FASZINATION & LEIDENSCHAFT



Die italienischen Epic und Progressive Metal Helden gelten seit nunmehr 40 Jahren als Meister ihres Faches, gleichzusetzen mit dem Kultstatus einer Band wie Manilla Road. Als eine der Pioniere des Progressive Metal, noch vor Bands wie Psychotic Waltz und Dream Theater, ist ihnen dennoch der große Durchbruch verwehrt geblieben.

Mit dem nun siebenten Album „Pompei“ ist dabei ein weiteres Meisterwerk entstanden, das mich zu Freudentränen rührte. So schickte ich vor ein paar Wochen einige Fragen an Gianni Nepi, Bassist & Sänger von Dark Quarterer, der zusammen mit Paolo Ninci als Gründer dieser großartigen Band aus Piombino gilt, die nebenbei auch 2001 die Woodstock Academy ins Leben riefen. Dabei standen mir Dark Quarterer gemeinsam Rede & Antwort.

Wie habt ihr das neue Jahr begonnen, hattet ihr einen schönen Jahreswechsel?

Francesco Sozzi: Wir haben das neue Jahr bereits tatkräftig begonnen, und an neuen Songs gearbeitet. Es gibt einiges an freier Zeit, an Liveauftritten ist gerade nicht zu denken. Deshalb hat die Arbeit an einem neuen Album erstmal Priorität und wir konzentrieren uns sehr darauf.  Derzeit tragen wir einige Ideen dafür zusammen und arbeiten sie aus. Weiterhin beschäftigen wir uns auch mit einigen älteren Songs, davon wird es auch Videos geben, denn wir wollen schon ein wenig mit der Zeit gehen.

Blicken wir mal etwas zurück, das aktuelles Album “Pompei” wurde Ende letzten Jahres veröffentlicht, wie waren die allgemeinen Reaktionen? Für mich war es eines der stärksten Alben aus dem Jahr 2020, ein sehr beeindruckendes Werk.

Francesco Longhi:
Das Album wurde am 6.November des vergangenen Jahres veröffentlicht, die Reaktionen darauf waren absolut großartig. Es gab sehr viele Besprechungen und Kritiken aus der ganzen Welt, bei Webzines und Printmags. Eigentlich waren alle Kritiken sehr positiv, was uns natürlich sehr stolz macht. Es gab unendlich viele positive Reaktionen von unseren Fans in den gängigen Webportalen, und auch der gute Verkauf von “Pompei” bestätigte uns. Hierbei möchte wir natürlich auch nochmal Enrico Leccese von Cruz del Sur danken, für seine großartige Vertriebsarbeit.

Ich habe gelesen dass ihr die Songs für das neue Album in eurem eigenen W.R.S Studio produziert habt. Habt ihr auch schon für andere Bands dort Aufnahmen gemacht?

Gianni Nepi:
Dazu kann ich erzählen dass Paolo Ninci und ich vor gut 20 Jahren, dieses Studio gegründet haben, es bietet neben der Aufnahmemöglichkeit auch eine Musikschule. Aus diesem einstigen Projekt ist mittlerweile eine wichtige Adresse für Musiker geworden, besonders in der Region Livorno. Mit über 140 Schülern und 16 Lehrern bietet unsere Woodstock Academy eine sehr hohe musikalische Ausbildung. Wir haben mit verschiedenen Produzenten zusammen gearbeitet und die Dark Quarterer Alben ab 2002 dort aufgenommen.

In jenem Jahr endstand unser Album “Violence”, was von einem der größten italienischen Tontechniker, Tony Soddu produziert wurde. Leider ist er vor fast drei Jahren verstorben, wir vermissen ihn sehr. “Symbols” wurde von Cristiano Grassini aufgenommen, danach haben wir nun regelmäßig mit Andrea Ramacciotti zusammengearbeitet, er ist mittlwerwile quasi unser fünftes Bandmitglied. Gewiss, es wurden auch für andere Bands bei uns Alben produziert, um einige zu nennen: Darking, Crimson Thunder und auch unsere Freunde aus Zypern von R.U.S.T.X, die traditionellen Metal spielen.


Das neue Album lebt von einem sehr beeindruckenden, höchst qualitativen Songwriting, in welcher Zeitspanne wurden die Songs geschrieben, und wie geht ihr dabei vor?

Francesco Sozzi: Nachdem wir den Vorgänger “Ithaca” im Jahr 2015 veröffentlicht hatten, haben wir uns kurz darauf an das komponieren neuer Songs gemacht. Dabei haben wir den Arbeitsprozess ein wenig verändert, haben als allererstes das instrumentale Gerüst fertiggestellt. Die Melodien und die Texte haben wir erst später angepasst. Gewöhnlich arbeiten wir so dass wir ein Thema haben, das mit Worten und auch mit Musik gut beschrieben werden kann. An diesem Punkt bringt jemand von uns ein Riff, einen Akkord oder eine Melodie mit, dann muss alles zu dem Song passen, der uns dabei vorschwebt.

