Nicht einfach so dahingeschlabbert

Als ich Ende 2011 unser Magazin aus der Taufe hob dachte ich nicht im Traum daran, dass einer Band wie Betontod irgendwann einmal die Ehre zuteilwerden könnte, als erste mit nunmehr 3 Interviews gefeatured zu werden. Jaja, is kein Metal, blabla…diese Genörgel kann ich nicht mehr hören, denn das am 27.Februar 2015 erscheinende neue Album „Traum von Freiheit“ besitzt mehr Eier als so manch andere Veröffentlichung aus dem Hartwurstsektor und dass die Jungs aus Rheinsberg auch textlich kein Blatt vor den Mund nehmen, wissen nicht nur eingefleischte Fans seit langem. Das Album rotiert jedenfalls seit Eintreffen in meinem Mailman fast ununterbrochen und offenbart die Band in absoluter Spiellaune, tiefsinnig, hintergründig, musikalisch einfach grandios und ist in meinen Augen die mit Abstand beste Scheibe in der nun knapp 23jährigen Karriere der Ruhrpöttler. Alles Fakten, die ein Gespräch mit Gitarrist Frank fast unumgänglich machten…
Als erstes muss ich mal gratulieren, denn Betontod ist die erste Band in unserem Magazin, die bereits zum dritten Mal zu Wort kommt. Gibt es da eigentlich noch allzu viel Neues zu erzählen, vom neuen Album mal abgesehen…

(überlegt und muss dann lachen) Unsere Entwicklung setzt sich ja kontinuierlich fort und von daher gibt es schon eine Menge zu erzählen. Aber mir fällt jetzt gerade nichts ein, was ich unbedingt Spannendes erzählen müsste, hahaha.

Frank, warum zur Hölle rosa? Das könnte Euch doch fast Mercheinnahmen kosten, oder?

Hahaha, abwarten! Wir haben das Cover schon als Shirt und ich bin schon gespannt, ob das vielleicht ein Bumerang werden könnte. Wir haben natürlich auch noch schwarze Shirts im Programm, aber das hält sich momentan echt die Waage. Das gelbe läuft momentan sehr gut. Nach der Tour können wir dann einen Strich drunter und Resümee ziehen.

Was ist für Dich persönlich der Traum von Freiheit?

Der Hintergrund des Albumtitels ist ein etwas anderer und suggeriert den Umstand, dass wir immer mehr Freiheit im Tausch gegen Sicherheit aufgeben. Uns war wichtig, auf diesen Umstand einzugehen und klarzustellen, dass diese Entwicklung so nicht weitergehen kann.

Du hast den zweiten Teil von Captain America gesehen wo es genau um dieses Thema ging?

Nee, wirklich? Muss ich mal testen…

Die größte Veränderung auf dem neuen Album ist ja der Umstand, dass Ihr Euer neues Album über Sony Music vertreiben lasst, statt auf Eurem eigenen Label Better than hell. Also nichts mehr von wegen „…wir scheißen auf den Mainstream…“?

Mir war klar, dass diese Frage kommen würde (lacht). Klare Antwort: Jein, hahaha. Wir waren an einem Punkt angekommen, der uns über unsere Kapazitätsgrenze gebracht hat und die Produktion des Albums hat uns eine Menge an Zeit gekostet, die wir an anderer Stelle einfach nicht investieren wollten…und leider gibt es uns jeweils nur einmal, hahaha. Wir haben uns dann ganz klar für die Musik entschieden und insofern stand der Entschluss relativ früh fest, dass wir das Ding nicht selber rausbringen werden.

Die nächste Frage war dann nach dem Label und selbst im Major Bereich gibt es nur wenige Labels, die das wirklich rausbringen können…denen haben wir das dann vorgespielt, genauso wie zwei etwas größeren Indie Labels und dann bekamen wir eine Einladung zu Sony nach München, wo wir auf ein relativ junge Team trafen, was wir so nicht erwartet hatten. Die Truppe hätte auch irgendwo bei einem kleinen Label angestellt sein können, statt bei einem Major, was nicht an deren Kompetenz lag, sondern vielmehr an ihrem Umgang mit uns und wie sie drauf waren. Von daher entschieden wir uns für Sony. Denn nur wenn Sony draufsteht…

…heißt das noch lange nicht, dass auch nur Sony drin ist…

Hahahaha… ganz genau! Sie scheinen aber exakt zu wissen was sie tun müssen, um das Album entsprechend zu platzieren. Aber auch ein Indielabel tut alles, um zu verkaufen und vielleicht kann man alleine nur vom Namen „Sony“ irgendeinen Kommerzgedanken ableiten. Das kann ich durchaus nachvollziehen.

