Für die Langlebigkeit in der Lammfellweste!

Mit ihrem Debut Rundling „Kill The Conductor“ haben die anspruchsvollen Schweizer Neo-Thrasher ordentlich den Putz aus den Fugen geblasen. Eine halbgare, blasse Angelegenheit ist dies keineswegs gewesen und schaffte es jene Stilistik mit eigenen würzigen Ideen zu verfeinern. Daher war es nur eine Frage der Zeit alsbald sich mit Frontbär Tom in Verbindung zu setzen und ihm die notwendigen Antworten zu entlocken!

Mit „Kill The Conductor“ habt ihr ein fettes Statement in die Massen geschleudert, was eigenständigen, technischen und jedoch auch eigenwilligen straighten Thrash Metal auf den Weg gebracht hat, mit welchem Ansprüchen und Zielen seid ihr ans Werk gegangen?

Danke erstmal für das geile Kompliment!!! Die Schlagwörter „eigenständig“, „eigenwillig“ „technisch“ und „straight“, sind ganz gut zusammengefasst, was das Album für mich ist. Ich glaube nicht dass es ein definiertes kollektives Ziel gab, aber wir kennen uns alle recht lange, sind ähnlich musikalisch geprägt worden und alle haben einen persönlichen Anspruch an das Song- Material und dessen Interpretation. Wir wollten sicher alle ein Album das Live abgeht, das im Auto einen guten Soundtrack abgibt und Zuhause am Kopfhörer genug Tiefe hat. Für mich ist das gelungen, ich teste es immer wieder….

Insbesondere durch den Albumtitel des Debüts und des Artworks kann ich mich dem Hintergrund einer Wild West Thematik nicht verwehren, was war deren Hintergrund. Hegt ihr eine besondere Freude hierfür? Wenn ja gibt es dahingehend besondere Filme die euch begeistern? Ist es dann der italienische oder mehr der amerikanische Western?

Hehe…also wir sind alle Bud Spencer/Terrence Hill Fans. Insbesondere Jeff (Gitarre) und Reto (Drums), die Filmdialoge lückenlos kennen und Shirts und Auto-Designs und so.... Abgesehen davon war es die einzige Möglichkeit Jeff vor einem Fotoshooting „schminken“ (ja „schminken“) zu lassen, ihn mit der Bud Spencer Lammfell- Jacke und Flaschenöffner um den Hals auszurüsten… Der Hintergrund war eine Mischung aus Mad Max und besagten Italo Western. „Kill The Conductor“ ist der Aufruf dazu eigene Wege zu beschreiten, und nicht einen Dirigenten bestimmen zu lassen. Das kann z.B. ein Zeitgeist sein der die Musik prägt oder was auch immer Vorschriften macht. Dieses Endzeit, Abenteuer, Outlaw Thema passte einfach super zum Kontext.

Eigenständigkeit möchte ich dennoch unter eurem Bandnamen fett unterstreichen, ihr scheint mir neueren, progressiven und altbewährten Thrash Metal durchaus offen zu sein (können nicht die meisten behaupten). Was bedeuten Genregrenzen für Euch?
Genregrenzen sind für mich als Hörer wichtiger, als Musiker weniger. Obwohl Genres sowieso etwas sehr Abstraktes sind. Für mich sind Sepultura, Slayer, Megadeth, und Exodus vier komplett verschiedene Bands, die aber alle sind eindeutig Thrash Metal. Ich habe aber keine Sekunde das Gefühl von „Peace Sells….“ wenn „Sepultura“- „Infected Voice“ runterknüppelt. Beides sind Kracher aber doch komplett anders. Wenn mich etwas packt sind Genres das letzte woran ich denke. Als Musiker liegt es nicht an uns, auch noch zu bewerten und zu etikettieren was wir machen. Ich glaube alle in der Band wissen wie Expenzer sich anhören soll, aber Genregrenzen sind nie ein Thema beim Songwriting Prozess.

