SATYRICON | OSLO FAENSKAP | VREDEHAMMER

22.04.2015 - Berlin @ SO36

Black Metal im Frühling. Kaum ist es mal ein klein bisschen wärmer im windigen Berlin, kündigte sich für einen lauschigen Aprilabend in Kreuzberg ein Dreiergespann bestehend aus Satyricon als Headliner mit Vredehammer und Oslo Faenskap als Vorbands an. Satyr und Frost sind ja das Traumduo des Black Metals schlechthin. Nie ne musikalische Durststrecke, nie kreativer Stillstand, nie ne Schlappe hingelegt. Und das seit 1991. Dazu freute ich mich noch sehr auf Satyrs unnachahmliche Art des Stageactings, denn der Mann ist ein Garant für selbstbewusste Posen und sicheres Auftreten. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Zuerst jedoch standen für genau 30 Minuten ab 19.45 Uhr die guten Vredehammer auf der engen Bühne. Im Hintergrund trohnte nämlich mondän verhüllt Frosts Schlagzeugburg, sodass sich die Vorbands samt Equipment mit sehr wenig Platz begnügen mussten. Aber so ist das nun mal. Die Norweger überzeugten von Anfang an, waren bestens eingespielt und agierten mit Spielfreude und Hingabe, was es mir leicht machte, die ebenfalls bei Indie Recordings beheimateten Black Metal Maniacs nicht nur auf Konsereve, sondern auch live mehr als gut zu finden. Dieser Supportslot machte mehr als Sinn und stieß auch auf reges Interesse bei dem sich füllenden Saal.

Was jedoch Oslo Faenskap dort als Vorband zu suchen hatten, war mir völlig unklar. Die wippenden Undercuts der Saitenfraktion ließen auf nix Gutes hoffen. Und als der Sänger dann ins Mikro keifte, wurde mir klar, dass die nächste halbe Stunde nicht einfach zu ertragen sein würde. Versteht mich gerne falsch, denn die Sache ist die: die Band war okay, agierte professionell, war motiviert, sehr agil (der Sänger ein bisschen zu sehr), lieferte einen geilen Sound…und hatte nicht einen Song, der überzeugte. Ein Mischmasch aus Ideen, die meist immer dutzendfach in einen Song gepresst wurden: sucht es euch aus: was der harte Metal so zu bieten hat, wurde kreativ verbraten ohne auch nur ansatzweise authentisch, überzeugend oder für mich auch nur unterhaltsam zu sein. Das ging einigen so, denn die Band erntete zwar höflichen Applaus, aber mehr auch nicht. Ging echt nicht anders. Dieser harte Nu Metal meets Metalcore meets Hardcore meets Death Metal meets Iron Maiden Leads- Eintopf war zwar sehr sportlich dargeboten, aber gehaltvoll war da nur die Lautstärke und das musikalische Können der Musiker. Die Songs eher nicht.

In der Umbaupause stieg die Spannung. Zwar hatte ich Satyricon natürlich diverse Male erlebt, aber da sie so stilprägend und einfach legendär sind, ist die Erwartungshaltung natürlich hoch. Und man will ja die eigenen Helden feiern und siegen sehen, anstatt dass sie kläglich scheitern an der eigenen Maßgabe. Ich sag es einfach direkt: Satyricon boten im Folgenden 2 Stunden die komplette Vollbedienung in Sachen Black `n‘ Roll, abgründigem Depressive Metal, stellten die Arrangements der Live DVD vor, coverten den Dead Kennedys Smasher „Holiday in Cambodia“ und Satyr gab uns die Black Metal Diva par excellence. Auch nach 24 Bandgeschichte von ausgewimpter Routine, Müdigkeit oder belangloserm Einerlei keine Spur. Die Norweger waren und sind relevant, warteten mit bestem Zusammenspiel, nüchternem, energetischem Stageacting und zum Glück einem satten Sound auf. „Now Diabolical“, „Wolfpack“, „Filthgrinder“, natürlich „Mother North“, „Black Crow on a Tombstone“, “Die by my Hand”, K.I.N.G”, “The Pentagram Burns”, “Our World It Rumbles Tonight” waren nur einige der Highlights einer Setlist, die den stolzen Eintrittspreis mehr als rechtfertigte.

Nicht nur über den Eintrittspreis wurde gejammert, sondern natürlcih wie immer auch darüber, dass die Band den Black Metal verraten hat, die früher sowieso besser und truer waren und überhaupt sich jetzt total ausverkaufen. So tönte es am Pissoir, so zogen manche hinter mir eine Fresse, blieben aber hartnäckig 2 Stunden stehen, um sich aufzuregen. Ja, so sind die Berliner. Es dauerte auch einige Zeit bis die verpennten Hauptstädter endlich aufwachten von einigen Die Hard Fans natürlich abgesehen, die von Anfang an Stimmung machten, als gebe es kein Morgen.

Also ich bin ja für gute Unterhaltung und weiß es zu schätzen, dass die Band eingängige Granaten aufm Brett hat. Die Meckerfritzen sollen doch einfach weg bleiben, oder sich einfach doch eine Newcomerband suchen, die sie erst geil finden, um dann in ein paar Jahren zu jammern, dass die ja am Anfang besser waren etc pp. Aber geil war es schon, so manchen verbitterten Musiker neidisch gen Bühne blicken zu sehen, wie die Band mit einfachen und genialen Songs das gut gefüllte SO36 in den Bann zog, um dann die Keule zu schwingen. Ja, einfach geil. Und natürlich die Metaller, die permanent ihre besoffenen, kleinen Freundinnen zum Kotzen nach draußen begleiteten („Halt meine Haare, Schatz!“). Oder die Mett(al)-Prinzessinnen, die sich wogend durch die Menge rollten. So viel ungewollten Körperkontakt hatte nur Naddel in ihrer Ehe mit Bohlen.

Satyr gab den Goths eine Verbalklatsche („I am the ambassor of hating Goth Metal! I hate Gothics!”), teilte gegen Ewiggestrige aus (“You come up on stage. You look like a star.”) und befahl ein James Hetfield Lookalike erfolgreich in den Moshpit. So geht geiles Black Metal Entertainment. Ich will mehr. Und immer wieder. Bin schon jetzt gespannt auf die DVD und Live-Cd, deren Kritik ich demnächst schreibe.

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