WO KREATIVITÄT VERSCHMILZT



Mit „At Night We Prey“ ist den griechischen Melodic Black Death Großmeistern ein nahezu ziemlich perfektes Album gelungen, das zwischen Härte & Melodie, zweifelsohne all die genialen Trademarks der griechischen Urgesteine in sich vereint und nach 7 Jahren Abstinenz, ein wahrlich geniales Comeback darstellt. Mit Nightfall Vordenker und Vocalist Efthimis Karadimas ergab sich dabei ein recht munteres Interview, das bei aller Begeisterung für den neuen Outpit, auch den Blick in der Vergangenheit schweifen ließ... 

Gut sieben Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Cassiopeia“ vergangen, es scheint wie ein Neubeginn für Euch zu sein!

Wir sind sehr begeistert wieder am Start zu sein. Wir wollen unbedingt mit dem neuen Album auch Livegigs absolvieren, ein großer Unterschied zu früheren Zeiten.

Wann wurde es konkret ein neues Nightfall Album zu veröffentlichen? Immerhin schien es mir dass du mit The Slayerking gut beschäftigt bist...

Vor ein paar Jahren bekam ich einen Anruf von Mike, dem ursprünglichen Gitarristen von Nightfall, der mich bat, wieder in die Band einzusteigen. Er war vor Jahren gegangen und ich sagte ihm, dass ich keinen Grund sehe, mit Nightfall wieder zu starten. Es sei denn wir haben etwas wirklich Interessantes zu sagen.

Im nächsten Jahr erfuhr ich von meiner Depression und so nutzte ich diese Gelegenheit das Erlebte und die Dinge die mich damit beschäftigten aufzuarbeiten, eine gute Gelegenheit also ein neues Nightfall Album anzustreben.

Ihr habt The Slayerking im Jahr 2013 als Gothic Doom Band gegründet, was waren die Gründe dafür? Was konnten Ihr hier im Vergleich zu Nightfall deutlicher einbringen?

The Slayerking
ist ein Power-Trio, das eine seltsame Mischung aus Doom, Death, Metal, Rock und einer Vielzahl anderer Einflüsse integriert. Die Band wurde buchstäblich im Studio beim Jammen gegründet. Das war, nachdem ich entschieden hatte, dass ich genug von der Konkurrenz in der Metal-Szene hatte. Weißt du, all diese Fristen und Werbesachen, die mehr mit Marketing und Business zu tun hatten als mit Kunst oder der Liebe zur Musik generell.

Also habe ich alles über Bord geworfen, um mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Einfach Musik zu machen und sich darin zu verlieren. Es waren einfach schön mit meinen Freunden im Studio abzuhängen und zu komponieren. Der ganze Prozess hat mir sehr geholfen, Selbstvertrauen zurückzugewinnen und neue Facetten in meiner Gedankenwelt offen zu legen. Man kann schon sagen, es hat den Weg für Nightfalls Rückkehr geebnet.


Kann man irgendwann mit einem weiteren The Slayer King-Album rechnen, oder liegt der Fokus nun mehr auf kommenden Live-Aktivitäten mit Nightfall, sobald es wieder möglich ist.

Wir werden definitiv ein neues Album mit The Slayerking veröffentlichen. Wir haben einige Ideen bereits in der Hinterhand. Es braucht aber viel Zeit und Geld, und da diese Band nicht allzu bekannt ist, sind unsere Ressourcen auch eher begrenzt. Wir versuchen, die Ziele zu erreichen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Heutzutage gibt es allerdings auch keine Entschuldigung für ein schlechtes Album. Wir haben jede Menge Erfahrung, genug Wissen und beste Voraussetzungen.

Letztes Jahr wurde ein aufregendes Boxset mit vielen raren Nightfall EP`s veröffentlicht. War die Nachfrage nach einer Neuveröffentlichung so groß, dass Ihr euch dafür entschieden habt?

Ja es stimmt, die Leute haben sehr oft danach gefragt. Es war eine lange Geschichte.

