19.04.2022 - Berlin @ Lido


Endlich wieder Livekonzerte, endlich wieder Lido. Ich müsste lügen, aber ungefähr 2,5 Jahre musste mein Ticket in dem prall gefüllten Umschlag mit anderen Konzertkarten verharren, bevor ich meine Karte für die „Heathen Crusade III“ Tour einlösen konnte. Leider hat sich kurz vor Beginn der Tour das Billing geändert, NAGLFAR aus Schweden mussten aus persönlichen Gründen absagen. Der Slot wurde allerdings kurzfristig von den finnischen Death-Doomern SWALLOW THE SUN besetzt. Ein würdiger Ersatz, wie ich finde.

Bereits auf dem Weg in die Cuvrystr. 9 begegnete ich bekannten Gesichtern - das Wegbier in der Hand. Ich will nicht sagen, alles wie früher, aber dennoch wunderbar vertraut und allein das stimmte mich schon glücklich, dass das alles wieder möglich ist. Das Lido ist für mich persönlich gesehen eine der besten Konzertvenues in Berlin, ich mag die Location optisch und vor allem wurde ich dort Soundtechnisch noch nie enttäuscht.

Pünktlich gegen 19:30 Uhr leitete die erste von drei Bands den Abend ein. ROME aus Luxemburg ließen den stimmengtränkten Saal verstummen und entführten uns in ihre akustische Welt. Es ist gar nicht so einfach ROME in ein bestimmtes Genre zu kategorisieren. Die Mischung aus Folk Noir, Post Industrial und französischem Chanson sind vielfältig und ich könnte noch ein paar andere dazuzählen.

Die Band selbst bezeichnet ihren Stil mittlerweile als „Chanson Noir“. Die Charismatische Stimme von Sänger Jèrome Reuter schmiegt sich sanft im ersten Track „Neue Erinnerung“ in die Gehörgänge. Ich muss zugeben, dass ich mich vorher noch nicht viel mit ROME befasst hatte, aber einige Songs waren mir bekannt.

Einer davon, den ich auch unbedingt hören wollte, war „Celine in Jerusalem“, der zu meiner Freude bereits der zweite Track auf der Setlist war. Wahnsinn, welche Stimmung ROME zu zweit(!) erzeugen. Jeder gespielte Song ist voll von Melancholie und Gefühl. Beim vorletzten Track „Ächtung, Baby“ betrat dann der Sänger von PRIMORDIALALAN AVERILL das erste Mal die Bühne und performte diesen Song gemeinsam mit ROME. Eine richtig fette Kombi, die auf der Scheibe schon geil klingt aber Live noch geiler rübergebracht wurde.

Blase entleeren, neues Bier besorgen, zwei Zigaretten in der Raucherarea vernichten und erneut ein neues Bier holen – kurz gesagt, Umbauphase, und die Finnen von SWALLOW THE SUN übernehmen die Bretter über unseren Köpfen. Mit „Enemy“ wurde ein würdiger Opener gewählt, der sowohl melodische Passagen als auch kraftvolle Growls innehat. Die ersten Matten wurden zu Recht geschwungen. Wenn man bedenkt, dass das Konzert an einem Dienstag stattgefunden hat ist das Lido dennoch gut gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft. „Rooms and Shadows“ stellt die Nacken auf die Probe bevor das Quintett dann mit „Falling World“ und „Dont Fall Asleep“ ruhigere Gefilde ansteuert.  Letzterer ist auch einer meiner Lieblingssongs der Schweden.

Besonders die Choreographie der Band ist gut in Szene gesetzt. Es macht Spaß den Jungs zuzugucken, wie sie in Reih‘ und Glied die Haare und Instrumente sprechen lassen. Dies können sie in „This House has no Name“ umsetzen, die wechselnden Parts zwischen Black/Death Geschrammel und einfühlenden Melodic Parts ist eine der kraftvollsten Darbietungen von SWALLOW THE SUN. Genauso kraftvoll wird das Konzert mit dem heftigen Doomtrack „Swallow“ beendet. Einer der Gassenhauer der Finnen, der mittlerweile auch schon 14 Jahre auf den Rillen hat und mir zeigt, dass auch ich ordentlich gealtert bin. Denn ich verspüre schon jetzt - vor dem Hauptact - einen leichten Muskelkater im Nacken.

Umbauphase. Ihr wisst was das für mich bedeutet. Doch diesmal gehe ich etwas früher zur Bühne um etwas weiter vorne zu stehen, denn die Iren von PRIMORDIAL sind für mich eine der besten Livebands die ich gesehen hab. Und PRIMORDIAL habe ich oft gesehen, sehr oft. Meinen Haargummi fliegt bereits beim ersten Song aus der Matte, macht jetzt auch keinen Sinn mehr mir einen Zopf zu binden. „Where Greater Men Have Fallen“ heizt uns ein und man sieht, wie sehr die Jungs das vermisst haben. Erst recht dem Fronter ALAN AVERILL war das anzusehen, der in meinen Augen für die Bühne geboren ist. Er kommt wie eigentlich immer völlig aus sich heraus und interagiert mit all seinen Körperteilen, der Musik und dem Publikum.

Ich bin mal wieder der Band verfallen und lasse mich tiefer und tiefer in ihren Bann ziehen. Beim dritten Track „Nail Their Tongues“ gibt es kleinere Soundprobleme die die Band aber gekonnt meistert und den Song sauber durch zockt. Die langsamen Songs haben sie auch noch drauf. „The Mouth of Judas“ sorgt an so vielen Passagen für Gänsehaut. Besonders freute ich mich über „Gods to the Godless“. Mit zarten 17 Jahren hörte ich zum ersten Mal diesen Song und überhaupt PRIMORDIAL. Leider ging dieser Song auch wieder mit technischen Problemen einher, die PRIMORDIAL in eine Zwangspause manövrierte.

Diese Pause nutzte Alan Averill und bat den Drummer Simon O’Laoghaire nach vorne ans Mikrofon. Alter Falter, der Mann hat ein ordentliches Organ. Er gab ein irisches Volkslied zum Besten und ich finde, dass man ihn beim nächsten Album  vielleicht auch den einen oder anderen Gesangspart überlassen sollte. Das wäre sicher ein ganz netter Kontrast. Leider dauerten die Probleme an, was Alan verständlicherweise gehörig auf den Sack ging. Zumal sich der Saal schon vorzeitig etwas leerte aufgrund der fortgeschrittenen Zeit.

Dann ging es endlich weiter, „Wield Lightning to Split the Sun“, ein Kracher der die Masse normalerweise immer ordentlich einheizt, doch die Stimmung war aufgrund der Pause und der sinkenden Publikumszahl etwas gebrochen. Die verbliebenden Zuschauer aber machten das Beste draus und nutzten den gewonnenen Platz zum ausgiebigen Tanzen und abgehen, gerade beim letzten Track und Dauerbrenner „Empire Falls“ wurde von Band und Publikum nochmal alles gegeben.

Alles in allem war es ein großartiger Konzertabend mit drei fantastischen Bands, die alle auf ihre Art begeistert und überzeugt hatten. Ebenfalls vermittelte jedes einzelne Mitglied der Bands den Eindruck, dass sie froh sind wieder die Bühnen der Welt zu betreten und alles zu geben. Ein großes Lob geht auch an die Lichttechniker, die einen großartigen Job machten, jeder Song hatte ein eigenes Lichtspiel, das passender nicht hätte sein können. Chapeau!



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