Wir haben oft zahlreiche Ideen, wie es sich am Ende zusammenfügt, ist das Resultat von allen bei Dark Quarterer. Erst wenn wir gemeinsam völlig zufrieden sind, wird es dieses Lied auch auf ein Album schaffen, andernfalls arbeiten wir weiter daran. Dabei kann ich den Songs “Forever” als Beispiel nennen, den ersten Teil davon hat Gianni komponiert, und das Ende Paolo. Wie der Song sich aber letztendlich zusammenfügt ist das Ergebnis vieler kleiner Lösungen, die uns im Verlauf der Entstehung in den Sinn kommen. 

Pompei” ist das erste Album für das kultige Cruz del Sur Label. Wieso habt ihr euch entschlossen neue Wege dabei zu gehen?

Francesco Sozzi: Das ist korrekt, es ist die erste Zusammenarbeit mit Cruz del Sur. Aber Enrico Leccese (Cruz del Sur) hat darüber auch schon Vinyl Re-Releases, älterer Alben von uns veröffentlicht. Durch unseren früheren Manager Gino Sozzi sind wir mit Enrico in Kontakt gekommen, dabei haben wir gesehen dass es ein sehr professionelles und gutes Label ist, und so hoffen wir natürlich auch in Zukunft weiteres Material dort von uns zu veröffentlichen.

Die letzten beiden Alben vielen durch eine epische, historisch fundierte Konzeptidee auf, was ist euch dabei wichtig?

Francesco Longhi: Es gefällt uns bevor wir neue Songs schreiben, wenn sich alles einer größeres, konzeptionellen Idee unterordnet. Bei einem derartigen Konzept ist uns wichtig dass wir eine lange Geschichte erzählen können, oder einzelne Teile einer Geschichte zu einer Größeren zusammenfügen. Von Vorteil ist es dabei auch wenn die einzelnen Geschichten in einer zeitlichen Folge erzählt werden können. Das hilft uns in der Vorstellung, detailreicher die passende Musik dafür zu komponieren, die sinnbildlich die Story widerspiegelt. Dabei uns natürlich auch emotional ergreift und berührt, was auch ein weiterer Aspekt ist um ein optimales Ergebnis zu erreichen.

Auf welcher Grundlage entscheidet ihr euch für die jeweilige historische Thematik. Ich vermute mal dass ihr auch sehr gerne Bücher lest, oder? 

Gianni Nepi: Ohja, ich lese sehr gerne Bücher, auch in Bezug auf unsere Musik. Dabei ist mir wichtig die wahren Geschichten, der verschiedenen Personen und Charaktere in unser Musik erzählen zu können. Im Fall von “Pompei” las ich zum Beispiel ein schönes Buch des Schriftstellers Alberto Angela mit dem Titel “Die letzten drei Tage von Pompei”, aus dem ich mich für die Abfolge der Ereignisse, die Stimmungen der Menschen und die durch Geschichten hervorgerufenen Atmosphären inspirieren ließ und einige Charaktere: Rectina, Plinius der Ältere, der Gladiator. Es ist sehr schön, in die Vergangenheit einzutauchen und die dort beschriebenen Emotionen glaubhaft selbst zu fühlen und zu erleben.

Gibt es Themen in historischer Sicht die euch am meisten interessieren?

Francesco Longhi: Eigentlich gibt es keine speziellen Themen die unsere Aufmerksamkeit gesondert beanspruchen. Aber wir sind stets auf der Suche nach ansprechenden Themen, die gut zu neuen Songs passen könnten, uns anregen neue Songs zu komponieren. In Hinsicht der Tragödie jener Geschichte und auch den historischen Folgen. Die dadurch möglicherweise verursacht wurden, auch in der Hinsicht seine Lehren daraus zu ziehen.

Das Artwork von “Pompei” ist sehr detaileich und beeindruckend, von welchem Künstler ist es und wurde es extra für das Album angefertigt?

Gianni Nepi: Das Gemälde wurde ausdrücklich für unser Coverartwork angefertigt, es ist vom großen Maler Paolo Girardi. Unser Produzent Enrico Leccese und unser ehemaliger Manager Gino Sozzi hatten uns ihm empfohlen. Wir sind sehr froh über diese Idee, denn das Gemälde ist wirklich hervorragend geworden, meisterhaft.