Ich erinnere mich gut, die Geschichte war in den letzten 10 Jahren immer wieder Thema, also habe ich mich immer wieder damit beschäftigt und darüber nachgedacht, um das Beste heraus zu holen.  So mussten wir uns erstmal mit unserem alten Label wegen der Songrechte einigen, in den 90er Jahren investierte man viel Geld in manche Bands, ohne es zurückzubekommen. So behielten sie bis heute die Rechte auf die Songs und wir mussten da erst einmal eine Einigung dazu herstellen. Aber wir haben es hinbekommen und die begehrte Box konnte endlich das Licht der Welt erblicken.

Zurück zu den Gründungsjahren, was war die Intention, Nightfall 1991 zu gründen, mit Rotting Christ und Septic Flesh galtet ihr immer als Speerspitze der griechischen Szene, was hältst du persönlich davon?

Es ist irgendwie irritierend das die damaligen Zeiten als faszinierend und wegweisend gelten, aber die Realität war zweifelsfrei eine ganz andere. Es war ziemlich schwierig, denn wir hatten kein richtiges Equipment und auch überhaupt kein Knowhow damit. Aber noch schlimmer, niemand interessierte sich für griechische Bands oder glaubte an unseren Erfolg außerhalb unseres Landes.

Die Szene hier hat einige recht ordentliche Heavy Metal-Bands, die aber kein Interesse auf sich zogen, hauptsächlich weil sie nicht in der Lage waren, etwas Eigenständiges oder innovatives zu produzieren. Sie alle klangen wie andere Bands aus dieser Zeit. Warum sollte jemand aus Deutschland sich für eine griechische Accept Kopie interessieren oder ein Amerikaner für griechische DIO?

Wir kamen damals aus dem Nichts, rastlos und wild und unschuldig, wir wollten diese Dinge anders angehen. Wir wollten die musikalischen Spielregeln ändern. Dabei scheuten wir uns nicht mit verschiedenen Genres und Sounds zu experimentieren, in den unorthodoxesten Setups, so schafften wir es das das Interesse an uns im Ausland deutlich stieg, weil wir eben originell waren.

Viele nannten unseren Sound exotisch, und im Nachhinein kann ich schon sagen das diese drei Bands, also Septic Flesh, Rotting Christ und wir als Nightfall der europäischen Szene eine eigene Ebene erschlossen. Holy Records gaben uns damals die Möglichkeit unseren Sound in die Welt hinauszutragen, dabei erwähnt waren wir die erste Band, die außerhalb Griechenlands einen Plattendeal erlangte. Holy Records hatten uns einen Deal angeboten und wir haben eben geliefert. Sozusagen waren wir Vorreiter, zahlreiche andere französische Labels nahmen weitere griechische Bands unter Vertrag.  Und brachten den Stein ins Rollen ...

Was waren die Eckpfeiler eurer Anfangstage? Haben dich irgendwie auch die frühen Black Metal-Bands wie Bathory, Sodom, Venom und Hellhammer stärker beeinflusst oder inspiriert?

Es mag etwas ketzerisch klingen, aber eher nein. Unser Hintergrund war eher der klassische Heavy Metal. Griechenland war ein sehr kleiner Markt. Labels haben dem nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Was wir als Kinder gehört haben, waren Alben, die einige Indie-Importeure wagten, hierher zu bringen und zu verkaufen. Sie waren unser Hauptkanal für neue Musik. Und wie  man sich vorstellen kann kamen zuerst Bands wie Accept, Manowar, Maiden, Metallica, Running Wild, Sodom, Kreator und ja auch zum Teil einige Bathory und Venom Alben auf unsere Plattenteller.

Eigentlich der gesamte Katalog der Noise-Platten, einschließlich Bands wie Coroner und Celtic Frost und Voivod oder Sabbat. Deshalb imponiert es mich sehr, wenn junge Leute heute auch auf diesen alten Sound stehen. Damals haben wir es einfach gehört, die Auswahl war ehrlich gesagt auch nicht sonderlich groß.


Kommen wir zu den Basics, euer aktuelles Album klingt viel kompakter, weniger orchestral als deren Vorgänger, für meinen Eindruck geht es zurück zu den Ursprüngen, was hat euch dazu bewogen?

