ICH MAG ES DICKREIFIG



Rene Schütz is back! Nicht nur der Umstand, dass der Siegener Thrash Express mit seinem 12. Selbstbetitelten Studioalbum einmal mehr Fahrt aufgenommen hat, nein, auch das Ur-Mitglied an der zweiten Gitarre hat den Weg zurück in das behagliche Nest des Chef Vordenkers Frank Thoms gefunden, welches er 2011 vor der Veröffentlichung von „Dependent domination“ verließ, um sich fortan anderen Dingen zu widmen. Und ich kann Euch sagen, diese Rückkehr macht Sinn! Accuser sind immer noch knüppelhart und feuern eine Riff Kanonade nach der anderen aus den Rohren ab, haben aber durch den Rückkehrer scheinbar etwas mehr Virtuosität erlangt, die den Songs, was den Abwechslungsreichtum anbelangt, mehr als guttut und eine Neun in unserem Review mehr als rechtfertigte.

Selbstverständlich schnappte ich mit bei erstbester Gelegenheit den nunmehr mit einer schicken Kurzhaarfrisur ausgestatteten Frontchef, um ihn nach dem Stand der Dinge zu befragen und noch so einiges mehr.

Und? Voll im Interviewstress?

Ohja, war schon eine ganze Menge, vor allem auf dem Schriftweg. Dann ziemlich viel über Skype, das habe ich mit René zusammen gemacht und haben uns da teilweise auf Englisch einen zurechtgestammelt (lacht). Wenn man lange Zeit nicht mehr in dieser Sprache kommuniziert hat, ist es schwer, da wieder reinzufinden.

Heute ist man da etwas bequemer geworden. In den Achtzigern musste man Englisch sprechen, ob man wollte oder nicht. Bei Dir ist es, schätze ich mal, einfacher, da Du ja oft mit englischsprachigen Musikern zu tun hast...


Definitiv, doch manchmal bereitet man sich intensiv auf ein Interview in Englisch vor und merkt dann, dass dein Gegenüber der Sprache eher semi mächtig ist und fast schon erwartet wird, dass Gespräch beispielsweise auf Finnisch zu führen (Gelächter).

Das geht echt gar nicht. René hatte so ein Gespräch, da kam sein Gegenüber aus dem tiefsten England oder Irland. Der hatte einen Dialekt...Leck mich am Arsch (lacht).

Da verweise ich gerne auf Benediction, Napalm Death oder ganz früher Bolt Thrower, die man nach nur einem Bier schon kaum noch verstand.

Wir waren in grauer Vorzeit mal mit Paradise Lost auf Tour. Meine Fresse, die hatten aber auch einen Dialekt, hahaha. Das klingt dann irgendwann nicht mehr nach Englisch, sondern nach einer völlig anderen, eigenständigen Sprache. Allerdings gaben sie sich Mühe, ein etwas höheres Englisch zu sprechen, wenn sie sich mit uns unterhalten haben. Aber untereinander...da hast du nichts verstanden.

Ach, das ist in Deutschland ja manchmal nicht anders. Ich habe mal privat mit einem Sänger einer recht bekannten deutschen Thrash Band aus dem Badischen Raum zusammengesessen, der im Verlauf des Abends dann auch in einer mir nicht verständlichen Sprache mit seinen Freunden kommunizierte und ich nicht wusste: Verarschen die mich nun? Lost in translation in Reinkultur. Doch dieser Interviewstress zeigt einem doch, wie sehr das Interesse an Accuser besteht...

Auf jeden Fall und das freut mich natürlich sehr. Es kamen eine Menge schöner Fragen und man merkte, dass sich der Gegenüber mit uns und unserem neuen Album beschäftigt hat.

Eine persönliche Frage muss ich aber noch loswerden. Wie war es in diesem Sommer bei Dir mit Mücken?

Mit Mücken?

Korrekt. Ich verweise da mal auf den Gig bei der Pestbaracke 2019 in Eisenhüttenstadt, wo Du irgendwann nicht mehr wusstest: Schlage ich nun nach den Viechern oder spiele ich weiter...

