier war schon auf den ersten Blick klar, dass Lemmy verehrt und vergöttert wird (wobei der Drummer eher nach einem jungen Dave Mustaine aussah). Der Rock’n’Roll ging gut rein und was vielleicht an Originalität fehlte, machten sie durch den ansteckenden Spaß an der Mucke wieder wett.

EXHORDER wiederum ist ein Original und ernsthafter in der Durchführung, legten aber auch einen mehr als soliden Auftritt hin. Ich hab’s mir selbst nicht angeschaut, aber anhand dessen was Freunde berichtet haben bzw. auf Youtube zu sehen war, war bei den alten Herren mehr Pfeffer inne Backen als bei mancher jungen Combo. Schon der erste Abend mit seinen vier höchst unterschiedlichen Bands, von denen jede auf ihre Weise klasse war, kann nur als gelungen bezeichnet werden.

Anschließend wirbelte der Feuerkünstler von WELTENBRAND noch diverse funkensprühende Dinge durch die Luft. Der gehört zum festen Inventar, auch wenn er voriges Jahr nicht dabei war, und die Show ist nett anzusehen. Unser eigener Brand war aber stärker als das Bedürfnis, ihm länger zuzuschauen.

FREITAG

In der Nacht hatte es geregnet und der eine oder andere hatte wohl auch einen Wasserschaden am Zelt. Bei der Trockenheit in der Zeit davor war man sowas gar nicht mehr gewohnt. Viel schlimmer war aber, dass es auch technische Probleme auf der Hauptbühne gab, sodass die ersten Bands kurzerhand in Zelt verlegt wurden. Ein paar Infos sickerten durch, aber längst nicht alle. Der Handyempfang ist, vorsichtig ausgedrückt, ausbaufähig, sodass es nicht die schlauste Idee ist, geänderte Spielzeiten auf Facebook zu verkünden und nur dort. Einfach umsetzbar wäre zum Beispiel, die Running Order, so wie sie im Programmheft steht, auf ein großes Banner zu drucken, an einem zentralen Platz (beim Shit&Shower-Container) aufzuhängen und bei Verschiebungen ändert man es dort mit Stift und Klebeband. Schade war es vor allem für die eigentlichen Zeltbühnen-Bands, die man entweder auf gut Glück erwischt oder eben verpasst hat. NUCLEAR MAGICK und ANTROPOMORPHIA hätte ich gern sehen wollen, nur wusste ich nicht, wann ich hätte da sein sollen.

CEREBRAL ENEMA luden also statt vor die Hauptbühne ins Zelt zum traditionellen Klobürstentanz und dieses platzte aus allen Nähten. Unglaublich, wie viele sich gerade an Grind der Marke „grober Unfug“ erfreuen, aber warum auch nicht. Auch INDIAN NIGHTMARE mussten mit der kleinen Bühne vorliebnehmen, was deren Spielfreude keinen Abbruch tat und allen Ernstes noch mehr Leute sich ins Zelt zwängen ließ. Unglaublich, was die Multi-Kulti-Truppe aus Berlin dort abgefeuert hat und wie sie gefeiert wurden. Der Zeitplan war sowieso schon zerstört, so dass sie mehrere Zugaben spielen konnten, bevor die Meute sie doch gehen lassen musste.

Als erste Band auf der reaktivierten Hauptbühne und gerade als sich die letzten Schauerwolken verzogen, spielten DARK SKY CHOIR. Von denen wusste ich nur noch, dass da ein Haufen nicht ganz unbekannter Leute mitspielen und es recht traditionellen, doomigen Metal geben sollte, ergo musste ich da hin. Diese bekannten Namen waren u.a. Ira Black, der erst im Vorjahr mit I AM MORBID auf dieser Bühne stand und Brian Allen, der bis vor kurzem bei den VICIOUS RUMORS ins Mikro röhrte. Auf einem Festival, das den Schwerpunkt auf den derberen Spielarten des Metal liegen hat, ist solche Mucke immer ein wenig schwierig, aber DARK SKY CHOIR haben das gut gemeistert und vor allem haben sich die Musiker sehr niedlich über jeden einzelnen Banger gefreut. Besonders spaßig war eine Ansage: Mr. Allen rief ins Publikum „I Come…?“ – und weil man es nicht besser wusste, lautete die Antwort „Blood!“. „I Come Alive“ wäre richtig gewesen, aber knapp daneben ist halt auch vorbei. Spätestens als Ira Blacks Sohn, der auch Ira heißt, auf die Bühne kam, um seinen Herrn Papa und dessen Kollegen bei „Ace Of Spades“ an der Gitarre zu unterstützen, gab es im Pit kein Halten mehr. DARK SKY CHOIR waren der Überraschungs-Sieger mindestens des Freitags, wenn nicht sogar des ganzen Festivals. Die hatte kaum einer auf dem Schirm gehabt, ich habe aber immer wieder Leute begeistert von „der Band, die so CANDLEMASS-Doom gespielt hat“ reden hören.
Anschließend schauten wir auf der Zeltbühne vorbei, wo eine Band in langen schwarzen Mänteln gerade soundcheckten. Nach dem originalen Zeitplan wären ANTROPOMORPHIA dran gewesen, vermutlich waren das erst FVNERAL FVKK. Da mich aber eine Kinderhand unerbittlich weiterzog, konnte ich deren Blasphemie (hoho, sie hat „blas“ gesagt) nicht beiwohnen. [jezebel]
Chaos und das nicht zu wenig. Durch den technischen Ausfall auf der Hauptbühne fand man SYLVAINE nun auf der Zeltbühne stehend. Vielleicht gar nicht schlecht, denn hier geht der Sound nicht so sehr verloren und das ist bei dem Post-Rock atmosphärischem Metal der hier geboten wird durchaus hilfreich. Was die zarte Frontfrau hier gesanglich aufs Parkett gelegt hat, war schon ein Highlight für sich. Ausdrucksvolle Stimme umhüllt in passende Instrumentals a la gegenwärtige ALCEST. Der Funke springt über und man sieht viele tänzelnde und taumelnde Menschen vor der Bühne, die der Musik von SYLVAINE gebührend huldigen. Auch wenn sowas live schnell repetitiv und langweilig wirken kann, schaffen die Musiker es, den Spannungsbogen immer zu halten. Sehr gelungen und ein guter Trost für das Running Order Chaos im Vorfeld. [tom]
Uns hingegen war nach 2 Liedern SYLVAINE mehr nach klassischem Death Metal, sodass wir lieber zu GRUESOME auf der Hauptbühne gegangen sind. Was soll man noch sagen? Die haben die Songstrukturen von DEATH in sich aufgesogen, zu neuen Stücken zusammengebaut und machen so eine fast-perfekte Kopie des Sounds. Sehr geil und unheimlich präzise sowie ein Fest für alle, die zu jung sind, um Chuck und Co selbst noch erlebt zu haben. MISERY INDEX haben wir ausgelassen, auf solche Mucke hatten wir in dem Moment keinen Bock, außerdem: wer braucht MISERY INDEX, wenn am nächsten Tag noch DYING FETUS spielen? [jezebel]