Dark Quarterer existieren bereits seit 1980, aber der Vorläufer war die Band Omega Erre, die bereits seit 1974 besttand. Daher meine Frage, wieviel Omega Erre steckt in Dark Quarterer?

Paolo Ninci
: All diese Bands wie Grand Funk Railroad, Black Sabbath, Cream, Uriah Heep, Gentle Giant, Frank Zappa und eben auch Omega Erre findet man in Dark Quarterer wieder. Wir sind einfach fasziniert von diesen progressiven Hardrock-Bands und der damligen Szene. Viele der jüngeren Menschen haben diese starke Prägung dieser Zeit natürlich nicht, ohne diese großartige Musik von damals wäre manches heute in musiklaischer Hinsicht einfach nicht existent, oder eben anders. Wir spielten diesen Sound wie verrückt, studierten jede einzelne Note, jedes einzelne Riff, jeden einzelnen Groove. Ich bin unglaublich dankbar für diese große Inspiration, die weltweit auf die Musik großen Einfluß nahm.

Ihr gehört mit Dark Quarterer zu den Vorreitern des Progressive Metal, aber welche Bands haben Euch besonders trotz eures Pioniergeistes geprägt?

Gianni Nepi: Bei mir sind es wie bereits erwähnt eindeutig Uriah Heep, Gentle Giant, Black Sabbath, Grand Funk Railroad, Led Zeppelin, Genesis. Aber auch der geniale Meister der Filmmusik Ennio Morricone und aus der Klassik: Ludwig van Beethoven, Gioachino Antonio Rossini und Wolfgang Amadeus Mozart.

Bei Francesco Sozzi sind es Deep Purple, Joe Satriani, Pantera, Steve Vai und Chuck Schuldiner`s Death. Besonders imponieren Paolo Ninci Bands wie Grand Funk Railroad, Black Sabbath, Gentle Giant, Chicago und Jeff Back und Francesco Longhi haben Stevie Wonder, Pink Floyd, Herbie Hancock, Keith Jarrett und Johann Sebastian Bach stark geprägt.

Wie würdet ihr eure Musik jemanden beschreiben, was fasziniert Euch an progressiver Musik, an Progressive Metal?

Gianni Nepi:  Unsere individuellen musikalischen Einflüsse, unser Geschmack haben sich langsam zu einem progressiven symphonischen Epic Metal vermischt. Das sind musikalische Emotionen, die die Erzählung des Textes begleiten. Die Geschichte folgt somit dem musikalischen und narrativen Weg und verstärkt die Emotionen. Unsere Absicht ist es, ein Gemälde mit Musik und Worten zu malen. Wir hoffen, dass dies gelingt.

Und wie Euch dies gelingt, während ich dieses Interview bearbeite höre ich das 2015er Album “Ithaca”, mich ergreift jedesmal diese unbeschreibliche Virtuosität, diese musikalische Elegeanz, ein Song wie “Nostalgia” ist einfach ein Kunstwerk. Unbeschreiblich schön. Aber schauen wir mal ein wenig zurück, ich habe mal gelesen dass es für italienische Bands relativ schwierig war Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen, bzw. Bekannter im In und Ausland zu werden. Wie habt ihr die Situation in Italien empfunden?

Gianni Nepi: Leidenschaft, eine große Leidenschaft zur Musik hat uns erst dazu gebracht überhaupt unsere Geschichte zu beginnen. Trotz tausender Schwierigkeiten haben wir immer weiter gemacht, einen Widerstand den wir nun schon über 40 Jahre leisten. Von 1974 bis 1983 spielten wir nur Coverversionen, zu der Zeit hatten wir kein einziges Konzert geben können.

Piombino ist eine kleine Industriestadt, weit weg von den großen Städten, auch territorial sehr isoliert, mit nur einem Zugangsweg. In den 80er Jahren war es in Italien auch zusätzlich besonders schwer, da es keine Auftrittsorte für Rockmusik gab. Für uns war es so auch unmöglich live zu spielen.

Weiterhin haben Plattenlabels bei uns auch nur in Popmusik investiert und nur ebensolche Bands unterstützt bzw. promotet. Ohne eine gute Promotion gibt es natürlich auch keinen gesteigerten Bekanntheitsgrad. Einige Gruppen haben es sicherlich geschafft, leider ist auch ihnen der Ruhm von Bands wie Iron Maiden oder Metallica verwehrt geblieben.


Wir haben ja schon ein wenig über eure Heimatstadt Piombino gesprochen, einer sehr alten Stadt in der Toskana. Mich würde interessieren wie ist das Leben dort? Was sind eure Lieblingsorte, gibt es interessante Clubs & Bars?