(lacht laut) Stimmt und ich glaube, dass das tatsächlich eines der miesesten Erlebnisse mit diesen Drecksviechern war. Dieses Jahr ging es. Ich habe ja auch keinen Teich in der Nähe, denn da hast du gleich im Sommer verloren. Ich war ja oft bei meiner Freundin und da gibt es weit und breit kein Gewässer und somit war die Gefahr minimiert. Wald und Berge gibt es dafür umso mehr. Da musste schon tief in die Wälder vordringen, um neue Bekanntschaften mit den Blutsaugern zu machen (lacht).

Du bist ja ziemlich viel mit dem Rad unterwegs und bei dem Tempo bleiben die Biester eh nicht haften. Dennoch frage ich mich: Tour de France als Ziel?

Um Himmels Willen, da sind mir die Räder zu dünn und ich mag es dickreifig (lacht). Rennrad bin ich früher gefahren und ich bewundere die Jungs echt dafür, was die da leisten, das ist schon krass.

6 Alben in 10 Jahren, dazu 2014 die komplette Neueinspielung der ”Who dominates who”. Ziemlich umtriebig der Herr Thoms. Da vergisst man doch gerne die 15 Jahren zwischen “Taken by the throat” und “Agitation”. Woher holst Du Dir all die Inspiration, um permanent auf einem solch hohen Qualitätslevel Alben zu veröffentlichen?

Nach 10 Jahren Musik habe ich in der angesprochenen Pause einfach mal andere Dinge gemacht, bin viel Rad gefahren und nachdem wir dann doch wieder zusammengefunden haben, merkte ich schnell, dass da doch ein ganz großer Faktor gefehlt hat. Ich wollte einfach unbedingt wieder Musik machen und habe recht zügig festgestellt, was sich da alles an Ideen angesammelt hat, die nun unbedingt raus mussten. All diese Ideen kamen dann auf die folgenden drei Alben, die dann dementsprechend in ziemlich kurzen Abständen veröffentlicht wurden.

Es freut mich jedenfalls, dass Du sagst, dass das Level hoch war und noch gesteigert werden konnte, denn ich sehe es ähnlich. Ich habe mir viel Mühe gegeben. Das Songwriting war da ja auch schon ein völlig anderes, wie beispielsweise in den Achtzigern, Neunzigern, wo man sich pro Woche dreimal im Proberaum getroffen hat, um nicht nur den Live Set zu proben, sondern auch um Songs zu komponieren. Manchmal dauerte es Stunden, manchmal Wochen, Monate, teils Jahre und wenn einer nicht gut drauf war, dann kam da auch nichts bei rum.

Durch Homerecording kannst du heutzutage einfach viel flexibler agieren. Man nimmt eine Idee auf, packt eine zweite Gitarre drauf und schon steht das Grundgerüst in guter Qualität. Danach kann man die ganze Sache auch mal ruhen lassen, hört sich das ein paar Tage später nochmal an, findet weitere Ansätze und entscheidet dann gemeinsam mit der Band, ob es sich lohnt, den musikalischen Gedanken weiterzuverfolgen.

Die größte Veränderung auf Eurem 12.Album ist ja der Umstand, dass René Schütz als zweiter Gitarrist wieder an Bord ist. Wie kam das zustande?

Mitte 2019 stieg Dennis aus. Wir hatten allerdings noch ein Konzert im August, was wir unbedingt spielen wollten, um uns danach dem Songwriting zu widmen. Da uns da eine zweite Klampfe fehlte, fragte ich René völlig unverbindlich, ob er uns aushelfen könne. Er sagte sofort zu und hatte auch Bock, das merkte man. Es stellte sich dann auch ziemlich schnell heraus, dass er Accuser ganz schön vermisst hatte und auf der Bühne war es tatsächlich magisch. Wir kennen uns ja nun auch schon seit 35 Jahren.

