12. - 14.07.2012 - Ballenstedt

Hier ist er also, der Premierenbericht! Das erste Mal Rock Harz und ich war gespannt, wie sich Ballenstedt und das Gelände präsentieren würden. Dazu noch der zu erwartende Aufstieg auf den großen Gegenstein, ein saufettes Billing und furchtbares, im Vorfeld prognostiziertes Rotzewetter. Dennoch ließen wir uns die Laune nicht verderben, luden unsere Klamotten ein und machten uns am Donnerstagmorgen auf den Weg in den knapp 220 Kilometer entfernten Ostharz. Bereits auf der Fahrt gab es Starkregen, Sturmböen und die Laune sank rapide, obwohl meine bessere Hälfte permanent die Parole ausgab: Das Wetter wird besser! Tja…Pustekuchen! Auf dem Platz angekommen war zwar das Wasser von oben weg, doch der Wind wurde heftiger.
In einer kleinen Pause bauten wir daher den neuen Pavillon auf, der die Nachfolge des beim With full force Zerfetzten antreten sollte…und wir stellten einen absoluten Weltrekord auf: nach sage und schreibe 5 Minuten war auch dieses Teil Geschichte und auf dem direkten Luftweg in Richtung Magdeburg unterwegs. Da half auch nicht die tatkräftige Unterstützung von Petra und Ralle von Radio Dark Dimensions aus Hamburg, die uns dann auch noch freundlicherweise ihr Vorzelt als Unterschlupf anboten. Danke nochmals hierfür. Dementsprechend war auch erstmal mit dem Grillen Essig und wir mussten warten, bis um halb Zwei die Pforten geöffnet werden sollten. Doch ein erneut einsetzender Regenguss (Fuuuuuuck) verschob das Ganze, so dass erst pünktlich 14 Uhr die feierwütige Meute auf das ziemlich verschlammte Gelände gelassen wurde. Dementsprechend wurden bereits einige Bierchen angelupft und so langsam, die Lampen angeschaltet.
Donnerstag

Aufgrund des verspäteten Einlasses hatten Drone aus meiner alten Heimat Celle einen denkbar beschissenen Start, denn just in dem Moment als die Menge auf das Gelände stürmte, begannen die Niedersachsen ihren 40minütigen Set vor leerem Feld, welches sich dann aber zusehends füllte. Selbst der Regen hatte plötzlich ein Einsehen und sogar die gelbe, Wärme spendende Scheibe guckte auch mal durch die graue Wolkendecke, so dass Mutz, Felix, Marcello und Fabian doch reguläre Bedingungen vorfanden. Der Sound auf der Rock stage war saufett, das Stageacting bewegungsfreudig und selbst in Ermangelung von Songkenntnissen gingen die Leute mehr als gut mit. War auf jeden Fall ein mehr als guter Einstand.

Bei den Hannoveraner/Alfeldern von 5ft high&rising fing es erneut etwas an zu tröpfeln, was allerdings das Partyvolk nicht abhielt, die Jungspunde kräftig abzufeiern. Mir persönlich fehlte es ein wenig an Eigenständigkeit, denn musikalisch war der Post Hard/Hüpfcore Sound etwas zu sehr an bekanntere Bands angelehnt. Technisch ist der Fünfer allerdings sehr versiert und wenn man den eigenen Sound in Zukunft ein wenig modifiziert, kann die Attacke auf die Szenegrößen wie Caliban oder Callejon ohne große Ängste in Angriff genommen werden.

