Das sind bestimmt Flecken vom Waschmittel

Auf so manche Gesprächsrunde freue ich mich schon weit im Voraus, so wie im Falle von Heathen. Wer mich und meine Reviews kennt wird wissen, wie sehr ich auf den alten Bay Area Thrash stehe, zu dessen Gründern die Jungs um Lee Altus auf jeden Fall zu zählen sind. Diesen Status untermauerten sie ebenfalls auf der im November 2011 erfolgten Rundreise im Rahmen der Thrashfest-Classics-Tour, bei der die Band im knackevollen C-Club monstermäßig abräumte und mich entgegen meiner Kaufgewohnheiten zum Erwerb eines Pullis verleitete, der allerdings Schimmelflecken aufwies. Darüber wird zu sprechen sein…Nichtsdestotrotz gibt es trotz der nun bereits drei Jahre auf dem Buckel habenden CD „The evolution of chaos“, die bei mir damals die satte Höchstpunktzahl abräumte, immer noch genug Redebedarf, den ich mit Frontmann David White zu stillen versuchte…
2011 ward Ihr ein Teil der Thrashfest Classics. Eine Rundreise, die für mich als alten Hasen ein absolutes Megahighlight war. Wie waren Deine Erfahrungen, Erlebnisse und die Reaktionen der Fans auf der Tour?

Es war einfach unglaublich und kaum in Worte zu fassen. Der Zusammenhalt und der „Vibe“ zwischen allen beteiligten Bands, Exodus, Sepultura, Destruction und Mortal Sin war fantastisch und letztendlich waren wir wie eine große Familie. Es war eine der besten Tourneen, die wir in den letzten Jahren gefahren sind und dazu noch all die alten Songs zu spielen, hat die Fans komplett durchdrehen lassen. Die Shows waren klasse besucht, das Wetter war hervorragend und das trotz der Tatsache, dass es November und Dezember war. Eine herausragende Geschichte..

War es nicht großartig dabei zu sein, was ja den Stellenwert von Heathen unterstreicht?

Natürlich war es klasse, aber Stellenwert? Alle Bands die dabei waren haben ein gewisses Standing in der Szene und der Geschichte des Thrash Metal im Allgemeinen und diese Tour war mit Sicherheit auch ein „Dankeschön“ an all die treuen Fans, denn immer wenn wir hier waren, wurden wir mit offenen Armen und toller Unterstützung empfangen. Aber das gilt und galt nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen.

Bei solch großartigen Veteranen der Thrash Szene gab es doch mit Sicherheit haufenweise Annekdoten.

Oh mein Gott…und wie (lacht).

Erzähl mal…

(ziert sich etwas) Auf jeden Fall war es witzig, dass wir exakt 20 Jahre zuvor erstmals mit Sepultura nach Europa kamen und auch wenn die band einige eklatante Besetzungswechsel in ihrer Vergangenheit vollzogen hat, ist die Verbindung zwischen uns immer noch sehr stark. Dazu natürlich noch die tiefe Freundschaft zu Exodus…da kommen schon einige spaßige Geschichten zusammen.
Auf dem Gig hier in Berlin während der Tour kaufte ich mir einen Kapuzenpulli, der bis heute Schimmelflecke hat. Habt Ihr Euer Merch seit den Achtzigern im Proberaum gelagert oder wie kannst Du das erklären?

Was? Ehrlich? Das sind bestimmt Flecken vom Waschmittel…oder Klebeband

Nö, das ist eindeutig Schimmel…

Hmm…die Sachen waren und sind auf jeden Fall immer ganz neu, die haben wir nicht seit Jahrzehnten bei uns eingelagert, auch wenn man das vielleicht bei unserem Arbeitseifer vermuten könnte (lacht). Auf jeden Fall etwas peinlich…

Heathen werden immer in einem Atemzug mit den Begründern der Bay Area Thrash Szene wie Exodus, Testament oder auch Metallica genannt…

Und natürlich Death angel nicht zu vergessen…

Macht es einen nach all den Jahren immer noch stolz, solch einen Stempel zu haben?

Absolut! Alleine wenn all die ganzen Namen, die Du ja eben aufgezählt hast zur Sprache kommen und wir dann dort mit Erwähnung finden, macht mich das unglaublich stolz. Als wir die Chuck Billy Show spielten (um den Testament Frontmann finanziell bei seiner Krebs Behandlung zu unterstützen-Olaf), wo sich auch noch Vio-lence reformierten (die erste Band von Rob Flynn, heute Machine head-Olaf) und Forbidden spielten, merkten alle Anwesenden, wie groß diese gemeinsame Familie wirklich ist. Immer wenn die Bay Area Szene besprochen wird denke ich an die Anfangstage zurück, wo wir noch alle Kids waren, voller Idealer und riesigem Enthusiasmus. So richtig warm ums Herz wurde mir letztes Jahr beim Hellfest, wo wir allerdings nicht aufgetreten sind, weil der Booker einige Sachen durcheinander brachte und nicht, wie fälschlich berichtet wurde, dass wir das Angebot nicht akzeptiert hätten. Da sah ich dann Exodus, Death Angel und Machine Head an einem Tag und war unfassbar angepisst, dass wir diesen „Bay Area-Tag“ nicht abrunden konnten.

Man sieht an Deiner Körpersprache und Deinem Lachen, wie stolz Du bist…

…und glücklich, sehr glücklich und vor allem darüber, immer noch die Möglichkeit zu bekommen, Platten aufzunehmen.

Wie war das eigentlich 2010 als Ihr „The evolution of chaos“ veröffentlicht habt? Ich hatte so dass Gefühl, dass die Thrash Welt nur so nach einem neuen Album von Euch gelechzt hat. War das wie eine Wiedergeburt?