In unserem letzten Gespräch sagtest Du, dass Ihr im November 2013 langsam in die Vorproduktion einsteigen wolltet, nun ist der Release Ende Februar 2015. So viele Ideen zum Aussieben gehabt?
Exakt! Eigentlich sind wir auch diesmal mit fast der gleichen Anzahl von Sachen in die Vorproduktion gegangen wie sonst auch, es blieb auch fast genauso viel übrig wie sonst…doch wir merkten ziemlich früh und schnell, dass wir diesmal mehr Zeit investieren müssen um exakt das auszudrücken, was uns auf dem Herzen liegt. Wir haben uns dann auch später dazu entschlossen, die komplette Vorproduktion im Studio zu machen, was ebenfalls vom Zeitaufwand her nicht ganz ohne ist und von daher kam ja auch die Geschichte mit dem Label zustande.

Im Endeffekt haben wir auch unglaublich viel Zeit in die Texte investiert und man kann wirklich und wahrhaftig sagen, dass jedes Wort auch exakt so von uns gemeint und abgesegnet ist. Das ist nicht nur so dahingeschlabbert, hahaha. Das soll nun aber im Umkehrschluss nicht heißen, dass die nun besser oder schlechter sind als unsere früheren, doch wir haben diesmal einfach mehr darauf geachtet, nicht so wie früher auch mal einen rauszuhauen, wie uns der Mund gewachsen ist (lacht). Ich glaube auch, dass man das dem Album auch anhört…

Was mir als erstes positiv auffiel, ist der fette und druckvolle Sound. Eure CDs waren zwar immer schon ziemlich heavy, doch diesmal drückt der richtig. Was habt Ihr anders gemacht?

Wir haben unsere Gitarren herunter gestimmt. In C…glaube ich…ach, ich weiß gar nicht, wovon ich rede, hahaha. Wir hatten auf unseren alten Alben zum Teil ziemlich viele Metal-Anleihen drin, die auch ziemlich tief gespielt waren und da wollten wir irgendwie wieder hin. Wir haben schon im Vorfeld überlegt, was wir vielleicht anders machen könnten, ohne uns selbst zu kopieren und wir wollten einfach etwas härter werden, was uns auch scheinbar gelungen ist. Manche Sachen waren in der vergangenheit vielleicht etwas zu weich…

Hertha ist momentan eh ein schwieriges Wort für mich…

Hahaha, wem sagste dat! Ich bin BVB Fan, da können wir uns die Hand reichen.

Ich war geboren um zu verlieren und heute steh ich hier….Euer neues Motto? Gibt es tatsächlich nichts, was Ihr bereut?

Zumindest nicht musikalisch! Eigentlich auch nicht privat und wenn man mal sein Leben herunterbricht…naja…wir sind ja auch keine 18 oder 20 mehr…

Sondern 22!

Hahaha, genau! Aber wenn man am Ende unter sein Leben ein Strich machen und zu sich selber sagen kann: Jup, alles geschafft! Nein, dann bereut man nichts und so geht es uns momentan. Und selbst wenn mal etwas außerhalb unserer Norm ist, sollte man es dennoch nicht bereuen, das ist so unsere Lebensmaxime.

Wen besingt denn der Meister auf „Für immer“? Eigentlich ein recht trauriger und zum Nachdenken anregender Song…
Hm…traurig ist immer sone Sache…es ist halt so ein Beziehungsding. Er ist ja seit einigen Jährchen geschieden…lassen wir es mal so stehen. Bildlich ist man da halt der letzte an der Bar, lässt Revue passieren. Die Zeit, die man aber zusammen gehabt hat, kann einem keiner mehr nehmen.

Zeitweile habe ich das Gefühl, dass Ihr Euren Drummer Maik diesmal richtig von der Kette gelassen habt und er sich so richtig austoben kann. Als bestes Beispiel hierfür dient „Geschichte“…

Warum auch nicht? Er ist halt der beste Musiker in unseren Reihen und dann darf er das ruhig auch mal zeigen…solange wir nicht in den Progressiv Rock abdriften, hahaha. Die Gefahr, dass wir musikalisch zu anspruchsvoll werden ist, glaube ich, auch nicht gegeben.

Gerade dieser von mir eben erwähnte Song sollte wohl Vielen, die beim Namen Betontod vielleicht immer noch an Grauzone denken (da sie Euch nicht kennen), endgültig allen Wind aus den Segeln nehmen. War Euch dieser Song besonders wichtig?

Ja, definitiv. Wir sind seit 25 Jahren musikalisch unterwegs und man wird auf keinem unserer Alben auch nur eine Textzeile finden, die in irgendeiner gearteten Form in diese von Dir skizzierte Richtung geht. Wir sind politisch eher links angesiedelt, ohne aber andauernd in unseren Texten dies wiederzugeben. Wir waren und sind absolut keine Polit-Punk Band, sondern reden und schreiben über für uns wichtige Dinge. Daher auch der letzte Albumtitel „Entschuldigung für Nichts“. Wir erachten es aber als wichtig, uns jederzeit auch zu so einem Thema äußern zu können, was wir hiermit getan haben.