Die Todesblei Formation PESTILENCE muss ich wohl nicht groß vorstellen. Auch die Fans vor der Hauptbühne wissen wen Sie vor sich haben und so bricht vom ersten Ton an, ein wilder Strudel aus Haaren, Bier und sich schubsenden Menschen vor der Bühne los. Die Leute haben Bock, die Band auch, das Bier schmeckt und der Strom fließt wieder. Jetzt hat endgültig jeder vergessen, wie ungewollt ruhig es hier vor ein paar Stunden noch war und PESTILENCE reißen einen Hit nach dem anderen runter. Satter Sound und die langsam einsetzende Dämmerung runden den Gig ab. Schöne Geschichte und ein weiteres Zeugnis, warum sich die Band schon so lange in der Szene halten kann.

Na hier ist ja mal ne kleine Hölle losgebrochen. IXXI haben ordentlich Ärsche getreten. Mit ihrem ganz eigenem Black Metal Sound konnten die Herren 40 Minuten lang deftig abliefern. Haare wurden geschüttelt, Biere geleert und jede Menge guter Absichten verteufelt. Auch wenn es paradox klingt, bei dieser Truppe kam gute Laune auf. Aber es hat niemand gesagt, dass Black Metal nicht auch Spaß machen darf.

Spalten. Das sollte die Band an dem Abend die Meinungen. Die einen fanden den Sound kacke, die anderen die Band. Wiederum andere waren begeistert. Nun, ich muss gestehen, dass Bier hatte mir bis dahin schon sehr gut gemundet und die erzielte Wirkung bei mir erreicht. Ein paar Songs hätte ich ausgetauscht, aber alles in allem fand ich es einen soliden Auftritt von 1349. Der Drum-Sound war mir etwas zu sehr im Vordergrund, aber sonst konnten 1349 eine dicke Portion Schwärze und Kälte über Entenfang heranziehen lassen und ihr Set komplett in blaues Licht gehüllt ordentlich runter rotzen. Ich verbleibe einfach mit den Worten: Musik ist und bleibt subjektiv und so empfand wohl jeder den Auftritt von 1349 etwas anders.

Dank der Verschiebung der einzelnen Bands musste man sich zwischen WANDAR und 1349 entscheiden. Eine sehr undankbare Aufgabe für jeden Black Metal Fan. Gerade wo WANDAR mit ihrer aktuellen Veröffentlichung "Zyklus" so weite Kreise und hochgelobte Kritiken einfahren. Geboten wurde atmosphärischer Black Metal mit deutschen Texten. Sängerin Mara von GATEWAY TO SELFDESTRUCTION hatte dazu noch einen Gastauftritt. Das Zelt war gut gefüllt und die Dunkelheit hatte bereits Einzug über den Acker erhalten. Eine rundum gelungene Geschichte und bestimmt nicht das letzte Mal, dass WANDAR auf dem In Flammen spielen. [tom]
Ganz zum Abschluss nach diesem düsteren Feuerwerk spielten noch HAMFERD auf und ich muss mich mal wieder als Ewiggestriger Banause outen. Wenn da Leute mit kurzen Haaren, Schlips und Anzug auf der Bühne stehen, kann ich das nicht als Metal akzeptieren. Das finde ich sogar bei Chris Holmes total daneben. Die Färöer spielen im weitesten Sinne Death Doom Metal, schön anzuhören, aber man kann halt nicht hinschauen, ohne die Krise zu bekommen. [jezebel]

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