Nach dem Auftritt haben wir uns dann bei ein paar Bierchen backstage unterhalten und er fragte, wie wir uns das nun in Zukunft weiter vorstellen würden. Ok, wir tanzten ein wenig um den heißen Brei, sind uns dann aber schlussendlich in die Arme gefallen und freuten uns, dass wir wieder zusammenkamen.


Allerdings bist Du jetzt der Einzige in der Band, der gemäß Promofotos noch ein klein wenig längeres Haupthaar aufweist, wo hingegen Deine Kollegen alle der Kurzhaarschnitt Frise frönen.

Du, meine sind nun auch ab. Ich habe jetzt fast Deine Frisur (Gelächter).

Dann sind die Promofotos aber Fake News...

(lacht) Ich habe mich da wirklich etwas weit aus dem Fenster gelehnt, denn einen Tag nach der Entstehung der Fotos hatte ich keinen Bock mehr und habe sie mir abschneiden lassen. Musik macht man ja mit dem Herzen und nicht mit dem Haar, hahaha.

Machen wir es jetzt nicht an den Haaren fest. Warum habt Ihr denn eigentlich das Album so unspektakulär einfach ”Accuser” genannt?

Das war ein reiner Zufall. Das Songwriting war nicht konstant, es gab auch Ruhephasen dazwischen. Manchmal flutschte mir der eine oder andere Song raus, aber irgendwie hatte ich zwischendurch immer mal wieder Kreativpausen, da ging einfach nichts. Dann kam mal ein Song, Pause, dann drei und im Studio kam dann alles zusammen.

Nach den Aufnahmen merkten wir erst, dass die Songs teilweise wie eine Zeitreise anmuteten und quasi ein Querschnitt unserer gesamten Schaffenskraft darstellen, beginnend bei “The conviction” aus den Achtzigern bis zum heutigen Tage. Wir entdeckten so viele Elemente aus unseren früheren Songs und somit wurde uns ziemlich schnell klar, dass das Teil nur ”Accuser” heißen darf und nicht anders. Rene als Urgestein noch dazu und fertig war der Lack!


Wieviel Anteil hatte René denn schon am Album?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich schon relativ viel geschrieben hatte und einige Rhythmus Sektionen komplett fertig waren. Aber im Studio haben wir uns dann wirklich alle nochmal mit dem Material beschäftigt und auseinandergesetzt, was natürlich die Studiozeit verlängert hat. Wir haben einzelne Songs nochmal komplett zerlegt, überlegt, wie man ihn besser spielen oder was man anders machen könnte. Olli und Frank haben die Drums und den Bass anders arrangiert und auch die ganzen Melodien, die zur Verschönerung beitrugen, hat Rene beigesteuert. Damit haben sich die Songs noch einmal komplett gedreht und klangen teilweise nicht mal mehr im Ansatz so, wie auf den ersten Demos. Das sollte eigentlich bei einer Produktion auch das eigentliche Ziel sein, Sachen noch zu verbessern oder auszubauen.

Nun will ich kein Spielverderber sein, doch Ihr hattet die Messlatte für mich persönlich mit „The forlon divide“ in fast unerreichbare Höhe gelegt, die Ihr mit „The mastery“ nicht ganz überspringen konntet. Auch beim neuen Album hatte ich anfangs ein klein wenig Probleme, mich reinzuhören.

Sagen wir es mal so: „Accuser“ ist kein Album, was beim ersten Durchlauf komplett bei mir zündete. Das brauchte ein wenig, da auch so ein Song wie „Be none the wiser“ mit seiner Ruhe für Eure Verhältnisse ziemlich aus dem Rahmen fällt.

