SPACEFEST III

SPACE CHASER | STALLION | INSANITY ALERT | FABULOUS DESASTER | STREET HAWK

21.10.2017 - Berlin @ BiNuu

Alter, war das ein geiler Abend! Das Space Fest fand nun schon dritten Mal in Berlin statt und ist somit auf dem besten Wege, zur festen Tradition zu werden. Kein „Pay to Play“ Scheiß, sondern ein Festival, veranstaltet von einer Band für befreundete Bands. Quasi ein „Play for Play“. Nun könnte man die Meinung vertreten, dass bei solchen Freundschaftsdiensten die Qualität auf der Strecke bleibt. Das dem nicht so ist, werde ich im Folgenden beschreiben.

Space Chaser machen Thrash Metal in Reinkultur und hatten bei den vorhergehenden Festivals, neben 1-2 bekannteren Namen, auch heiße Newcomer zu präsentieren. Alle sind handverlesene Bands mit Kontakten zu Space Chaser, die auf die Eine oder andere Art dem Thrash Metal nahestehen. In diesem Jahr hatten man sich die Energiebündel von Insanity Alert und die Oldschool Teutonen Metaller von Stallion gezogen. Als Newcomer konnte man die Thrasher von Fabulous Desaster gewinnen, sowie eine No-name Band namens Street Hawk. Street Hawk? Beim Checken der Band musste ich doch mit großem Erstaunen feststellen, dass wir es hier mit einer waschechten Poserband zu tun haben. Was, ihr kennt den Begriff Poser nicht?

Es gab mal eine Zeit Ende der 80er, da war es förmlich ein No-go Thrash Metal Bands mit Poser Bands an einem Abend zusammen auf die Bühne zu lassen. Nicht nur, dass sich die Thrasher mit den Poser regelmäßig prügelten, auch unter den Bands herrschte eine gegenseitige Verunglimpfung. Die einen waren die lärmenden Assis, die keinen Sinn für Melodie hatten. Die anderen, die Dauer Föhngewellten und geschminkten Ladyboys, die nicht richtig spielen könnten und daher nur Posen würden. 30 Jahre später sieht das freilich anders aus. Heutzutage geben sich die nihilistische Black Metal Band, die Progessive Metal Band oder die puristische Heavy Metal Band buchstäblich die Klinke in die Hand und das nicht nur auf Festivals und das ist auch gut so!
Schon damals war es für mich kein Problem neben SepulturasBeneath the remains“ gleich die „Look what the cat dragged in“ von Poison aufzulegen. So freute es mich auch außerordentlich an einen vermeintlichen Thrash Metal Abend eine waschechte Poser Band als Opener zu haben. Street Hawk sind Newcomer und Homies, da sie aus Berlin kommen. Sie spielen aktuell in der Besetzung Tim Manz (Bass, Backings), Charlie Young (Guitars, Keys, Backings), Jake Charvette (Guitars, Backings) und Paul Hopp (Drums), sowie mit Aushilfssänger Marshall Michaels. Blöderweise hatte der letzte Sänger Emmo Acar die Band diesen Sommer verlassen. Street Hawk ließen sich jedoch die Chance auf dem Space Fest 3 zu spielen, nicht entgehen und hatten schon angefangen, als ich im Bi Nuu endlich kurz nach halb acht drin war.