Mit die weiteste Anreise hatten Red Fang, denn die Rocker kommen aus Portland, Oregon und konnten mit ihrem etwas stonigen Rock durchaus begeistern. Ich persönlich freute mich jedenfalls riesig, „Wires“ mal live zu hören, denn der Song kracht gewaltig. Leider schien das Publikum nicht ganz in der Laune für die melancholisch angehauchte Melodienflut, denn mehr als Höflichkeitsapplaus war leider nicht drin, obwohl gerade Frontmann und Gittarist Bryan Giles immer wieder zum mitmachen animierte. Das sah dann auf der Dark stage ganz anders aus, denn die bereits seit 1995, mit einer kleinen Unterbrechung aktiven Voerder von Night in gales rockten gewaltig mit ihrem melodiösen Death Metal und die Meute ging mächtig ab. Leider fand ich den Sound ziemlich dünn, doch im Verlaufe des Sets machte mir das gar nichts mehr aus. Letztmalig sah ich die Jungs irgendwann Anfang des Jahrtausends mit God dethroned und schon da gefiel mir die Mischung aus schnellen und ruhigeren Passagen wie bei „This neon grave“ von wirklich famosen „Comeback“ Album „Five scars“ mehr als gut. War nen toller Auftritt, ein klasse Publikum und ne gute Show. Daumen hoch!
Nun aber die grobe Thrash Keule, denn Municipal waste aus Richmond sollten das Gelände verwüsten, was ihnen aufs vortrefflichste gelang. Kein Wunder, hat der Vierer ja auch grade mit „The fatal feast“ einen extrem fetten Thrash Brocken veröffentlicht, der zum totalen Moshen mehr als animiert. Der Kollege neben mir konnte sogar fast alle Texte mitbrüllen und der Circle Pit rotierte heftigst. Selbst ich drehte zu Krachern wie „Repossession“ oder „The art of partying“ zwei Runden und erfreute mich danach in aller Ruhe an der fetten Performance der Amis, bei dem vor allem die Klampfe von Ryan Waste hervorstach. Neon Gelb, unten M, oben W. Was für ein Costum Geschoss…hervorragend! Nach einer viel zu kurzen Dreiviertel Stunde war dann Schluss und MW hinterließen eine riesige, kreisrunde Mulde vor der Bühne. Klasse!
Mit Tanzwut kam nun das absolute Kontrastprogramm zum vorherigen Thrash Overkill, doch Teufel und seine Kumpanen hatten mächtig Spaß inne Backen, traten gut Arsch und konnten mit ihrem Mittelalter-Rock viele Anwesenden begeistern. Ich persönlich fand ihn mit Corvus Corax stärker, doch auch mit seiner neuen „alten“ Kapelle hat der Berliner immer noch den Schalk im Nacken und brillierte mit guten und eloquenten Ansagen. Hat Laune gemacht, doch wir gingen bereits recht früh zu den Emil Bulls, die dann auch fulminant mit „Epiphany“ in ihren Gig starteten.
Nun gab es kein Halten mehr. Vor der Bühne war es gerammelt voll und die Münchner ließen sich nicht lumpen und ballerten einen saugeilen, mit vielen Hits gespickten Set herunter, wobei natürlich „The jaws of oblivion“, welcher aus den meisten Kehlen mitgebrüllt wurde, das Highlight markierte. Die Pits wurden heftiger und leider auch gewalttätiger, woran diese verkackten Kids schuld sind, die ohne Rücksicht auf alles treten, was ihnen im oder vor dem Weg steht. Wenigstens flog einer von ihnen so derbe auf die Fresse, dass ich ihn spät abends bei den Sanis wiedersah, die genau neben unserem Campingplatz ihre Zelte aufgebaut hatten. Daran hatten die Emil Bulls natürlich keine Schuld. Vorzuwerfen wäre ihnen nur, dass sie einen mehr als genialen Gig spielten und somit die Massen in Bewegung brachten…und da ist an sich nichts Schlimmes bei.

Auf Peter Tätgren und seine Pain freute ich mich richtig, denn live hatte ich die Jungs noch nie gesehen…und ich wurde nicht enttäuscht. Ein satter Sound, Tätgren stilsicher in Zwangsjacke und eine richtig fette Setlist, wobei mein absoluter Lieblingssong „Dirty woman“ natürlich nicht fehlen durfte. Da kam richtig Freude auf und das Publikum honorierte diesen tollen Auftritt mit frenetischem Applaus, welchen Oomph als nächstes auch bekamen, wobei ich allerdings fragen muss, warum? Die Songauswahl war schlecht, die großen Hits blieben außen vor, einzig „Augen auf“ fand den Weg in die Setlist, die Band schien relativ unmotiviert und der Sound war ebenfalls mehr als dürftig. Dennoch wurden die Niedersachsen abgefeiert. Keine Ahnung, wieso…