Wer zeigt sich für das Layout der Scheibe verantwortlich, fernab vom üblichen Einerlei habt Ihr euch für einen gelben Coverhintergrund entschieden, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Grün als Coverfarbe ist ja schon zweimal an Bands vergeben…. Also setzen wir auf Gelb! Hehe…also ernsthaft….Wir haben das Glück mit dem Grafiker Sebastian Huggelshofer ( www.kommtgut.ch ) und dem Fotografen Sandro Diener ( www.sandrodiener.ch ), zusammen zu arbeiten. Zwei super Typen die sich immer wieder übertreffen und zielsicher alles besser interpretieren, als ich mir das vorstellen kann. Wir kennen beide schon lange und hatten volles Vertrauen, das sie mit einer frischen Idee ankommen die uns gefällt. Wir wollten ein archaisches, ikonisches Bild das einfach ist und auf den Punkt kommt. Der Häuptling ist Stellvertretend für den „Conductor“ den „Boss“ und Gelb knallt halt irgendwie am besten.

Wie verlief der Aufnahmeprozess? Ihr habt im Little Creek aufgenommen, sind dort auch die Aufnahmen eurer Vorband Pigskin ebenfalls entstanden?

Die Aufnahmen, für mich gesprochen, waren die lockersten und einfachsten überhaupt. Das liegt aber auch daran das Jeff das Album in unserem Studio/Proberaum („Thunderfart Studio“) produzierte. Da wurden auch die letzten 2 Alben von Pigskin aufgenommen. Wir machen schon seit ca. 15 Jahren zusammen Musik und kennen einander ziemlich gut. Das ist eh das Beste, wenn du mit Freunden arbeiten kannst. Es lief echt alles ohne Probleme ab! (Sorry das ist langweilig, ich weiß….). Der Mix und das Master wurde im Little Creek Studio, von V.O. Pulver gemacht. Er machte auch den Mix der Pigskin Alben. V.O. ist einfach ein Profi! Das reimt sich und stimmt… Er hat den Songs noch links und rechts, eine Tonne Metall draufgepackt!!!!

Erzähl mir mehr über das Little Creek Studio, wie sind dort die Gegebenheiten um aufzunehmen, ist es ein Anlaufpunkt hauptsächlich für regionale Bands?

Wie gesagt, wir haben im „Thunderfart Studio“ unserem hauseigenen Studio aufgenommen. Im Little Creek hingegen, produzierten Bands wie Pro-Pain, Destruction oder Gurd. Ich selber habe noch nicht da aufgenommen, aber die 2 und 3 Pigskin CD`s wurden da auch aufgenommen. Es ist für Metal Produktionen sicher eine der Top Adressen in der Schweiz.

Woran ich auch noch anschließen möchte, wie kam es zur Auflösung von Pigskin? Immerhin hattet ihr bereits 3 Alben darunter veröffentlicht und ein Großteil der Bandmitglieder sind nun auch bei Expenzer wieder am Start.

Der Sänger von Pigskin hörte auf, aber es waren noch Gigs gebucht, also fragte Jeff mich ob ich einspringen würde. Ich kenne alle in der Band schon lange und wir haben auch in unterschiedlichsten Formationen schon zusammen Musik gemacht. Dazu kam das Pigskin eh einen Namenswechsel ins Auge fasste und da sich musikalisch auch viel getan hatte, entschieden wir uns das ganze unter einer neuen Flagge zu machen. Expenzer hat die Energie einer neuen Band, gepaart mit der Erfahrung von Musikern die schon über eine Dekade zusammen spielen.

Fredy von Czar Of Crickets Productions hat „Kill The Conductor“ veröffentlicht, wie kam es zu dem Kontrakt? Immerhin sind die Pigskin Alben in Eigenregie entstanden? Wie läuft die Zusammenarbeit und sind weitere Alben darauf geplant?

The old school way… Fredy sah uns bei einem Konzert in Basel, wir redeten zwei, dreimal und der Deal wurde gemacht. Es ist echt das Beste für uns, so jemand wie Ihn zu haben, der genau weiß was wie und wieso er was macht. Er hat all jene Kontakte das wir z.B. dieses Interview hier geben können und Reviews aus der ganzen Welt erhalten, was absolut der Knüller ist! Thanx Fred!!!!

Czar of Crickets ist unterteilt in mehrere Sparten, kannst du das erklären und erhellen? Czar of Bullets, Czar of Revelation?