Da gebe ich Dir vollkommen recht. Das ist für uns ein wirklich ungewöhnlicher Song, der aber mittlerweile 17 Jahre auf dem Buckel hat und erst jetzt zu plattentechnischen Ehren kommt. Er war bei Freunden, bei Bekannten immer irgendwie beliebt und Frank (Kimpel-Bassist) hat sich sehr dafür eingesetzt, dass wir ihn nun endlich mal aufnehmen. Und da haben wir einfach mal ein wenig dran geschraubt, einige Sachen ausprobiert und den Song ebenfalls noch einmal komplett neu eigespielt und arrangiert. Witzig ist, dass der Text zu „Be none the wiser“ perfekt zur momentanen Corona Pandemie passt, aber dennoch bereits 17 Sommer alt ist. Den hat damals unser alter Gitarrist Uwe noch geschrieben.

Also kann man festhalten: Accuser sind schuld am Lockdown?

(lacht) Genau, endlich mal Jemand, der es offen ausspricht.

Dennoch will ich mal die These in den Raum schmeißen, dass durch die pandemiebedingten Einschränkungen viele Bands ihren Fokus auf die Musik gelegt und dadurch großartige Alben veröffentlicht haben. Habt Ihr diese aufgezwungene Zeit ebenfalls genutzt, um Euch auf das Album zu fokussieren?

Letzten Endes ist es ja so, dass du unfassbar viel probst, denn Auftritte fallen ja weg und somit investiert man automatisch viel Zeit ins Songwriting, ob man will oder nicht (lacht). Allerdings muss ich sagen, dass wir eine der Bands sind, die ja vor Beginn der Pandemie schon begannen, an neuem Material zu arbeiten, das aber dadurch intensivieren konnten. Im Februar 2020 waren mit bei Martin Buchwalter im Studio und bemerkten da schon, was da auf uns zukommt. Doch wohin diese Reise geht, konnte man zu diesem frühen Zeitpunkt ja noch nicht einmal ansatzweise erahnen.

Als das Album musikalisch dann eingetütet und ich mit den restlichen Vocals beschäftigt war, wurde es schon merklich ruhiger und als ich dann mit der Bahn nach Hause fuhr, dort ankam: Nichts! Stille! Ruhe! Alles hatte zu. Aber wie Du eingangs schon gesagt hast glaube ich auch, dass sich die Bands diesen Umstand zunutze macht haben, um neues Material zu basteln und zu veröffentlichen.

Bevor wir wieder auf das Album und vor allem das Cover zu sprechen kommen: Wie schreibst Du selber Accuser? Mit „S“ oder „§“?

Accuser
ist und bleibt der Name. Accu§er ist unser Logo. In den Achtzigern musste man sich noch nicht die Gedanken darüber machen, wie der Name auf dem PC geschrieben wird und ob er sich mit dem Internet verträgt (lacht). Die Probleme kamen dann später.

Das § habt Ihr ja zum zentralen Thema auf Eurem Cover gemacht. Viele zerren daran rum, was in mir eine Vielzahl an Assoziationen auslöst. Was hast Du Dir dabei gedacht? Was war die Idee dahinter?

Wir wollten den § unbedingt in den Mittelpunkt stellen. Er steht für Gesetz, für Gerechtigkeit und sorgt auch mehr als oft für Wirbel, für Chaos. Jeder will ihn zu Fall bringen, ein anderer will ihn bewahren. Es ist eine Dualität. Wir gaben die Ideen einfach an Björn Gooßes weiter, der da was Brauchbares draus entwerfen sollte. Er hat dann das Paragraphenzeichen in seinem Atelier nachgebaut und es photographisch in Szene gesetzt.

Seine Umsetzung ist einfach großartig! Fängt das Ding nun an zu kippen? Bleibt es steten? Fällt es nach hinten? Es drückt genau diesen ständigen Kampf um Gerechtigkeit, um das Gesetz an sich aus, was ist richtig, was ist falsch. Wir waren schon bei der Skizze begeistert und das finale Produkt fanden wir dann nur noch geil.


Nachdem Ihr 2014 den Klassiker „Who dominates who“ neu eingeprügelt habt stelle ich mir seitdem die Frage, wann denn nun endlich die Neufassung von „The conviction“ das Licht der Welt erblicken wird.

(lacht) Um Himmels Willen, dann müssten wir ja wieder bei Null anfangen, das wird schwierig.




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