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GRÀB – Kremess (2025)
(9.390) Maik (7,9/10) Black Metal
Label: Prophecy Prod.
VÖ: 21.02.2025
Stil: Black Metal
Da es draußen immer noch schweinekalt ist, passt frostiger Black Metal gerade gut. Passenderweise haben GRÀB aus Bayern gerade ein Scheibchen auf der Pfanne, welches mich mit derartig knarzigem Stoff versorgt.
Das Zweigestirn, welches unter den Pseudonymen Grànt und Gnást agiert, steht schon mit dem zweiten Album auf der Matte. Der Scheibling nennt sich „Kremess“, und da stehe ich deutungsmäßig mal wieder im tiefverschneiten Wald. Gesungen wird wohl in einem breiten bayrischen Dialekt, wenn ich die Songtitel richtig deute. Mit anderen Worten, man versteht nix. Gut, bei dem typischen Schwarzmetallgesang wäre das auch auf hochdeutsch vorgetragen verwunderlich.
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Schon beim Opener fühle ich mich ein wenig an SATYRICON erinnert, und zwar an die frühen Sachen, als sie die knarzige Schwarzwurzelzieherei noch mit episch anmutenden Melodien verzierten. Gegen Ende des Songs fühlte ich mich dann eher an DAUÞUZ erinnert, da nun ein gepresster Klargesang hinzukommt. „Waidler“ ist also schon mal ein cooler Einstieg.
Der Titelsong beginnt etwas getragener, mitleichten Dissonanzen versehen, vom Rhythmus würde ich HADES ALMIGHTY heraushören, nur eben etwas frostiger, denn der kratzige Black Metal-Gesang von Grànt hat doch leichte Parallelen zu SATYRICONs Satyr.
Der Band-Erstling „Zeitlang“ fand damals ziemlichen Anklang in der Black Metal- Gemeinde. Ob der Band mit „Kremess“ dasselbe gelingt, wird sich allerdings zeigen. Das Album hat einige großartige, wenn auch nicht weltneue, Momente, gerade im Song „Im Hexnhoiz“, wo es anfangs richtig fies böse zur Sache geht. In der zweiten Hälfte des Songs wird es ruhiger, ja fast verträumt mit spanisch anmutender Akustikgitarre und Streichern unterlegt. Und gegen Ende wird es gar episch-hymnisch.
Regelrecht folkmäßig wird es bei „Vom Gråb Im Moos“ welches mit untypischen, fast verträumt wirkenden Pianoklängen und Gitarrenharmonien unterlegt ist. Dennoch wirkt das Stück düster, kalt und unheimlich.
Mit „Deifeszeig“ geben GRÀB mal etwas Gas. Das ist dann auch der kürzeste Song des Albums. Ansonsten haben die Tracks nämlich eine exorbitante Länge. Bei besagtem Track kommt eine weitere Gesangsfacette hinzu, welche an die Darbietung von Attila Csihar auf dem MAYHEM- Album „De Mysteriis Dom Sathanas“ erinnert.
Das Instrumentalstück „Waldeinsamkeit“ strahlt eine archaische Verträumtheit aus, wirkt eher beruhigend und fast sphärisch. Das lässt den Zuhörer etwas runterkommen, bevor mit „Dà Letzte Winter“ der frostige Geselle den eisigen Schlussakkord zelebriert. Dass dieser letzte Winter sich ziemlich hinziehen kann, zeigt schon die gewaltige Spieldauer von mehr als elfdreiviertel Minuten. Passend kalt, frostig und regelrecht lähmend zieht sich das Stück fast quälend bis zum Ende.
Wie gesagt, „Kremess“ ist ein traditionelles Black Metal- Werk, welches Folk-Elemente einbaut und auch mal über den Tellerrand schaut. Parallelen zu frühen SATYRICON hatte ich ja schon genannt, auch ULVER und teilweise ENSLAVED könnte man heraushören, wenngleich GRÀB nicht wirklich diese Bands kopieren. Die Gesamtstimmung ist eher getragen tiefgekühlt, erzeugt eine frostig unwirtliche Atmosphäre und schwelgt anschließend darin, bis zum Kältetod.
Anspieltipp: „Waidler“ und „Im Hexnhoiz“
Bewertung: 7,9 von 10 Punkten
TRACKLIST:
01. Waidler
02. Kremess
03. Kerkermoasta
04. Im Hexnhoiz (A Weihraz-Gschicht, Kapitel Oans)
05. Vom Gråb Im Moos (A Weihraz-Gschicht, Kapitel Zwoa)
06. Deifeszeig
07. Waldeinsamkeit
08. Dà letzte Winter