Ich denke, es auch viel zu tun mit unserem derzeitigen Line-Up. Wer auch immer bei Nightfall dabei ist, dem sage ich, er ist ein völlig gleichberechtigtes Mitglied. Schließlich ist dies die Essenz einer Band, denke ich. Also haben sich die Dinge hauptsächlich deswegen in die aktuelle Richtung bewegt. Bei dem „Cassiopeia“ Album waren die Arrangements völlig anders. Line-Ups zu ändern finde ich spannend, es bringt immer viel frischen Wind und auch neue Sichtweisen und Ideen mit sich.

Wie kam es damals dazu, als du dich von den Liveaktivitäten zurückgezogen hast? Hatten dich Liveshows so sehr genervt und der damit verbundene Aufwand? Oder war es eher der Zustand in welche Richtung sich die Musikszene immer mehr entwickelt hatte?

Definitiv der zweite Fall. Früher war jeder in Bands aus Liebe zur Musik und der Einstellung und natürlich zu den Dingen, die wir alle gemeinsam hatten. Wir wollten eine bessere Welt für uns alle. Gedanken- und Meinungsfreiheit. Das war alles. Nach den 00er Jahren, als das Geld massiv in die Märkte strömte, wurde die Kaufkraft der Menschen größer, und das zog viele Möchtegern-„Profis“ in unsere – bis dahin isolierte – Szene. Diese Leute haben alles verändert. Sie brachten eine neue Ethik und arbeiteten auf den kommerziellen Erfolg hin. So einfach ist das. Am besten = beliebt. Ich konnte mit dieser Sache nicht umgehen. Es war ein Schock für mich.

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, obwohl die Szene noch immer an einem Mangel an Vernunft leidet. Ich meine, sind wir ausschließlich für den Verkauf hier oder ist es etwas mehr? Wenn die Regeln des Marketings von heute bereits in den 90er Jahren gegolten hätten, würden viele der Bands, die die Leute heute so sehr bewundern, es wahrscheinlich nicht geschafft haben, ihr zweites Album zu veröffentlichen.

Welche Vorteile hatte es, sich nur auf die Studioarbeit zu konzentrieren?

Hier verbirgt sich die ganze Kreativität. Ein Ort mit unendlichen Ideen, alles verschmilzt miteinander, bis ein kompletter Song dort entsteht. Alle Bemühungen und auch Qualen von Musikern werden zu etwas Positiven vereint. Es ist eine spirituelle Sache. Ein neues Album soll keine Entschuldigung dafür sein, wieder auf Tour zu gehen oder eine weitere öffentliche Ankündigung machen zu können. Es geht darum, deine Seele durch Kunst zu heilen, sich darin auszuleben, sich zu verwirklichen.

Was war die lyrische Inspiration für das aktuelle Album „At Night we prey“, immerhin der Text im vollen Umfang des Vampir- und Werwolf-Themas. „Darkness Forever“ und „Killing Moon“ sind dafür Paradebeispiele. Aber was ist der innere Kern dieser Idee, was wolltest Du damit ausdrücken?

Dahinter verbirgt sich meine persönliche Erfahrung mit Depressionen. Ich wollte mein Gedanken, das was mich bewegt und beschäftigt mit allen da draußen teilen, um andere zu inspirieren, sich dafür zu öffnen, darüber sich auszutauschen. Ich habe Jahre gebraucht, um es zu verstehen, und ich glaube, ich wollte meine persönliche Situation mit Depressionen anfangs selbst nicht wahr haben.

Also weigerte ich mich, danach zu suchen, und das kostete nach einem jahrelangen Reise voller Schwierigkeiten, mit mir und anderen damit fertig zu werden. Und dann, als ich es herausfand, wurde ich wütend, dass ich es nicht früher selbst erkannt habe. Und da verstand ich erst, dass die Gesellschaft und frühere Generationen eine Mauer von Missverständnissen rund um Depressionen aufgebaut haben. Für sie ist man entweder in Ordnung oder ein Wahnsinniger, ein Verrückter. Und da ich so viele Jugendliche sehe, die versuchen, in zwei Welten zurechtzukommen, der realen und der virtuellen, musste ich meine schlechten Erfahrungen mit ihnen teilen, um ihnen den Mut zu geben, besser mit sich selbst zu arbeiten, und auf sich zu achten. Ohne Angst vor Mobbing und Ablehnung durch die Gesellschaft. Genau für diese Menschen ist das neue Album gedacht.

