Kein normaler Typ, kein normales Leben



Als 2013 das erste Lebenszeichen in Form der großartigen „Moonhorse“ EP in meinem Player landete, war es um mich geschehen. Herrlicher Doom mit tollem weiblichem Gesang und mit einem Leif Edling von Candlemass am Viersaiter. Konnte da noch irgendetwas schiefgehen? Nein, denn auch live konnten Avatarium sofort überzeugen und brachten Kollege Fiene und mich beim Rock Hard Festival 2015 mit ihrer dunklen, intimen und bei grellem Sonnenlicht dargebotenen Spitzen-Performance fast zum Heulen. Und auch wenn das 17er Album „Hurricanes and halos“ nicht mein Geschmack traf, so konnte mich im letzten Jahr das überragende „The fire I long for“ wieder versöhnen und auf weitere Glanztaten aus Stockholm und großartige Gigs hoffen.

Nun wissen wir alle, wer uns dazwischen gegrätscht ist und sämtliche Liveaktivitäten auf Eis legte. Umso geiler ist es, wenn eine deiner bevorzugten Bands dann von einem Gig einen Mitschnitt veröffentlicht, einen tollen Querschnitt durch die bisherigen Schaffensphasen anbietet und somit zumindest für einen kleinen Lichtstreif am Horizont sorgt. Dementsprechend freute ich mich als Marcus Jidell, seines Zeichens Vordenker der Schweden, sich dazu bereit erklärte, mir ein paar Fragen zu Avatarium, deren Live Album und noch anderen Dingen zu beantworten und mir damit einen lang gehegten Wunsch erfüllte.

Marcus, wie geht es Euch? Wie habt Ihr als Band und als Menschen die bisherige Corona Krise überstanden?

Naja, wie fast alle, oder? Mir persönlich geht es gut, die Band und meine Wenigkeit versuchen, in allem was wir tun oder halt leider gerade nicht tun, positiv zu bleiben und so viel Arbeit wie nur möglich zu erledigen. Aber wie wir alle wissen, ist das momentan gar nicht so einfach, normale und alltägliche Dinge zu erledigen, denn es besteht ein gewaltiger Unterschied zum normalen Alltag. Außerdem vermisse ich es wie Sau, live zu spielen.

Alle Welt hat ja vom schwedischen Weg mit der Pandemie umzugehen geschwärmt. Wie hast Du die Maßnahmen bei Euch empfunden?

Ich persönlich denke, dass jedes Land seinen eigenen Weg mit dieser Pandemie umzugehen finden muss und absolut niemand wirklich weiß, was für lange Zeit die beste und vor allem richtige Strategie sein wird. Kein Land, kein Mensch, niemand. Wir selber müssen einfach im Rahmen dessen das tun, was wir für das Beste halten.

In Schweden haben wir alle im Allgemeinen einen ziemlich großen Glauben an unsere politischen Führer, so dass ein Großteil meiner Landsleute exakt das versuchen umzusetzen, was unsere Regierung uns vorgibt. So empfinde ich es jedenfalls und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Aber andererseits bin ich auch kein normaler Typ, der ein normales Leben führt, wie wir alle wissen (lacht).


Seit sieben Jahren seid Ihr nun unterwegs, habt 4 tolle Alben veröffentlicht und scheinbar ist nur noch der Himmel die Grenze. Musst Du Dich manchmal selbst kneifen, um zu verstehen, was ihr in dieser relativ kurzen Zeit alles geschafft habt?

Auf jeden Fall bin ich extrem stolz auf das, was wir bisher in den letzten Jahren erreicht haben. Doch wir haben noch extrem viel vor und unglaublich viel zu erzählen. Die Reise ist also noch lange nicht vorbei. Das ist eins der Dinge, die mir Avatarium von Anfang an gegeben haben und für die ich dankbar bin. Vor allem wurde mir die Gelegenheit gegeben zu erfahren, wie man als professioneller Produzent arbeitet. Ich habe in all der Zeit viel über Aufnahmetechniken, die Psychologie und Denkweise, wie man großartige Musik macht und entsprechend umsetzt, gelernt und bin dafür sehr dankbar.

War es zum Start Eurer Karriere förderlich, einen so bekannten Musiker wie Leif Edling von Candlemass in Euren Reihen zu haben? Wie ist das Verhältnis heutzutage zu ihm?

Leif ist einer meiner engsten Freunde und einer der engagiertesten und talentiertesten Künstler, den ich jemals getroffen habe. Natürlich war er für uns sehr förderlich und er war immer ein wichtiger Bestandteil für Avatarium und vor allem auch für mich persönlich.