Sepultura stattdessen zeigten, wie man so richtig die Masse rockt, vor allem wenn man bedenkt, das fast ausschließlich Songs zum Einsatz kamen, bei denen geschätzte 70% der vor der Bühne Versammelten noch gar nicht auf der Welt waren. „Escape to the void“ von „Schizophrenia beispielsweise. Unfassbar geil! Aber auch alle anderen Hits waren dabei: „Desperate cry“, „Beneath the remains“ oder „Refuse/Resist“…es war ein herrliches Potpourri großartiger und zeitloser Klassiker und ein Auftritt, der zu Recht als legendär zu bezeichnen ist. Ich neige mein Haupt!

Da meine bessere Hälfte unbedingt ihrer Zweit-Lieblingsband nahe sein wollte, drängten wir in Richtung Bühne und fanden tatsächlich einen Platz in der ersten Reihe, um uns den Auftritt von Hatebreed reinzuziehen, die dann auch mit einem gut aufgelegten Jamie Jasta Ballenstedt in Rage brachten. Der Pit wurde ziemlich heftig und so ein kleines Wikinger Männchen wollte mir an die Wäsche. War schon lustig…1,60 Meter, weit aufgerissene Augen und voll aggro…und ick musste herzhaft lachen. Egal. Der Sound war bombe, die Songs sowieso und wenn nicht mitten im Set für 40 Minuten der Strom ausgefallen wäre, hätte dies ein tierischer Triumphzug werden können. Doch Niemand zeigte sich dafür verantwortlich, mal eine Info an die Fans zu geben und somit war Warten angesagt. Als es dann weiterging war anfangs der Schwung ein wenig weg, der aber dann spätestens beim abschließenden „Destroy everything“ wieder kehrte. Allerdings ist Ballenstedt nicht Roitzschjora und das Rock Harz nicht das With full force, denn das Publikum reagierte doch etwas zurückhaltender und pflügte den Flugplatz nicht ganz um. Scheiß drauf…ich hörte trotzdem an diesem Abend und dem darauffolgenden Tag häufig aus vielen Kehlen: Born to bleed fighting to succeed Built to endure what this world throws at me…
Natürlich hatte es der Herner Express danach etwas schwer, dochRage wären nicht Rage, wenn sie immer wieder alle Zweifler Lügen strafen würden. Heavy, tonnenschwer und mit einem hypergeilen Sound ausgestattet hatten Peavy, Andre und Victor leichtes Spiel mit den allerdings jetzt etwas ausgepowert wirkenden Leuten vor der Bühne. Doch alleine das Gitarrenspiel von Herrn Smolinski war es zu verdanken, dass alle meine Sinne hellwach waren. Es ist immer wieder erstaunlich und bewundernswert, wie es drei Mann schaffen, solch eine Soundwand aufzufahren, was manch andere Combo selbst mit 6 Mann nicht schafft. Es war (wie immer) ein großes Vergnügen! Tag Eins also vernünftig über die Bühne gebracht, trotz anfänglicher Probleme. Die Bands waren bis auf gaaanz wenige Ausnahmen klasse und dem Catering im Backstage Bereich gebührt höchste Anerkennung. Ne riesige Bratwurst für einen Euro, Schnitzel/Pommes 2,50€ und geschmeckt hat’s auch. Security supernett, tolle und mehr als nette Leute kennengelernt, kurze Wege und geregnet hatte es dann auch nicht mehr. Hervorragend. Auf zum nächsten Tag. Freitag Nach einem ausgedehnten Schläfchen und einem Prasseln auf dem Zelt dachten wir uns: Warum im Regen am Duschcamp anstehen? Also ab ins Auto, nach Quedlinburg um dort festzustellen, dass das dort ansässige Schwimmbad erst ab 14 Uhr geöffnet hat. Wat nu sprach Zeus? Ab nach Halberstadt und dort in einer zauberhaften Sauna-und Badelandschaft ausgiebig geduscht und seine Notdurft…naja…Dixies sind halt für den Arsch. Bei der Pfandabgabe merkten wir, dass wir am Vorabend doch mächtig Gas gegeben hatten. Also Biervorräte aufgefüllt und ab zurück nach Ballenstedt, um endlich den großen Gegenstein zu erklimmen.