Es war auch schon erstaunlich viel los vor der Bühne und die meisten der Anwesenden ließen ordentlich das Haar hin und her wallen oder wippten zumindest mit dem Fuß zur Musik mit. Street Hawk waren sichtlich gut aufgelegt und ließ sich zu der ein oder anderen Pose hinreißen. Mit ihrem einheitlichen Outfit, bestehend aus Borkatmänteln im Renaissance-Look, weißen Rüschhemden, schwarzen stylischen Leder-Spandex-Hosen und weißen Turnschuhen (!) machten sie was her. Einzig Aushilfssänger Marshall Michaels hatte ein schwarzes Shirt an und natürlich konnte Schlagzeuger Paul nicht in voller Bandmontur spielen. Die Haare hatten sie aber alle schön! Das soll nicht über ihr durchaus ansprechendes Songmaterial hinwegtäuschen. Street Hawk spielen melodischen Heavy Rock (früher Poserrock), der noch nicht die Hitqualitäten der alten Szenengrößen erreicht. Ein Song wie „Poison Heart“ wurde jedoch vom Publikum schon frenetisch mitgefeiert und macht auf jeden Fall Bock auf mehr. Bleibt der Band nur noch zu wünschen, dass sie schnell einen neuen und passenden Sänger findet, damit Street Hawk weiter an ihrer Karriere arbeiten können. Daumen hoch!
Als nächste waren Fabulous Desaster aus Bonn dran. Die vier Jungs, um Leadsänger und Gitarrist Jan, haben mit ihrem Debütalbum „Hang ´em high“ schon für Beachtung gesorgt. Nun war ich gespannt ob die Jungs auch Live überzeugen konnten. Zuerst fiel mir auf, dass Sänger Jan Live nicht so sehr nach Zetro von Exodus klingt. Das war auch überhaupt nicht schlimm, denn so konnte man sich mehr auf die Gesamtheit der Band konzentrieren und das machte durchaus Spaß. Vor allem Backing Shouter und Basser Andi machte mit seinen Shouts einen guten Job. Leider war der Sound bei Fabulous Desaster nicht der differenzierteste und auch das Licht, wie schon bei Street Hawk, war in der Front sehr dunkel gehalten, so dass man meistens nur dunkle Gesichter sah. Das war den anwesenden Thrashern jedoch herzlich egal und es wurde zu jedem Song mitgebangt. In den knapp 35 Minuten wurde ein buntes Thrash Potpourri von ihrem Debüt gespielt, wovon „Faster than light“ am lautesten Mitgegrölt wurde. Guter Anheizer!
Stallion sind schon lange keine unbekannten mehr und brachten just diesen Sommer mit „From the dead“ eine neue Scheibe auf den Markt. Ihr old-school mäßiger Teutonen Metal wusste auf Anhieb zu überzeugen. Songs wie „Rise and Ride“ oder „Stigmatized“ wurden gleich lauthals mitgesungen. Apropos Singen, Sänger Pauly war mit seiner rotweißen Spandexhose im Nippon-Style, seinen Nietenarmbändern und seinem Tom Selleck Gedächtnis Schnauzer, wieder eine Augenweide und ein Entertainer vor dem Herrn. Der Rest der Band stand ihm in Nichts nach. Durch die gute Mischung an Songs von ihren drei Scheiben und der Abwechslung von schnellen und Mid-tempo Stücken hatten Stallion die Metalheads voll im Griff und selbst die vier Songs von der neuen Platte wurden schon frenetisch mitgefeiert. Definitiv deutscher Stahl der sehr guten Sorte! Erstaunlich fand ich ihr Longboard Angebot im feschen Stallion Style am Merchandise-Stand. Das ist doch mehr Hardcore-Thrasher Bedarf, denn Teutonen Metal Kram, oder habe ich da was verpasst?
Dann kamen endlich meine Faves, die vier Racken von Insanity Altert, welche die Ehre hatten, direkt vor Space Chaser zu spielen. Ob das mal nicht ein Eigentor für den Headliner wird? Man kennt doch die High Energy Qualitäten von Insanity Alert, samt Show Einlagen, die es jeder Nachfolgeband schwermachen würde, das noch zu übertrumpfen. Aber warten wir erst mal ab und genießen die vier Wahl-Tiroler. Es dauerte keine zwei Songs und Heavy Kevy, heute mal mit Mönchskutte und Sturmkappe, hatte die Meute im Griff.
Spätestens bei „Disco Demolition“ ging auch der Pogo ab und die ersten Stage Diver versuchten ihr Glück. Als wäre ihr Set nicht zu toppen, zocken sie doch tatsächlich S.O.D.´s „Kill yourself“. Das passte wie die Faust auf´s Auge und ließ die Meute völlig steil gehen. Oh, was ich solchen Hardcore-Punk-Thrash Sound liebe! Als könnte die Band meine Gedanken lesen, zockten Insanity Alert schon „Metal Punx never die!“. Wie um Gottes Willen, sollte ich diese Nacht überstehen?! Natürlich gab es die bekannten Gimmicks während der Show und passend zu den jeweiligen Songs. Neu war eine Merkel-Matroschka Styropor Scheibe an einer Angel, die dankend von Publikum verhauen wurde. Den Abschluss der Show bildete in gewohnter Weise „Run to the pit“ mit „Mosh for your life“ Rufen. Ich war eigentlich schon windelweich gebügelt. Hammer!
Wer hätte aber gedacht, dass Space Chaser noch einen draufsetzen würden? Ich zunächst nicht! Nach einer abermals kurzweiligen Umbaupause, legten die Hausherren und Headliner mit „Thrashold“ los. Was für ein geiler Sound und was für ein geiles Licht. Hatten da die jeweiligen Mischer zuvor eine Auflage? Egal, jetzt stimmte einfach alles und Space Chaser klangen scheiße tight. Diese Killer Riffs von Leo und Martin, der Bassteppich von Sebastian, dieses endgeile Drumming von Schlagzeuger Matthias und Sänger Siggi im originalen Jeans-Look mit seinem Hammer-Organ, da passte einfach alles. Auch Space Chaser spielten „nur“ knapp eine Stunde und zockten zum Ende ihres Sets ihre Thrash Hymne „Skate Metal Punks“. Danach war Schluss, nur um schnurstracks zu zwei weiteren Zugaben, bestehend aus „Watch the skies“ und „Xenomorph“, wieder auf die Bühne geholt zu werden. Ein weiteres Highlight des heutigen Tages war noch die extra für das Space Fest 3 gepresste „7-inch“, mit dem unveröffentlichten Song „Flight of the atlas“ von Space Chaser, die es nur in der Auflage von 150 Stück gibt und auch nicht nach gepresst werden soll.
Der Zeitplan wurde eingehalten und knapp nach 0 Uhr war Schicht im Schacht. Die 4 ½ Stunden hatten es auch dermaßen in sich, dass reichte dann auch. Auf dem anschließenden Weg zu Schrod´s 50er Feier, ließ ich vor lauter Entzückung den Abend nochmal Revue passieren und noch beim Tippen dieses Berichts überfällt mich wieder die Gänsehaut, wenn ich an diesen geilen Abend zurückdenke. Space Chaser, samt Veranstalter und auch die anderen vier Bands haben alles richtiggemacht. Wenngleich der Sound nicht bei allen Bands so gut war wie bei Space Chaser und der Lichtmann nochmal zur Nachschulung muss, zwecks Gesichtsbeleuchtung, bin ich doch hochzufrieden und kann nur jedem Thrasher von nah und fern ans Herz legen, das nächste Space Fest zu besuchen, bzw. die Bands auch so mal unter dem Jahr an zu checken. Der Untergrund lebt und klopf bei den etablierten Bands schon lautstark an. Lange dürfte deren Türen nicht mehr standhalten. Chapeau, ein Highlight in 2017!

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