Also für eine detaillierte Beschreibung muss ich dich an Fredy Rotter weiterreichen, aber Czar of Bullets, wo wir drauf sind, ist das Metal Label von Czar of Crickets. Mit Czar of Revelation ist auch noch ein Alternativ Label unter Czar of Crickets. Ist überhaupt ein Tip wert da mal reinzuschauen. Da sind eine Reihe von spannenden Bands zu entdecken.

Es ist auch eine Vinylversion erschienen? Auch über COC? Welchen Stellenwert hat für Euch das schwarze Gold? Sammelt ihr die guten Dinger und geht noch auf Flohmärkte?

Yeah, Vinyl Baby!!! Ist doch geil! Ich höre echt mehr die Vinyl Version und glaub nur weil es eine A und eine B Seite gibt. Hehe… Aber ich find es hat wirklich einen anderen Effekt wenn du zwei Eröffnungs- und zwei Abschluss Songs hast. Vielleicht ist das mit ein Grund warum viele Alben die für Vinyl produziert wurden ausgewogener sind, als Alben die für CD Format ausgelegt sind. Der erste Song der B Seite ist auf CD meist so an 5. bzw.6. Stelle, wenn da nochmals sowas wie ein Eröffnungs Knüller kommt gibt das dem ganzen Album nochmals Schwung mit. Und ja auch über Czar of Bullets erschienen, das ist natürlich super!!! Und ja Flohmärkte hab ich immer im Fadenkreuz! Kann eh an keiner Kiste mit Platten vorbei gehen……

Ich muss sagen „Kill The Conductor“ zündete bei mir erst nach mehr als drei Durchläufen. Ich kann mir vorstellen dass viele geneigte Hörer sich heute weniger Mühe beim Zuhören geben und sich zu schnell durch jene Songs klicken, weil eben eure Songs weitgreifend auch einen mehr als einspurigen Anspruch besitzen (v.a der progressive Ansatz) . Wie sieht deine Haltung dazu aus? Und ist höherer Anspruch vielleicht auch eine Hürde?

Ich glaube dass Kunst, egal ob Musik, Literatur, Filme etc. sowieso erst beim Konsumenten beginnt. Ich kann mir niemals vorstellen wie sich ein bestimmter Song für Dich anfühlt. Darum machen wir Songs für uns. Ein Song der uns nicht gefällt kommt niemals auf ein Album! Wir erfüllen als einziges unseren eigenen Anspruch, alles was wir gerne hören würden. Wenn ich eine Band höre, denke ich doch nicht das die das für mich geschrieben haben..hehe… ich hoffe das ich das zu hören bekomme was die Band geil findet und ob ich ähnlich ticke. Es freut mich echt dass unser Album bei Dir „gezündet“ hat!!! Dann stehen wir auf die gleiche Mucke..hehe… (So sieht das aus Baby!!! Anm.von Termiten Timo).

Auf dem aktuellen Werk habt ihr auch The Haunted gecovert, mit dem Song
„The Chasm“ jedoch auch gleich einen Song von deren Debutplatte. Was bedeutet für Euch diese schwedische Band und dieser Song? Sie haben ausnahmslos eine Vielzahl von Bands beeinflusst und bekamen gerade in ihrer Frühzeit durch die Björler Brüder einen handfesten Stempel aufgedrückt.

Absolut! Diese Debutplatte ist ein Riffsperrfeuer!!! Eine unerschöpfliche Energie… und wenn ein Song covern dann doch so ein Knaller mit einem Salut an eine der Eigenständigsten und spannendsten Bands im Metal Genre.

Bist du eher zu The Haunted oder Machine Head geneigt, beide Bands haben deutlich dem neueren, ungefesselten Thrash ihren Stempel aufgedrückt, oder?
Also „Burn My Eye’s“ ist ein absoluter Klassiker, der für mich Thrash neu geformt hat. So wie Pantera mit „Cowboys From Hell“… 3-4 Jahre früher. Nachher ist Machine Head noch okay aber nicht mehr zwingend. The Haunted hat den für mich, interessanteren musikalischen Weg gewählt. Die ersten 3 Alben bilden eine Einheit und hat modernen Thrash auf die Spitze getrieben! Dann kam „Revolver“ und die Schleusen wurden geöffnet für alle möglichen Einflüsse. Auch das Peter Dolving wieder am Gesang war, hat mich persönlich gefreut. …und Rob Flynn kann verdammt nochmal einfach nicht singen…so jetzt ist es raus!!! Mit 7 – 1 gewinnt The Haunted!

