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GENGIS KHAN – Possessed By The Moon (2022)

(7.791) Maik (7,0/10) Heavy Metal


Label: Stormspell Records
VÖ: 27.05.2022

Stil: Heavy Metal

 

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Wenn der alte Mongolenkriegerhäuptling geahnt hätte, dass sein Name nach so langer Zeit immer noch herhalten muss, wäre er sicher begeistert. Es wirft allerdings auch ein merkwürdiges Licht auf die Menschheit, wenn man eben dadurch in Erinnerung bleibt, wenn man Tod und Vernichtung verbreitet. Ich befürchte, dass sich in achthundert Jahren die ersten Bands nach Hitler oder Putin benennen. Hoffen wir das Gegenteil.

Tja, passend zum Namen haben sich die fünf Italiener, die sich unter dem Monicker GENGIS KHAN schon seit zehn Jahren im Musikgeschäft tummeln, auch schön kostümiert und sehen aus wie von der Resterampe eines LARP- Treffens gefallen. Auch das Plattencover versprüht den Blut-und-Hoden-Odem gewisser Testosteron- Metalplatten um mächtige Krieger, strahlende Ritter und diese Typen mit den stachligen Metallmützen, auch Könige genannt.

Was die Knaben musikalisch zu bieten haben, ist recht traditioneller Heavy Metal, der einerseits schön altmodisch einherkommt, anderereits aber auch ordentlich in der Klischeekiste kramt. Bei dieser Leichenfledderei sind 9 recht unterschiedliche Songs entstanden. Unterschiedlich nicht nur von der Stilrichtung, sondern auch von der Qualität her.

Der Opener von „Possessed By The Moon“ nennt sich „Possessed by The Wolf“ und soll wohl auch vom Titel her etwas an POWERWOLF erinnern. Ziemlich eingängiger Singsang- Metal mit Keyboards und einem Sänger, der nicht so glattpoliert klingt wie die Vokalisten ähnlich getakteter Bands. Der Song hat definitiv seine Qualitäten, wirkt insgesamt aber eher etwas zerfahren, was auch an den etwas schräg inszenierten Gesangslinien liegt. Aber schön treibender Rhythmus und ein cooles Gitarrensolo.

Dann wird die heroische Schiene ausgeklappt, denn mit „In The Name Of Glory“ kommen endlich die schwertschwingenden Helden zu ihrem Recht. Viel Keyboards, Hohoho-Chöre, gediegene Melodien und Pathos ohne Ende. Insgesamt etwas einfallslos.

Dafür zerren GENGIS KHAN mit „Extreme Power“ etwas heftiger an den Zügeln und galoppieren recht speedig durch die Steppe. Mittlerweile fällt zwar auf, dass der Sänger gern mal den einen oder anderen Ton nicht richtig trifft, aber im vollen Galopp kann man das durchaus mal verzeihen. Okay, wir haben hier ein auf old school gebügeltes Metal- Album, deshalb muss (?) unbedingt eine Ballade her. Nunja, es gibt Bands, die können das, und manche wollen es eben nur. GENGIS KHAN liegen so ein wenig dazwischen. Zum einen erinnert „Eternal Flame“ ein wenig an gleichartige MANOWAR- Stücke oder Powerballaden von GRAVE DIGGER, andererseits hat Frank Leone nicht wirklich die Stimme dafür.

Nun folgt der Titelsong, welcher sich im Midtempo durch die Gehörgänge walzt, und teilweise eine leicht progressive Note mit hymnischen Gesängen vereint. Auch hier quetscht sich Franks Voice etwas schräg und quer in den Lauschtrichter, was den Hörer immer wieder aus der Bahn wirft, denn im Hintergrund säbelt eine Gitarre teilweise recht fiese Gräben ins Gelände. Das Gitarrensolo ist aber sehr cool.

Dann ist es Zeit für’s Sandmännchen. Nein, jetzt wird nicht gepennt! „Sandman“ heisst der nächste Song, und der gibt wieder etwas Gas, und zieht gewaltige Schneisen. Doch mittlerweile geht mir der Gesang wirklich etwas auf die Nüsse. Nicht die Stimme an sich, aber die etwas schrägen Gesangslinien, die sich teilweise gegen den Rest der Mucke stemmen. Da hilft auch nicht das ab und an an IRON MAIDEN erinnernde Gitarrenspiel.

„The Wall Of Death“ kommt wieder etwas epischer daher, mit Keyboardklängen und Ahhahhahhh-Gesängen, und erinnert ein wenig an Bands wie ETERNAL CHAMPION oder SOLITARY SABRED, wenngleich die in diesen Bands agierenden Sänger mehrere Klassen über Frank spielen.

„Long Live The Rebels“ fällt wieder durch merkwürdige Gesangslinien in der Strophe auf, im Refrain entwickelt der Song aber recht schnell erstaunliche Mitsingqualitäten, wenn man sich nicht an der etwas akzentuierten Aussprache stösst. Auch hier wieder ein fettes Solo.

Zum Abschluss, oder besser als Bonus gibt es noch den Demo-Song „Gengis Khan“, der etwas rauher und druckvoller produziert ist, dadurch etwas heftiger auf die Mütze kloppt, insgesamt aber auch das Manko der etwas zerfahrenen Gesangslinien zeigt.

Tja, und am Ende bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck. Die Schwäche von GENGIS KHAN liegt eindeutig beim Gesang. Frank sollte sich auf Stimmlagen und Gesangslinien festlegen, in denen er sicher ist. Wenn man mal daneben liegt, ist das nicht weiter schlimm, aber wenn die Vocallines von Haus aus schon vertrackt konzipiert sind, ist das nicht wirklich zielführend, wenn man sich das Genre ‚eingängiger Heavy Metal‘ auf die Fahne geschrieben hat.

Musikalisch bedienen sich die Italiener aus dem reichhaltigen Fundus metallischer Darbietungen. Ein wenig POWERWOLF, ein wenig LORDI, ein wenig BARON ROJO, ein wenig DEMON, vielleicht auch ein bisschen TANK. Allerdings weit abgeschlagen hinter diesen Gruppen herwankend. Ein recht durchschnittliches, wenngleich auch unterhaltsames Metal Album mit ausgezeichneter Gitarrenarbeit, ohne grossartige Höhepunkte, welches seine Momente hat, allerdings auch noch etliche Schwachstellen aufweist.

Anspieltipp: „Extreme Power“ und „Sandman“


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


Tracklist:
01. Possessed By The Wolf
02. In The Name Of Glory
03. Extreme Power
04. Eternal Flame
05. Possessed By The Moon
06. Sandman
07. The Wall Of Death
08. Long Live The Rebels
09. Gengis Khan (Demo, Bonus)



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