Insgesamt finde ich das Album auf jeden Fall griffiger und in sich stimmiger als Euren vorherigen. Was mir allerdings auffällt ist, dass sich diesmal kein solcher Gassenhauer wie „Hömmasammawommanomma“ oder „Glück auf“ auf der Scheibe befindet. Maximal vielleicht „Nur für eine Nacht“. War das so gewollt?

Wir haben uns zumindest diesmal ganz bewusst im Vorfeld dazu entschieden, kein Sauflied aufs Album zu packen…

Also lieber nen Ficksong?

Hahaha…das lasse ich mal so stehen. Nein, wir wollen natürlich auch unsere neuen Songs live präsentieren und wenn auf jedem Album irgendein Suffsong drauf ist, hat man irgendwann einmal ne Setlist wie auf einer Kirmes, hahaha. Es würde dadurch einfach auch ein falscher Eindruck von uns entstehen und wir wollen schon, dass man uns nach einem Gig nicht nur wegen unserer „partykompatiblen“ Songs in Erinnerung behält. Unsere Leute sollen einfach mit einem guten Gefühl nach Hause gehen…und wenn wir noch 2 solcher Songs mit aufgenommen hätten, wird es live irgendwann mal voll…im wahrsten Sinne des Wortes, hahaha.

Wir haben halt im Vorfeld auch relativ früh erkannt, dass sich viele ernste Themen auf dem Album befinden die uns wichtiger waren und an denen wir dementsprechend gewissenhaft gearbeitet haben.

Welcher Song liegt dir persönlich auf dem neuen Album am meisten am Herzen?
Vom Inhalt her definitiv „Kämpferherz“, den wir zusammen mit einem Fan geschrieben haben, der an MS (Multiples Sklerose) erkrankt ist und meine Idee oder Intention dahinter war, mir nicht irgendein scheiß Eimer Wasser über den Kopf zu kippen und das im Internet zu posten, auch wenn es sich um eine andere Krankheit handelt, sondern auf MS mehr hinzuweisen, welche in Deutschland doch recht stiefmütterlich behandelt wird. Mir war sie auch recht unbekannt und nachdem wir uns 2013 kennengelernt haben, habe ich mich da auch mehr belesen zu.

Seine Geschichte hat uns alle sehr berührt und wir wollte diese irgendwie wiedergeben, ohne aber alles zu erzählen…das wäre dann doch zu persönlich geworden. Inhaltlich ist das definitiv der mir am meisten am Herz liegende, doch musikalisch haben wir noch ein paar andere heiße Eisen im Feuer.

Wie wichtig ist es Euch, so kurz nach der Veröffentlichung wieder auf Tour zu gehen?

Naja, diesmal ist es schon ganz schön krass was die Termine nach der Veröffentlichung angeht. Am 27.02. kommt das Album und am 13.03. schon den ersten Termin bei Euch in Berlin. Dazu kommen noch eine ganze Menge an Proben, da wir auch aufgrund der tiefergestimmten Gitarren während des Gigs die Klampfen auch wechseln müssen, was ich so in der Art noch nicht hatte. Eine richtige Herausforderung und ich bin sehr gespannt, wie die neuen Songs live klingen werden. Aber an Herausforderungen wächst man ja…hat man mir gesagt, hahaha.

Achtet Ihr diesmal in Berlin etwas mehr auf Maik? Nicht das wieder der Verdacht auf ihn fällt, die Reifen des Trailers mutwillig zerstochen zu haben, um in den naheliegenden Kneipen etwas weiterfeiern zu können…wobei in der Nähe des C-Club ja leider nicht viel ist…

Hahaha… wir werden da aufpassen, aber auch wenn in der unmittelbaren Nähe nichts zu finden ist, werden wir schon einen Weg finden, danach noch zünftig einen trinken zu gehen. Machen wir dann auch mal zusammen, ok?

Sehr gerne. Freut Euch auf ein saustarkes Album mit einem Haufen Hits und verpasst Betontod bloß nicht auf ihren anstehenden Gigs!
13.03.2015 – Berlin @ C-Club
14.03.2015 – Dresden @ Alter Schlachthof
18.03.2015 – Wien (A) @ Arena
19.03.2015 – Frankfurt @ Batschkapp
20.03.2015 – Zürich (CH) @ Härterei
26.03.2015 – Hamburg @ Docks
27.03.2015 – Dortmund @ Westfalenhalle
28.03.2015 – München @ Backstage Werk

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