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Live on Stage-Report: PROTZEN OPEN AIR 2022

17. – 19.06.2022 @ Protzen (wo auch sonst)



TAG 1 (Freitag) | TAG 2 (Samstag)


3 Jahre Wartezeit, Existenzängste, dazu mit dem Undefeated Fest im letzten Jahr der Versuch, wieder ein wenig Normalität herzustellen und trotz aller in den Weg gestellten Hürden haben es Andrea, Mario und ihre unermüdliche Crew wieder geschafft, den Metal Fans eines ihrer Lieblingsfestivals zurück auf die Weltkarte zu bringen. Und ja, es war fast so wie früher…mit einer großen Änderung.

Die im Vorjahr bei besagten Ersatzfestival erprobte Außenbühne fand heuer ihre erste Verwendung beim Hauptevent und ja, ich bin ein Fan von ihr, da ich früher im Hangar schon die eine oder andere Band aufgrund des enormen Andrangs nicht sehen konnte oder 10 Liter an Körperflüssigkeit verlor. Nunmehr kann man von überall den Bands lauschen, die in diesem Jahr erstmals von Stefan Fauth soundtechnisch hervorragend in Szene gesetzt wurden. Aber wie es so ist, der Eine oder Andere hatte natürlich immer was zu meckern. Das Essensangebot, zu laut (hä?), zu leise (nochmal hä?), warum Band XY hier oder band VZ da, Recht machen kann man es niemand, doch man sollte immer fair bleiben und anerkennen, was die Grimmers nach so vielen Repressalien wieder aus dem Boden gestampft haben. Dafür verdient es einfach Respekt.

Ich persönlich vermisste allerdings ein wenig die musikalische Abwechslung, was die Performances aller Beteiligten natürlich in keinster Weise schmälern soll, denn gefetzt haben alle, manche mehr, manche weniger. Doch dazu kommen wir jetzt.

TAG 1:
Die Temperaturen waren gegen 14 Uhr schon recht weit fortgeschritten und lediglich ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Petrus am Samstag für uns bereithalten sollte. Von daher war der Stoner Death Rock der Nürnberger von Brlabl genau das Richtige, um das Protzener Wochenende einzuläuten.

Neben dem Umstand, dass sich fast alle mit denen ich sprach eine Kopp machten, wie man denn den Bandnamen nun richtig aussprach (Brabbel, Belabbel und ähnliche Wortkreationen) kam das schleppende Gerumpel (nicht despektierlich gemeint) bei der noch überschaubaren Menge vor der Bühne recht gut an und die ersten Biere zeigten ihre Wirkung. Vor allem bei dem Kollegen, der die Texte vermeidlich mitsang, dabei aber nur ziemlich asynchron die Lippen bewegte, was bei einigen Umstehenden für ein leichtes Grinsen sorgte.

Als nächstes sorgten die Berliner von Norkh für düstere Stimmung, die neben einem ziemlich straighten Set einen eigenen Merch Pavillon mit im Gepäck hatten und hoffentlich nach diesem energetischen Auftritt ein wenig Umsatz gemacht haben. Der Sound war auch hier schmackofatz und unterstrich eindrucksvoll die famose Entscheidung, in diesem Jahr mit unser aller Fauthi an den Reglern in die Pre-Corona Ära zu starten.

Natürlich bestand de Setlist größtenteils aus dem Material des von uns ziemlich hoch eingeschätzten Debüts „Tides of acid/Piles of dirt“ und die Jungs bewiesen, dass das Material live um einiges heftiger aus den Boxen ballert.


Starker Auftritt der Bock auf mehr macht! Norkh sollte man definitiv im Auge behalten.

Natürlich darf auf dem Protzen keine Band von unserem Kumpel Atzek fehlen und dementsprechend schickten sich Succubus auf dem dritten Slot an, die langsam in Wallung kommenden Leute so richtig abzuschießen.

Ja, in der Vergangenheit war das nicht immer mein Gusto, doch heute machten die Brandenburger eine verdammt gute Figur, was vor allem an der Gesamtperformance festzumachen war. Das war harmonisch, gut aufeinander eingespielt und zeugte von einer intakten Einheit. Und wo ich früher manchmal hinter vorgehaltener Hand ein wenig den Lästerbecher kreisen ließ, so muss ich Succubus an diesem Freitag eine verdammt starke Leistung attestieren.

Doch nun sollte der Acker erbeben, denn Graceless hatte sich angesagt und die Niederländer hatten es sich zur Aufgabe gemacht, keinen Stein auf dem andere zu lassen. Ich wollte mir nur kurz was aus dem Auto holen und hatte bei dem Druck Schiss, dass es mir die Frontscheibe raushaut. Meine Fresse, was war das nur für eine Walze?

Die Leute, die nun in Kompaniestärke vor der Bühne standen, wurden gnadenlos weggefönt und quittierten diese Lehrstunde in Sachen Death Metall mit frenetischem Applaus. Ein absolutes akustisches Massaker, welches dennoch an diesem Freitag noch getoppt werden sollte, was ich nach diesem Inferno vorher nicht für möglich gehalten hätte. Graceless kamen, spielten und siegten!

Auch wenn ich vorher in den sozialen Medien darum gebeten wurde, Purgatory Sechsaiter Wolfgang einen dicken Schmatz zu überbringen, sah ich nach dem Gig geflissentlich von ab, da der bärtige Berserker sich vorher zusammen mit seinen Mitstreitern auf der Bühne so dermaßen ausgetobt hatte, dass der Gute aussah, als hätte man ihn gerade frisch aus einem See gezogen.