Definitiv! Wir haben im Vorfeld extreme lange an den Songs gearbeitet und gefeilt, um allen gerecht zu werden, vor allem uns selbst. Leider hat es damals noch nicht mit dem Nuclear Blast Deal geklappt, auf den wir eigentlich aus waren, was aber weniger an den Songs, sondern vielmehr an businesstechnischen Dinge gescheitert ist. Doch jetzt, mit diesem Deal im Rücken, grüßen wir von oben herab, hahaha.
Ist die jetzt aktuelle Zusammenarbeit mit Nuclear Blast eine Anerkennung für die fantastische Musik die Ihr macht oder einfach „Business as usual“?

Auf keinen Fall! Wir sind seit Jahren Fans von Nuclear Blast und deren Bands und dementsprechend enthusiastisch, dort endlich unter Vertrag zu sein. Guck Dir doch mal das Roster von denen an, wer da alles unter vertrag steht…und nun gehören wir dazu. Anthrax, Testament, Overkill, Megadeth

Ich korrigier Dich ungern, aber Megadeth haben Ihr neues Album auf ihrem eigenen Label veröffentlicht…

Ehrlich? Ups, das wusste ich nicht…anyway. Wir sind jetzt ein Teil dieser großen Familie, was mit Sicherheit auch eine Anerkennung unserer Arbeit ist.

Hat Euch eigentlich überrascht, dass Ihr mit dem Album in Deutschland sofort in den Charts gelandet seid? Platz 75 war ja nicht von schlechten Eltern…

Das war eine riesige, wunderschöne Überraschung und sehr aufregend für uns. Unglücklicherweise hat unser altes Label Mascot Records eine ziemlich kurze Promotion Phase gefahren, die auch noch lokal begrenzt war und somit leider nicht sehr viele Leute erreicht hat, denn dann wäre noch mehr drin gewesen, davon bin ich überzeugt. Auf jeden Fall waren wir dennoch sehr erfreut und zufrieden mit dem, was uns dort geboten wurde, doch zukünftig wird das sicherlich mehr werden…

Nun sind ja bereits drei Jahre nach dem Release vergangen. Zwischen „Breaking the silence“ und „Victim of deception“ lagen vier, bis “Recovered” waren es 13 und danach 6 Jahre. Also kann man davon ausgehen, dass das nächste Album irgendwann um 2016 erscheinen wird?

Nee (lacht), aber Deine Rechnung ist schon richtig. Nein, wir werden das neue Album definitiv dieses Jahr fertig stellen und Anfang 2014 veröffentlichen. Sorry Leute, aber wir waren in letzter Zeit wirklich viel unterwegs. Außerdem kommt ja noch Lee’s Doppelbelastung dazu, denn wenn wir mal nicht auf Tour waren, gingen Exodus, als die wieder da waren wir. Ein Teufelskreis, hahaha. Und ein klein wenig Privatleben haben wir auch noch…sofern Nuclear Blast uns dieses in Zukunft erlaubt (lacht). Auf jeden Fall ist Kragen (Lum, zweiter Gitarrist – Olaf) diesmal vielmehr ins Songwriting mit einbezogen. Auf dem letzten Album hat er drei Songs mit geschrieben, diesmal wird es definitiv mehr sein, was unserem Sound eine ganz neue Transparenz verleiht. Wir haben auf jeden Fall eine ganze Menge neuen Stoff und ich kann es kaum erwarten, weiter daran zu arbeiten.

Nun endlich mal ne Tour als Headliner, dazu mit Generation Kill und Dust bolt ebenfalls satte Thrash Granaten im Gepäck. Macht es denn nach all den Jahren noch Spaß, so lange on the road zu sein?

Ja, total!
Obwohl Du auf mich eher den Eindruck eines Familienmenschen machst, der lieber im Vorgarten den Rasen mäht.

Hahaha, ehrlich? Mein Sohn ist erwachsen und ich und meine Frau sind alleine Zuhause, da kann ich schon mal auf Tour gehen, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Außerdem habe ich einen ganzen Haufen Freunde in Europa, die ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen habe und richtig vermisse. Email und facebook ist schon schön, aber persönlich mit nem schönen Bier in der Hand ist schon was anderes. Darum liebe ich es immer wieder auf Tour zu sein.

Morgen geht es zum Schweden Rock. Was ist das für ein Gefühl mit Legenden wie UFO, Kiss oder Rush die Bühnen zu teilen und Bestandteil dieses Billings zu sein?

Oh mein Gott (seine Augen fangen total an zu leuchten) Das ist absolut unglaublich und ein absolutes Highlight für mich. Dennoch liebe ich es genauso, in einem Club aufzutreten und wenn dann auch noch reichlich Leute kommen so wie heute, ist alles im Lot. Hier sind wir Headliner, dort lediglich Opener, was die ganze Geschichte aber keinesfalls schmälern soll.

Welche Gefühle hattest Du oder Ihr alle in der Band als Ihr erfahren habt, dass mit Jeff Hanneman quasi eine der Gallionsfiguren des Thrash Metal gestorben ist?

Das war grausam, ein großer Schock, denn eigentlich befand er sich ja auf dem Weg der Besserung. Ich habe Jeff persönlich leider nie kennengelernt, lediglich Kerry und Tom und kann von ihnen absolut nichts Schlechtes berichten, eher im Gegenteil. Slayer waren und sind ein wichtiger Bestandteil der gesamten Szene und Jeff war ein ganz wichtiger Motor in dieser Maschine. Er war auch viel zu jung, da fängt man schon an, sich über sein eigenes Leben Gedanken zu machen.

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