Ich möchte, bevor wir über Euer neues Live Album sprechen, kurz einen Blick in die Vergangenheit werfen, und zwar auf einen Song von Euch, der mich immer zum Nachdenken bringt und bei dem ich permanent Gänsehaut bekomme: "Moonhorse" von Eurem ersten Album. Bitte erkläre mir doch mal, welches textliche Konzept dahintersteckt. Es gibt da so viele Interpretationsmöglichkeiten.

Zuallererst ist es mir wichtig zu erwähnen, dass Leif dieses fantastische Lied geschrieben und Jennie-Ann es mit ihrem gefühlvollen Gesang auf eine andere Ebene gebracht hat. In meinen Augen ist „Moonhorse“ immer noch unser bester Song, obwohl wir einige starke Konkurrenten in unserem Repertoire haben. Der Text…nunja…ich habe in den Jahren eine Menge Leute getroffen, die alle eine vollkommen verschiedene Interpretation des Textes im Petto hatten und ich finde es absolut erstaunlich, dass allein ein Song so etwas bewirkt. Ich möchte also eher, dass DU mir sagst, was der Song, der Text für Dich bedeutet und was Du in den Texten verstehst.

In den harten Zeiten des Lockdowns ist es schön, wenn man durch eine Live CD wenigstens ein bisschen Konzertatmosphäre in die eigenen vier Wände übertragen bekommt. Ihr habt es mit "An evening with Avatarium" geschafft, obwohl es natürlich keine wirkliche Alternative zu einem echten Konzert ist. Erzähle mir doch bitte ein wenig von Deinen persönlichen Eindrücken dieses Abends.

Es war einfach ausgedrückt eine magische Nacht! Wir waren alle sehr gespannt, wie es ist, endlich wieder zusammenzuspielen und das auch noch mit dem neuen Material von „The fire I long for“. Ich habe die tollsten Musiker in der Band, war aber dennoch anfangs etwas skeptisch aufgrund der Setlist und des Setups, ob das alles so reibungslos funktionieren würde. Doch…es funktionierte einfach!

Der Veranstaltungsort, das Nalen, ist auch ein total wunderschöner Ort mit unglaublich viel Atmosphäre, die man in unserem Konzertfilm sehen und vor allem spüren kann. Dummerweise war es die erste Show auf unserer Tour und gleichzeitig die vorletzte, doch ich bin total froh und glücklich darüber, dass wir an diesem Abend mit Kameras und Mehrspurgeräten vor Ort waren und diese Show aufzeichnen konnten. In diesem Fall müssen uns die Götter des Rock sehr wohlgesonnen gewesen sein.


Das Konzert fand ja im Januar statt. War da überhaupt abzusehen, dass Ihr das jemals als Tonträger veröffentlichen würdet? Oder war das einfach dem Umstand geschuldet, dass Ihr ebenfalls auf Gigs und den daraus resultierenden Einnahmen verzichten musstet? Den Konzertfilm gab es ja schon vorher bei Euch käuflich zu erwerben.

Zuerst haben wir das Konzert lediglich mit Blackbox mitgefilmt und hatten versucht, daraus ein Live Stream zu machen, noch bevor das coronabedingt Gang und gäbe wurde, doch die Jungs fragten uns dann zugleich, ob sie uns nicht doch komplett aufnehmen dürften. Ich entgegnete ihnen, dass dies der erste Gig der Tour sei und es dementsprechend doch ziemlich chaotisch werden könnte, was sie aber nicht abschreckte und sie weiterhin auf den Aufnahmen beharrten. Zum Glück, denn ohne die Beharrlichkeit von Blackbox hätten wir die Show, so wie sie jetzt vorliegt, niemals aufgenommen und sie lief für uns wirklich hervorragend.

Viktor Stenquist begann dann zu Beginn des Frühlings mit dem Mix und als ich das Ergebnis hörte, war ich platt, beeindruckt und komplett begeistert. Dementsprechend schlug ich der Band vor, das gute Stück als Live Scheibe zu veröffentlichen. Der Konzertfilm ist auch noch weiterhin erhältlich und kann jederzeit hier abgerufen und gekauft werden. Schlussendlich sind wir sehr froh und glücklich über den Umstand, diesen Film und das Live Album zu haben, da wir damit den Leuten eindrucksvoll zeigen können, dass keine reguläre oder normale Metalband, sondern viel, viel mehr sind.


Viele Bands nutzen den momentanen Stillstand und schreiben an neuem Material. Euer letztes Album "The fire I long for" ist ja nun auch gerade erst ein Jahr alt. Dennoch die Frage, ob im Hause Avatarium schon an neuen Songs gearbeitet wird.

Oh ja, denn Faulheit liegt uns nicht. Wir sind fleißig und arbeiten tatsächlich bereits an neuem Material, doch wann das veröffentlicht wird, steht noch in den Sternen.

