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GRIMA – Nightside (2025)
(9.380) Patrick (6,0/10) Atmospheric Black Metal
Label: Napalm Records
VÖ: 17.02.2025
Stil: Atmospheric Black Metal
Ich verfolge GRIMA nun schon seit ihrer Zeit bei Naturmacht Records, also seit dem ersten Album. Es sollte weitere acht Jahre dauern, bis ich die Band im Jahre 2023 zusammen mit der Waldorf-Theatergruppe von KANONENFIEBER im Würzburger B-Hof erleben durfte. Mit dabei waren die Schwarzmetaller von ULTAR und nach kurzer Recherche war klar, dass die beiden Hauptakteure und Zwillingsbrüder Morbius und Vilhelm sowohl in GRIMA als auch in ULTAR aktiv sind. Abgesehen von der, mit Pickelhauben besetzten Laienschauspieltruppe, war dies ein absolut herrlicher Konzertabend, bei dem ULTAR als definitiver Sieger hervorging, denn im Gegensatz zur bekannteren Zweitband, gehen die Jungs hier zwar ebenfalls hochmelodisch, aber etwas rabiater und wesentlich schwarzmetallischer zu Werke.
Nach fünf Alben sind GRIMA nun bei Napalm Records gelandet und werden somit erstmals einem wesentlich größeren Publikum vorgestellt. Kritiker und Verfechter der wahren schwarzen Lehre mögen das recht Scheiße finden, aber jeder Musiker möchte seine Band voranbringen und solange sich an der musikalischen Ausrichtung grundsätzlich nichts ändert, geht sowas für mich völlig in Ordnung. Nun, was kann also „Nightside“, Album Nummer sechs aus dem Hause GRIMA.
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Noch während dem recht unspektakulären Intro, manifestiert sich in mir eine Gewissheit, die mich die nächsten knapp 50 Minuten nicht wieder loslassen wird, denn ein fürchterlich klingendes Akkordeon kratzt schon jetzt grenzwertig stark an meinen Nerven und lotet damit ein neues Level an Strapazierfähigkeit derselben aus. Danach legen die Jungs mit „Beyond The Dark Horizon“ einen relativ gemäßigten Start ins Album hin. Treibendes Midtempo beherrscht das Geschehen, welches nur sehr selten durch ein paar Blastbeats aufgelockert werden. Das nachfolgende „Flight Of The Silver Storm“ geht dann wesentlich sinfonischer und hymnischer ins Rennen, bedient sich prinzipiell der gleichen Zutaten und ergibt sich ebenfalls in eher mittelschnellem Tempo. Sofort fällt auf, dass die gebotene Sause handwerklich gut gemacht und musikalisch top umgesetzt ist, aber diese immer wiederkehrende Quetschkommode macht mir mittlerweile echt arg zu schaffen. Mit zunehmender Spielzeit wird mir klar, dass dieser Tastenblasebalg (zumindest im Black Metal) nun wirklich nicht zu meinen liebsten Instrumenten zählt, aber gut…………Augen zu und durch!
Auch „Skull Gatherers“ und das etwas heftigere, mit Blastbeats ausgestattete „Impending Death Premonition“, bei dem es auch herrlich heroischen Klargesang zu hören gibt, kommen leider nicht ohne diese endlos quietschend nervige Begleitung aus und so langsam finde ich diese Tatsache echt Schade, denn der hymnenhafte Black Metal käme durch die, ansonsten zielsicher eingesetzte und wirklich fantastisch melodische Gitarrenarbeit auch ohne die Verwendung dieser nervenzerreibenden Untermalung aus. Ich habe absolut nichts gegen die kitschfreie Verwendung von authentisch folkloristischen Instrumenten, um gegebenenfalls eine entsprechende Stimmung etwas aufzupeppen. Als vollwertiges Leitinstrument, welches jeden Song ausnahmslos zerdudelt ist mir das allerdings wirklich zu viel des Guten. Schade…..manchmal ist weniger einfach mehr.
Am Ende bleibt für mich ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu GRIMA´s neuem Album und dementsprechend macht sich auch irgendwie sowas wie ein kleines bisschen Enttäuschung in mir breit. Gut, GRIMA waren noch nie die alles vernichtenden Krachfetischisten, aber „Nightside“ klingt auch abseits des elenden Akkordeons und im direkten Vergleich zu älteren Alben irgendwie etwas gebremst und fast brav. Black Metal der frostig, finsteren und klirrend kalten Gangart ist hier jedenfalls nicht zu finden. Das hier hat allerhöchstens Kühlschranktemperatur. Vielleicht mag es auch an der wirklich sehr sauberen Produktion liegen, welche evtl. dafür sorgt, dass bei mir keinerlei Stimmung aufkommen will. Dazu noch dieses furchtbare, allgegenwärtige und immer wiederkehrende Schifferklavier. Ne……das war irgendwie alles schonmal besser und stimmiger.
Wie ich es oben bereits erwähnte, sind die Jungs keine Anfänger mehr, sind stehts um gute Songs bemüht und grundlegend ist das alles handwerklich auch wirklich top umgesetzt, aber irgendwie mag der sogenannte Funken auf mich diesmal nicht überspringen. Für mich ist „Nightside“ leider nicht das erwartete Top-Album von GRIMA geworden und ich präferiere hier definitiv die älteren Werke.
Hört bitte rein…..bildet euch selbst ein Urteil. Nur weil sich bei mit etwas Enttäuschung breit macht, muss das ja bei euch nicht auch so sein und wenn euch der Klang eines Akkordeons in ekstatische Begeisterungsstürme versetzt, dann ist „Nightside“ vielleicht genau Euer Album! Checkt es aus!
Anspieltipps: “Impending Death Premonition” und „Curse Of The Void ”
Bewertung: 6,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
- Intro (Cult)
- Beyond The Dark Horizon
- Flight Of The Silver Storm
- Skull Gatherers
- Impending Death Premonition
- Nightside
- Where We Are Lost
- Curse Of The Void
- Mist And Fog
- Outro (Memories Of A Forgotten Home)