EXODUS| ARCANIA

10.06.2015 - Berlin @ BiNuu

Eines der absoluten Thrash-Urgesteine Exodus kehrte durch eine üppig angelegte Tour auch wieder zurück in Berlins stinkende, animalische Metropole. Die letzte Audienz auf dem Thrashfest 2011 mit Mortal Sin, Heathen und Destruction sollte doch, auch wenn nicht zu glauben, zu toppen sein. Zumal zu der Zeit noch Rob Dukes die Klassiker zum Besten gab, an dem sich um das ein oder andere Mal die Geister schieden.

Mit dem neuen Album „Blood in, Blood out“ ist somit Frontröhre Zetro bei den Thrashpionieren zurückgekehrt, man durfte gespannt sein wie Herr Souza seine Rückkehr zelebrieren würde und mit welchem Set sie aufwarten würden. Schließlich ehrte sich das zielführende Debutwerk „Bonded By Blood“ nun zum 30.Jahr!

Nicht wenige hatten bei dem Gedanken eines Konzertes in dieser Größenordnung, wie der Bay Area Veteranen, im doch kleinen Berliner Binuu (ehem. Kato) schon den einer oder anderen Schwall Kaltschweiss vergossen. Aber durch die intravenöse Gerstensaftbetankung wurden auch die minimalsten Zweifel in den Gulli gespült. Schlussendlich war man einfach geil auf Exodus wie Tante Petra auf die Gondelfahrt in Venedig. Mit dem neuen Album „Blood in, Blood out“ hat die Kapelle auch wieder ein paar gelungene Aggressionsschübe nachzuweisen und den richtigen Treibstoff für diese lang angelegte Tour eingelagert. Wo wir grade dabei sind, bei der fetten Palette an Genreklassikern, die jene Kapelle aus der San Francisco Zone über all die Jahrzehnte eingezimmert hat, roch das hier förmlich wieder nach einem höllischen Thrash-Manifest. Und eines kann ich vorweg nehmen: „Exodus is fucking back“, was auch Zetro nicht nur einmal zu betonen wusste.

Ich hatte mal wieder die ganze Woche Frühdienst, aber das sollte mich auch nicht im Geringsten davon abhalten für ein Bergfest unter Druckbetankung zu sorgen. Mein Megakumpel Schorsch bimmelte am Nachmittag durch und lies mich hechelnd, unter Bierdurst, wissen dass wir doch eine lautstarke Zusammenkunft zu absolvieren hätten. Dann gab es sie auch bald: Männerumarmungen und Bierplatzregen im Rachenraum. Wir liefen direkt mit geölter Sohle vom Treptower Park rüber zum U Bahnhof Schlesisches Tor, da vergeht auch kaum eine viertel Stunde und das abendliche Ziel rückte umgehend näher. Die Zusammenrottung vor dem Binuu glich einer Mischung aus einer Ü40 Party und osteuropäischen Flaschensammlern, letztere waren doch bereits glatt mit einem ganzen Palettenwagen vorgefahren um das Pfandgold zur nächsten Sero Annahmestelle zu eskortieren. Also der Dimple Minds Song „Pfandpiraten“ ist heute wahrlich aktueller denn je.

Drinnen versammelte sich schon ein großflächige Menge an Interessierten, die dem Anheizer Arcania aus Frankreich mit ihrem progressiven, teils melodischen Thrashkonstrukt gutgelaunt zustimmten. Leider hatten die in Lille ansässige Truppe mit dem doch ziemlich matschigen Gesamtsound zu kämpfen oder musste sich damit irgendwie arrangieren. Das doch qualitative, präzise und zielgenaue Konstrukt, aus den französischen Thrash-Kanonenrohren, konnte live eben leider nur bedingt seine sicher vorhandene Intensität entfalten, was bei der Breikost, welche hier aus den Boxen schoss, nicht verwunderlich war. Stimmung kam in der guten halben Stunde aber dennoch auf und eine gute Anzahl Maniacs vor der Bühne zollten ihnen durchaus deutlichen und zuweilen lautstarken Respekt. Ansonsten zeigten die seit 1999 aktiven Bengels einen gut bestückten Auftritt, der besonders durch die steilen Grimassen des Tieftöners Guillaume Rossard sich hervortat. Sah ein wenig aus wie bei Arnie in Total Recall, als er sich am Flughafen durch den Sicherheitsbereich schmuggeln wollte. Die musikalische Qualität von Arcania ist unabwendbar und daher möchte ich Euch die Alben der Franzmänner empfehlen, die auf ihren Werken wahrliche Qualität aufbieten. Das aktuelle Album „Dreams Are Dead“ erschien 2014 und sollte mit einer Hörprobe einfach mal angecheckt werden.