Mit dem Song „Silence Of The Amps“ habt ihr bei mir für eine heruntergeklappte Kinnlade gesorgt! Der Song ist außerordentlich melodisch für Expenzer wie ich finde, die fast doomigen Zwischenparts bleiben haften keine Frage und das treibende Riffing erinnert auch an die ein oder andere skandinavische Black/Death Metal Attraktion. Aber was war die eigentliche Idee dahinter?

Die Musik dazu stammt aus der Feder unseres Bassisten, Lou. Er spielt auch hervorragend Gitarre und hat für mich auch diesen düsteren Touch, so eine Mischung aus Samael, Morbid Angel und Emperor. Er brachte dieses Epische Element ein, das dem Album gut getan hat und einen mächtigen Schlusspunkt setzt. Der Arbeitstitel von Lou war „Throw Away Music“, quasi Mcdonald’s Musik, (schnell gefressen, schlecht verdaut und immer noch hungrig….) was super in den Kontext mit den anderen Lyrics passte. Es ist eine Beobachtung jener Wegwerfkultur, egal ob Kunst oder nicht, aber Langlebigkeit ist selten wichtig dabei.

Im Juli diesen Jahres habt ihr eure Releaseparty gefeiert, wie verlief der Abend? Dort sind auch die legendären Poltergeist aufgetreten? „Behind My Mask“ lief damals Ehrenrunden bei mir! Gar nicht gewusst dass es die noch gibt oder wieder? Erzähl mal!

War eine Superstimmung in einem heißen, verschwitzten, kleinen Club! Poltergeist haben sich letztes Jahr reformiert und spielen wieder, auch eine neue Platte sollte irgendwann kommen, ich bin gespannt, da ich genau wie Du, „Behind My Mask“ wieder mal gehört habe. Auch ein Thrash Juwel!

Bevor Poltergeist mit der neuen Platte ums Eck kommen wollen wir Euch auch mal in hiesigen Gefilden Live sehen! Wie schaut es mit Liveaktivitäten außerhalb der Schweiz aus? Schon das ein oder andere Konzert geplant?

Sind immer auf der Suche nach Konzertmöglichkeiten im In und Ausland, definitiv habe ich grad nichts auf Lager. Also hiermit ein Aufruf: Wer Interesse hat uns zu buchen, schreibt eine e-mail an expenzer14@gmail.com . Wir spielen fast überall, hinterlassen aber immer auch Wunden….hehe.

Keine Sorge, im Lazarett kann ich zur Not aushelfen :-) Da kriege ich gleich Lust mal wieder ein Konzert auf die Beine zu stellen! Welche aktuellen Scheiben haben es Euch denn derzeit angetan, informiert Ihr Euch über Neuveröffentlichungen, wenn ja wie? Was wird sonst so gelesen?

Also im Metal-Bereich hab ich bis vor ca. einem Jahr ziemlich regelmäßig noch das Rock Hard gekauft, muss aber sagen das im Printmedium Deaf Forever, die für mich interessantere Quelle geworden ist. Ich bin ständig auf der Suche nach neuer Musik, egal aus welcher Zeit oder welchem Genre, es gibt noch so viel Stuff zu entdecken. Meine Top 3 Metal Alben der letzten zwei Jahre, (für heute):

Alkaloid – The Malkuth Grimoire
Tryptikon – Melana Chasmata
Dawnbringer –Night Of The Hammer
...und jedes Overkill Album….

Das soll es auch dann erst mal gewesen sein, will hoffen die Fragen haben Dir ein wenig gemundet und wir hören uns alsbald wieder, spätestens wenn Ihr Euren Nachfolger eingeprügelt habt! Thrash On!

Danke für das Interview, die Fragen waren super! Also bis hoffentlich bald mal wieder,…. und hört mehr Voivod!!!

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