Paolo Ninci: Piombino war schon immer eine Industriestadt, alles drehte sich um die Herstellung von Schienen, Blechrollen und Röhren. Die Arbeit dort war stets verbunden mit stressigen Schichten, ein kontinuierlicher Zyklus der viel abverlangte. Sämtliche Aktivitäten fanden nach der Arbeit in der Fabrik statt, wie Sport und Musik, welche dort organisiert wurden. Das was jetzt Dark Quarterer ist, haben wir viel an Leidenschaft geopfert. Eine Proberaum hatten wir in einem Jazzclub, dort haben wir uns zweimalig die Woche getroffen und gespielt was unsere Leidenschaft und Begeisterung hergab. Ein Chance in den wenigen bestehenden Clubs zu spielen hatten wir jedenfalls nicht. In dieser Zeit wurden Songs wie “Red Hot Gloves” und “Colossus of Argil” geboren.  Unsere Stadt liegt am Meer und wir haben einige schöne Orte zum verweilen und spazieren gehen. Aber es gibt keine einheimischen Pubs oder Bars in denen man Rockmusik hören könnte, während man ein Bier kippt.   

Habt ihr jemals über ein Konzeptalbum über Piombino nachgedacht?

Gianni Nepi: Jetzt wo du es sagst, es könnte wirklich ein interessantes Thema sein sich einmal näher Gedanken darüber zu machen, danke Dir für den Tipp.

Im letzten Jahr ist Dark Quarterer nunmehr 40 Jahre jung geworden, dann kam die Corona Pandemie. Hattet ihr ein paar Ideen für dieses Jubiläum?

Gianni Nepi: Wir hatten dafür einiges vorbereitet, und keineswegs nur eine Idee. In naher Zukunft so hoffe ich werden wir wieder darüber sprechen können. Aufgrund dieser Krise mussten wir 8 Shows absagen, die wir erstmal verschoben haben. Wir hoffen also, nächstes Jahr wenn überhaupt, diese Konzerte dann auch durchführen zu können.

Inwiefern musstet ihr euch während der Pandemie einschränken? Wie problematisch war die Situation bei Euch zu Hause? Hoffe eure Freunde & Familie sind bei bester Gesundheit?

Francesco Sozzi: Wie in vielen anderen Ländern, sind wir den Anweisungen und deren Vorgaben zur Prävention gefolgt. Was anderes bleibt uns leider auch nicht übrig, denn nur so kann man die Situation einigermaßen kontrollieren, um das Virus einzudämmen. In beruflicher Hinsicht haben wir durch Home Office und Videokonferenzen neue Wege gesucht, dank denen wir auch weitermachen konnten um unsere Existenzen zu gewährleisten. Wir leben in einer kleinen provinziellen Stadt, zu unserem Glück gab es dort keine der vielen, schwerwiegenden Fälle. So dass es unseren Familen und Freunden soweit gut geht.

Welche Wünsche habt ihr für dieses neue Jahr. Was sind die Pläne mit Dark Quarterer?

Francesco Sozzi: Wir hoffen sehr dass die Covid 19 Situation sowohl aus menschlicher, wie auch wirtschaftlicher Sicht keine allzu großen Narben hinterlässt. Wir selbst können es natürlich kaum erwarten “Pompei” endlich mal live zu präsentieren. Wir arbeiten weiter hart an unserer Liveperformance, haben auch ein paar kleine Veränderungen an den Songs vorgenommen. Wir können einfach nicht ruhen.

An dieser Stelle müssen wir leider zum Ende kommen, meine Freunde von Dark Quarterer. So möchte ich mich bedanken für Eure Zeit und die große musikalische Freude, die ich selbst immer wieder mit Dark Quarterer hatte. Zum Abschluß ein paar Gedanken von eurer Seite.

Gianni Nepi: Erstmal vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews im Zephyr`s Odem zu führen. Und auch eine große Umarmung für unsere Fans, es wird höchste Zeit endlich mal wieder live vor Ihnen aufzutreten. Genug der Nostalgie!

Im Anschluß möchte ich noch darauf aufmerksam machen,dass Dark Quarterer das Metropolitan Theater in Piombino, was vor einer Schließung steht, mit einem Konzerterlös unterstützen wollen, indem sie das “Pompei” Album dort live aufgeführt haben. Für 5 Euronen kann man den Livemitschnitt unter dem Titel “Rising from the Silence” auf der Bandcamp Seite erstehen, Erscheinungsdatum 13. Februar. 


Interviewpartner:
Francesco Sozzi (Guitars)
Francesco Longhi (Keyboards)
Gianni Nepi (Bass & Vocals)
Paolo Ninci (Drums)


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