Gegen 21:00 schlugen Exodus dann Alarm, ich war gerade dabei mein Leergut in der Annahmestelle gegen ein gepflegt, gekühltes Pils nach dem süffisanten Reinheitsgebot abzuholen, da knallten die alten Rüpel vom Pazifik mit „Black 13“ einen handfesten Opener vom Stapel. Der Adrenalinpegel schoss senkrecht durch die Wolkendecke und das kleine Binuu war bereits zu Beginn wild am Toben. Der Fokus lag zweifelsohne erstmal auf das neue Album, denn mit „Blood on, Blood out“ bliesen Exodus gleich den Titelsong der absoluten Langrille in die wild tobenen Reihen vor der Stage. Der Laden platze förmlich aus den Nähten und war voll wie die Regentonne am Mekong Delta. Es war wahrlich jede kleinste Ecke des Ladens ausgefüllt und die Stimmung glimmte wie der Joint von Jane Fonda. Sogar hinter dem Mischpult reihten sich die Massen und weite Teile des Thrashervolks stimmten laut den Exodus Sprechchören mit ein! Frontsau Zetro, der sich wie ein massiver Titan in Front brachte und brachial mit seiner einmaligen Röhre, den sägenden und wild schreddernden Riffsturm, der Bay Area Veteranen den richtigen Antrieb verpasste. Dass er nach gut 10 Jahren wieder zurückkehrte und weiterhin so ein Brett liefert ist einfach mal endgeil.

Da man mit „Piranha“ nun schon einmal einen Vertreter des Debutalbums bot, wartete sicher noch der ein oder andere Klassiker an dem Abend auf die wild tobende Masse. So schoben Exodus aber erstmal noch etwas Material von dem „The Atrocity Exhibition“ nach, was in u.a „Children Of A Worthless God“ Form annahm, auch wurde weiterhin das aktuelle Werk umfangreich in der Fokus gerückt.

Da ich bereits das 30 jährige Jubiläum zu „Bonded By Blood“ ansprach, durfte natürlich auch eine Widmung zu Paul Baloff nicht fehlen und ein wahrer Klassiker-Reigen lies das komplette Binuu beben. Angefangen mit dem unglaublich mächtigen „Metalcommand“ und den vorangetrieben Choruspart von den Massen. Ich stand ein wenig weiter hinten und selbst dort waren die Maniacs total am ausrasten. Prosteten sich lauststark zu, umarmten sich wie die Abrafaxe nach der Hebung des Schatzes von Don Alfonso, das darauffolgende knacken der Nackenwirbel konnte man bis Posemuckel hören. Exodus hatten diesen Abend eben völlig im Griff, selbst Schlagwerker Tom Hunting drehte komplett am Rad und erhob sich das ein oder andre von seinem Schemmel und streckte wie ein wild angestochener Eber seine Fäuste zum Olymp, gegrunzt hat er aber nicht. Das äusserst fette „Blacklist“ und natürlich „A Lesson In Violence“ sowie „Bonded By Blood“ schlossen vorerst das Infernö mit einem üppigen Streufeuer ab.

Dass nach dem gespielten Set noch längst nicht die letzten Salutschüsse verpulvert wurden konnte ich in meiner Bierpulle deutlich sehen, die Blasen die da hochstiegen nahmen gar üppige Formen an. Etwas Grünes und gemein waberndes nahm Gestalt an. Das so ein fies, ordentlich meterndes Brett wie „War Is My Sheperd“ nicht fehlen darf, damit musste ich rechnen. Exodus hatten einen wahrhaften Plan, diesen Abend zu einem unglaublichen Exodus ansteigen zu lassen. Konnten sie noch einen drauflegen? Sie konnten, ist zwar jetzt schwer vorstellbar, aber wenn eine Band mit „Toxic Waltz“ (inklusive mutierenden Wall Of Death Mosh/Circlepit) und „Strike The Beast“ noch ein paar dreckige Schädelspalter in der Pfanne hat und brachte noch einmal die Mutantenhorden Zähne fletschend zum ausrasten

Exodus haben in Berlin den totalen Abriss initiiert, da wird ein Plattenbau zum Buddelkasten mit Miniaturwerkgerät. Schwerfett. Exodus sind weiterhin die gleiche irrsinnige Thrashbande wie in den wilden 80er Jahren, hier in Berlin sind sie zur absoluten Höchstform aufgelaufen und auch Berlins Thrasher haben das San Francisco gebührend abgefeiert. Wahrlich ein weiteres Highlight in diesem Jahr, neben der Show von Voivod im Cassiopeia, absolut! Thrash or be thrashed!!!

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