Als ich 20 oder 25 war konnte ich nicht verstehen das so viele Dinge auf diesen Planeten schiefliefen. Ich war entsetzt das Regierungen und das Volk so taten los waren und es einfach niemanden interessierte. Es ist also an der Zeit, den Jugendlichen ein gutes Beispiel zu geben. Und das versuche ich nun zu tun. Ich habe mich sogar mit der Europäischen Allianz gegen Depression in Leipzig in Verbindung gesetzt, um dort um Rat zu bitten. Diese Jungs machen einen tollen Job. Wir müssen Depressionen offen bekämpfen. Wir müssen reden und uns gegenseitig helfen.

 „At Night we prey“ hat eine gute Basis aus atmosphärischen Midtempo-Tracks und treibendem Black Death Metal, alles ist sehr abwechslungsreich komponiert, sehr dynamisch. Für mich ein wirklich faszinierendes Album, das mich sogar zu Freudentränen rührte.

Ich danke Dir vielmals Timo für deine bewegenden Worte. Es vermittelt mir den Eindruck das wir ziemlich viel richtig gemacht haben, hinsichtlich deiner äußerst positiven Reaktion zu dem Album. Ich bin Dir absolut dankbar.

Griechische Bands stehen seit den frühen 90ern für ein Alleinstellungsmerkmal, trotz der düsteren Ausrichtung haben die Bands immer mit einer atmosphärischen Härte begeistert, was denkst du, was sind die besonderen Merkmale dafür und zeichnet es aus?

Für einen ersten guten Eindruck gibt es eigentlich keine zweite Chance im Leben, so sagt man. Aber in der Extrem Metal Szene der 90er haben wir durchaus einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Diese Aura umgibt uns noch heute. Wir hatten damals das Glück, nette Leute im Ausland zu finden, die uns unterstützten und mit denen wir diesen besonderen Weg gehen konnten. Das gilt auch heute noch, griechische Bands stechen heraus, mit ihrer besonderen Mixtur, düsteren und kompromisslosen Metal zu kreieren.

Das aktuelle Album wurde auf Season of Mist veröffentlicht, aber davor ward ihr ein langjähriger Metal Blade Pate, warum hab ihr eigenlich den Vertrag nicht verlängert?

Das ist eine gute Frage. SoM ist ein Kind derselben Ära wie wir. Das heißt, wir teilen die gleichen Werte und die gleichen Erfahrungen, sowohl als Unternehmen sowohl auch als Fans. Dies ist uns sehr wichtig, umsomehr wenn man mit Menschen in einer Subkultur wie Metal kooperiert. Bei  Metal Blade Records zu sein, war asbolut unglaublich. Verdammt toll diese einmalige Erfahrung zu haben, um genau zu sein. Amerikaner arbeiten jedoch anders als wir in Europa. Es war letztendlich eine Frage der Chemie. So etwas passiert überall im Leben.

Was sind deine Pläne für dieses Jahr, was wäre dein größter Wunsch?

Die größte Freude wäre für uns natürlich live zu spielen mit unserem neuen Abum und mit all den großartigen Leuten, die all die Jahre der Band zur Seite standen, ein Wiedersehen zu feiern. An jedem Ort auf dieser Welt, den wir bereisen können. Ja das wäre ein guter Plan.

Zum Schluss noch ein großes Dankeschön, dass ihr Euch Zeit genommen habt für dieses ausführliche und interessante Interview.

Vielen Dank, Timo, dass du uns die Gelegenheit gegeben hast, über unser neues Album zu sprechen. Hoffentlich treffen wir uns mal auf einer Show, das wäre großartig.


TIMO

Interviewpartner: Efthimis Karadimas (Vocals, Bass)


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