ACID WITCH | BONEHUNTER

29.04.2015 - Berlin @ Urban Spree

Acid Witch! What The Hell! Die Jungs aus Detroit sind auf ausgiebiger Europa-Tour! Also auf ins Urban Spree und dem superben Death Doom einen Besuch abstatten! Slasher Dave und seine Mannen sollten somit mal zeigen ob sie ihren eigensinnigen Horror-Death Doom mit dem charmanten Orgelklang in Berlins Grüfte dröhnen lassen können.

Den Klub Urban Spree hat man sonst nicht so häufig auf dem Menüplan wenn es in der Hauptstadt um hartgesottene Klänge geht. Urban Spree wo ist das denn Bitte? Also erstmal den etwas angestaubten Stadtplan aus den Archiven gekramt. Einmal prächtigen Grabgestank ausgestoßen und den Blickkanal freigelegt. Nun dämmerte es mir auch so langsam warum auf meinen Weg zum Frühdienst ständig diese zugedröhnten Freaks ständig auf die Füße kotzten und mir lallend undefinierbares in die Lauschmuschel beförderten. Der Klub liegt etwas unterhalb der Warschauer Straße und ist in den letzten Jahren immer wieder durch diverse Galerien für das Kunstvolk, elektronischer Salatkost und Bankdrücken in Erscheinung getreten. Die Adresse Revaler Str.99, im Berliner Hippsterkiez Friedrichshain, war mir allerdings weitaus geläufiger da schon immens viele Jahre Konzerte im Cassiopeia und Astra zum gewohnten Hartwurstprogramm gehören.

Hatte man sich erstmal aus dem nach Menschenfleisch gierenden Touristenschwarm heraus gekämpft war der Weg frei die Fühler Richtung Urban Spree und dem rituellen Spätkaufbier zu lenken. Die ersten Verdächtigen hatte man demnach somit auch recht schnell anvisiert und der Abend wurde mit den üblichen Scherzen, Erwartungen und Zukunftsvisionen in die gewünschten Bahnen gelenkt.

Der Außenbereich des Urban Spree ist als ein doch recht beschaulicher, teilweise begrünter Biergarten angelegt mit diversen Bierbänken wo man in gemütlicher Trunkenheit dem anspruchsvollen Hangover entgegenarbeiten kann. Auch wenn man hier für das Sturzbier keinen Sturzbierpreis erwarten sollte und die üblichen 0,33 kleinen Bierpullen in die viel zu großen Pranken reflexartig geschoben werden. Aber da der Weg zum Späti auch mit keinerlei Barrikaden oder schmierigen Türstehern versperrt ist mimt man doch gern den kleinen Muck.

Da der Eingang für das abendliche Kulturprogramm mit dem Wegweiser „WC“ ausgeschildert war betrat ich doch erstmal vorsichtig die gebotenen Räumlichkeiten, der Fall in ein Urinal hätte mir durchaus eine Falle stellen können. Aber einen gemeinen Metalpöpel hält ja sowas von Garnichts auf um zu seinem dröhnenden, musikalischen Rausch zu gelangen. Als man gegen 21:15 die Häuslichkeiten betrat erspähte man einen, schlauchartigen, aber doch charmanten kleinen Raum, der für diese Art von Bands sicher nicht unpassend war. Denn auch wenn Acid Witch einen gewissen Status besitzen ist dieser Halloween-Metal eher etwas für vermuffte und verklebte Kellerklubs. Ihre eigensinnige Form und Interpretation von Horrorfilmen und derben Metalklang ist besonders und lässt den Metalmaniac seine schmackhafte und heimische Blutwurstproduktion exzellent über den Gaumen laufen.

Die paar Anwesenden summierten sich doch relativ schnell, als der finnische Opener Bonehunter gegen 21:45 seinen rasseligen und dreckigen Metalpunk in die Dunkelheit drosch. Der dem frühen Werken von Venom, Bathory bis Sodom nicht unähnliche BlackThrashpunk sorgte für eine lautstarke Einstimmung. Das dynamische Trio lies es mächtig scheppern und in den ersten Reihen vor der Bühne gab es Polkatanz ohne Firlefanz, körperbetont und ausgiebig wurde ein Mosh auf Parkett abgeliefert, der sogar ne Abdeckung von der Wand blies und nur knapp die ehrwürdigen Kadaver verfehlte. Puhhh! Die Bühnenpräsenz stimmte und die Jungs aus Oulu legten sich schon ordentlich ins Zeug, kann man nicht meckern, auch wenn der Sound recht noisy aus den Boxen schoss. Aber wer dann zum Abschluss noch die japanischen Sabbat huldigt, sollte auf dem Heimweg zumindest nicht als Sushi in der Frischhaltefolie enden und hat in Berlin einen soliden Einstand auf die Bretter gebracht.

Die Umbaupause betrug maximal gigantische 15 Minuten und Acid Witch aus Detroit begaben sich heraus aus der Startposition. Das ist schon eine illustre Truppe, die vier Maniacs aus den Staaten. Wie sie ihren superben Death Doom mit dichter Horrorfilmatmosphäre unterfüttern lässt einem mindestens ein zufriedenes grinsen abverlangen.

Wie Slasher Dave an seiner Orgel mitsamt seines tiefen, kehligen und röhrenden Gesanges die Songs von Acid Witch in Szene setzte, dabei schizophren und irrsinnig in die Massen starrte, war geradezu ein exzellentes Entertainment. Er verlieh dem Songmaterial überzeugend eine bildhafte Form und den teilweise amüsanten aber zweifelsohne kultigen Horrorstreifen ein würdiges Bild. Im Übrigen, wer sich in der Splatter und Gore Filmszene ein wenig auskennt weiss genau dass diese alten Werke keineswegs immer bierernst gemeint waren und im Gegensatz zu heutigen Horrorstreifen immer einen gewissen Humor innehatten, wenn auch tiefschwarz. Die zusätzlichen Ansagen des Bassisten Shagrat gipfelten zudem quasi in einer Art imposanten Rede, also Pastor Schwelgenhubert hätte dies von seiner Kanzel nicht besser tönen können. Zweifelsohne wirkte das hier so wie zum Sonntagsgottesdienst um Mitternacht, herrlich. Das gipfelte am Ende sogar in einem Hohelied auf die deutsche Splatterfilmszene, allen voran Jörg Buttgereit, haha und Nunslaughter wurden natürlich auch gehuldigt. Und nicht zu vergessen…deutsches Bier und all die geilen, gierigen Mädels.

Den fettesten Sound erwischte man allerdings wenn man sich etwas weiter hinten positionierte, man das war eine Riffwand und grub sich wortwörtlich von der Kellerluke bis zum Anus hinaus. Songs wie „Black Witch“, „Evil“ oder „Midnight Mass“ vollzogen Death Doom mit abgrundtiefer Schwere und einem mächtigen Groove. Heavy as fukk! Dave schaffte exzellent eine unaufgeregte Mischung aus Stageacting und Orgelpredigt!

Wie sich der Laden im Laufe des Abends doch mächtig füllte, ja das hätte ich zu Beginn nicht erwartet. Keineswegs, aber an die 150 Besucher ehrten dann doch den Abend und sorgten für eine ausgelassene Stimmung! Der Besuch hat sich unbedingt gelohnt, allein wegen dieser zweifelsohne kultigen Truppe, die faszinierend und nebenbei auch amüsierend ist. Doom your Life!

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