Seit nunmehr 3 Jahren bist Du ebenfalls als Produzent für Candlemass zuständig und hast der Band endlich wieder einen großartigen Sound verpasst. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Dein Engagement als Live Gitarrist für die Doom Legende und Deine Freundschaft zu Leif eine nicht unwesentliche Rolle für den Job gespielt hat. Wie sehr siehst Du Dich als Teil von Candlemass?

Erst einmal vielen Dank für Dein Lob. Da gibt es eigentlich gar nicht viel zu erzählen, außer das ich die Jungs komplett liebe und wir durch die gemeinsamen Arbeiten in den letzten Jahren wie Brüder zusammengewachsen sind, was mich persönlich sehr stolz macht.

Du hast ebenfalls für Evergrey und vor allem die von mir sehr hoch geschätzen Soen gespielt. Hast Du noch engeren Kontakt mit den Bands oder haben sich da sogar Freundschaften entwickelt? Hast Du schon die kommende Evergrey "Escape of the phoenix" gehört?

(wirkt ziemlich kurz angebunden bei dem Thema) Ich rede nicht sehr oft mit den Jungs von Soen und mit dem Evergrey Camp gar nicht mehr. Ich denke, es handelt sich hier um zwei wirklich exzellente Bands, doch in Avatarium habe ich mein musikalisches Zuhause gefunden.

Du bist ja mit Jennie-Ann verheiratet, dazu macht Ihr gemeinsam Musik. Sprich, Ihr seht Euch fast 24 Stunden am Tag. Wie kann man sich ein Tag im Haus Smith/Jidell vorstellen? Wird dort ausnahmslos über Musik geredet?

Wir reden natürlich viel über Musik, haben aber noch ein 3jähriges Kind Zuhause, welches natürlich ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt bekommen möchte und über das wir selbstverständlich ebenfalls viel sprechen. Manchmal kommt es tatsächlich vor, dass wir regelrecht einen Termin vereinbaren müssen, um mit allen Mitgliedern über Avatarium und unsere Musik sprechen zu können, doch glücklicherweise haben wir mittlerweile einen neuen Manager, der uns hilft, komplett fokussiert und auf der Strecke zu bleiben, so dass wir uns komplett auf die Band konzentrieren können.

Abschließend bitte ich Dich um ein paar Anmerkungen zu meinen Lieblingssongs von den jeweilige Avatarium Alben. Beginnend mit „The girl with the raven mask“ und “Pearls and coffins“ von Eurem zweiten Album.

Na, da treffen wir uns aber schon einmal gut, denn beide Songs sind ebenfalls Favoriten von mir, gerade „The girl with the raven mask“, den wir live mittlerweile ein wenig modifiziert haben und bei dem Jennie-Ann und ich einige tolle und interessante Arrangements hinzufügten, die den Song noch um einiges cooler machen. Einen Einblick davon bekommt man schon auf der Live Scheibe.

Boneflower“ und „Avatarium“ von Eurem Debüt.

Auch hierstimme ich mit Dir überein. „Boneflower“ hat diesen absolut coolen 60er Jahre Vibe und eine Menge progressiver Elemente, während sich im Gegensatz dazu auf „Avatarium“ die wohl härtesten Riffs befinden, die ich jemals für die Band geschrieben habe. Auch hier unterstelle ich Dir einen guten Geschmack (grinst).

Medusa child“ von „Hurricanes and halos“.

Hm, ok. Hier gehen wir etwas auseinander, wobei hier der Text wirklich großartig ist und wir wirklich spannende und interessante Musik geschrieben haben. Aber natürlich handelt es sich hier ebenfalls um einen großartigen Song (lacht).

Und zu guter Letzt meine beiden Lieblinge von „The fire I long for“: Der Titeltrack und vor allem „Lay me down“.

Na, da treffen wir uns erneut, denn beide Songs sind absolute Favoriten von mir. „The fire I long for“ war ein Song, der uns irgendwie zugeflogen kam, ein Geschenk, an dem wir wirklich kaum was machen mussten. Ich dachte nie, dass es sowas gäbe, doch dieses Stück belehrte uns eines Besseren. Ich liebe diesen Song total. „Lay me down“ ist eine Verbeugung von mir vor Crosby, Stills and Nash. Ich wollte ein Stück schreiben, dass von Stephen Stills inspiriert ist und das kam dabei heraus. Ebenfalls ein Song, den ich total liebe. Ja, das war eine gute Auswahl.

Marcus, vielen Dank für Deine Zeit. Die letzten Worte gehören ganz alleine Dir.

Olaf, ich danke Dir für Dein Interesse an Avatarium. An Euch da draußen: Checkt unsere sozialen Kanäle, auf denen wir ziemlich oft persönlich unterwegs sind. Bleibt sauber, sicher und vor allem gesund. Much love!




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