Das war allerdings harter Arbeitsschweiß, denn die Sachsen brieten ein verdammt fettes Steak und rollten die Grasnarben von unten auf. Hauptaugenmerk war Fronter Dreier, der sich wie ein HB Männchen auf Amphetamin vollkommen verausgabte und definitiv zu einem der besten Sänger des gesamten Genres gehört. Ich war jedenfalls so derbe begeistert, dass ich meinen ersten Schein am Merch ließ, um mich mit einem schicken Leibchen der rasenden Ossis einzudecken.

Wer Ralf und seine Brüder von Revel in Flesh im Vorfeld schonmal live gesehen hat wusste, was ihn/sie jetzt erwarten würde. Schnörkelloser, schwedisch angemalter Todesblei der feinsten Sorte und auch wenn ich mit der ersten Scheibe etwas rüde umgegangen bin, so haben sich die Burschen aus dem Süden unserer Republik mittlerweile zu einer meiner Lieblingskapellen gemausert. Ich nenne das immer gerne „Das Cannibal-Corpse-Syndrom“.

Der Sound war erneut megafett, die Band in absoluter Spiellaune und vor der Bühne wurde es nunmehr knackig kuschelig. Und gerade bei diesem Auftritt zeigte sich mehr als deutlich, warum ich die Außenbühne bevorzuge, denn im Hangar hätte ich diesen granatengeilen Auftritt wahrscheinlich nur akustisch verfolgen können. So allerdings wurde ich tatsächlich Augenzeuge von einer erneuten Machtdemonstration der sympathischen Burschen, die vom Publikum nach jedem Song gnadenlos gefeiert wurden. Zu Recht, denn bei Revel in Flesh bekommt man das, was man erwartet. Und mehr…

Nun hatte Graceless Remco seinen zweiten Auftritt des Tages, denn der niederländische Vokal-Akrobat stand bei Anders Biazzis Just before dawn erneut hinter dem Mikro, diesmal allerdings ohne den obligatorischen Viersaiters.  Ich sah dem Gig ein wenig mit gemischten Gefühlen entgegen, denn ein richtig großer Fan der Stockholmer bin ich nicht und werde es wohl auch nicht mehr werden.

Das war alles vollkommen in Ordnung und schnörkellos, doch mir fehlen bei der Mucke des Quintetts einfach die Höhepunkte. Irgendwie plätschert das Alles ohne größeren Eindruck zu hinterlassen an mir vorbei, auch wenn vor der Bühne immer noch ein buntes Treiben stattfand. Nicht ganz so dolle wie bei der vorherigen Band, doch immerhin. Allerdings schien sich der Mob nun langsam auf DAS Brett des Tages vorzubereiten.

Die schon weit im Vorfeld angereisten und mit einem riesigen Durst ausgestatteten Gentlemen (und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes) von Benediction sollten nun für ein Novum auf dem 22er Protzen sorgen. Nicht nur, dass ich noch nie so viele Tabletts mit Bier vorher auf der Bühne gesehen hatte, nein, die Briten spielten den für mich persönlich besten Gig einer Band ever beim POA!

Das Infield quoll über vor Leuten, der Sound kam brachial, frontal und ohne Gefangene zu machen aus den Boxen geknallt und die Band war tight, wie Tine Wittlers Radlerhosen. Man konnte ja schon im Vorfeld anhand der Merchkäufe erkennen, wie heiß das Volk auf die Todesblei Legende von der Insel war und das zeigten sie jetzt auch überdeutlich. Doch man muss ganz klar sagen, dass jedes auch noch so kleine Handgeklapper mehr als verdient für das war, was Benediction hier lieferten.

Eine Oldschool Setlist vom allerfeinsten, eine Band, die so dermaßen aufeinander eingespielt ist, dass es der Perfektion gleichkommt und dennoch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und diebisches Grinsen bei den Protagonisten, aufgrund des Tumultes, der vor der Bühne stattfand. Richtig große Aktion war dann, dass man einen Schwerstbehinderten Mann im Rollstuhl auf die Bühne verfrachtete, der sich den Gig dieser brillanten Band entspannt aus der Nähe ansehen konnte. Geile Aktion die ebenfalls von allen Anwesenden frenetisch gefeiert wurde.

Da war ein so verfickter Abriss, wie ich ihn in den letzten Jahren selten erlebt habe. Natürlich reihte auch ich mich in die glücklichen Käufer einer bedruckten Obertrikotage ein und war Hin und Weg von diesem unfassbaren Abriss den Benediction hier veranstalteten.

Nach solch einem Abriss war es natürlich nicht einfach, als letzte Band des Abends auf die Bühne zu gehen, doch unser Redaktionshoschi Clemens konnte mit seinen Mannen von Chaos and Confusion durchaus einen Erfolg einfahren. Das Publikum nahm ihre Hypocrisy Tribut Show bestens auf und der Gig, der sogar auf Video gebannt wurde, machte echte Laune.

Man darf gespannt sein, wie sich der energetische Auftritt, bei dem Burn down Eden Fronter Pether definitiv der Hingucker war, später in der heimischen TV-Anlage macht, vor allem weil dies auch ein Erinnerungsstück für Gitarrist Steven sein wird, der aufgrund neuer Prioritäten und Ziele die Truppe nach diesem Auftritt verlassen hat und wir ihm auf diesem Wege alles Glück der Welt wünschen. Ja, Chaos and confusion waren der perfekte Abschluss eines mit vielen Höhepunkten gespickten Tages.

Ich jedenfalls fuhr ziemlich begeistert nach der ersten Freitagsdusche Richtung Heimat, denn wer mich kennt weiß, dass ich beim Protzen immer zum Heimschläfer mutiere. Jedenfalls summte ich die ganze Zeit „Scarecrow“ vor mich hin, bevor mich Morpheus Arme endgültig umschlossen.


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