Und das war gar nicht so einfach, denn was von unten leicht aussieht, entpuppte sich beim Aufstieg als ziemlich strapaziös, vor allem wenn man noch Restalkohol mit sich herumschleppt. Doch meine Freundin schleifte mich hoch und somit kamen wir in den Genuss einer überragenden Aussicht über den Ostharz und das Festivalgelände. Lediglich das Anzünden einer Erholungskippe geriet zu einer schier unlösbaren Aufgabe, denn es war windig…fast schon böig, was allerdings den immensen Vorteil hatte, dass somit die fiesen Regenwolken, die sich permanent am Horizont zeigten, einfach weggeblasen wurden. Formidabel! Nun aber wieder Musike…
Der heutige Tag war bereits im Vorfeld der für mich schwächste und sollte es, bis auf wenige Ausnahmen auch bleiben. Allerdings war der Anfang mit The foreshadowing ziemlich gut, denn die Römer sägten ein gutes Brett und waren doch nicht so Gothic Doom lastig, wie ich im Vorfeld befürchtete. Vielmehr brummte es gar gewaltig und die Songs des aktuellen Albums „Second world“ sorgten für viel Beifall. War ein guter Start in den Tag. Die Schweden von Sterbhaus allerdings trübten dann sogleich den guten Eindruck, denn die vorab so interessant anmutende Death/Thrash Kombination des Trios zündete bei mir zu keinem Zeitpunkt und daher verzog ich mich in den VIP Bereich, um dort ein wenig am ersten Gerstentee des Tages zu nippen. Das hätte ich auch mal weitermachen sollen, denn was die Massen an Djerv finden und fanden wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Musikalisch sind die Norweger ja ganz ok, aber wenn Frollein Kjølsrud die Lungenflügel beatmet und losbrüllt, ist dunkeltuten angesagt. Auweia, furchtbar! Doch den Anwesenden schien es zu gefallen, was nach dem Gig die CD Verkäufe am Merchstand bewiesen, wo die Frontfrau selbst Hand anlegte…und beim Verkauf half…(Ihr Ferkel!). Kurioserweise konnten die Dänen von Malrun meine Laune danach erheblich bessern, obwohl mir dieser krude Alternative/Metal Mix auf Platte ziemlich auf die Nuss geht, doch live ging das richtig gut ab. Respektabel, fanden auch die Zuschauer, die in jeder Pause frenetisch jubelten. Oder war das doch anders gemeint?
So richtig überrascht war ich, als die Menschenmassen gegen 14 Uhr vor der Bühne immer dichter wurden, denn solch einen Zuspruch hätte ichEngel nicht zugetraut. Schon gar nicht, da die Schweden ohne ihren Namensgeber Niclas Engelin auf der Bühne standen und die komplexen Songs mit einer Gitarre sicherlich ziemlich dünn klingen würden. Irrtum! Die Jungs waren tight wie Sau und rockten amtlich und obwohl ich „Blood of saints“ für ein richtig schlechtes Album halte, muss ich eine Lanze brechen und Engel einen richtig guten Auftritt bescheinigen. Den hatten XIV Dark centuries in meinen Augen leider nicht, denn der Thüringer Sechser krankte unter einem saudünnen Sound, der den spielerischen Fähigkeiten der Heiden zu keiner Zeit gerecht wurde. Ich mag die Jungs unheimlich gerne, wie auch die Masse an Leuten, die mächtig feierten, doch für diese metallische Spielart muss mehr Sound kommen, wofür die Band ja beileibe nichts konnte. Es war ok. Hätte aber weitaus besser sein können. Meinen Hut ziehe ich vor Tuomas Saukkonen, der nun mit Black sun aeonden ersten Teil seiner heutigen Doppelbelastung absolvieren und später mit seiner Hauptband Before the dawn ein weiteres Mal die Bühne entern sollte. Diesmal war der Sound richtig brutal und unterstrich die derbe Note des finnischen Instrumentalwunders. Leider interessierte die Leute dieser wirklich famose Auftritt recht wenig, denn die meisten positionierten sich bereits für der Berliner Coppelius, die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte und später auch wusste, warum. Dieser Mix aus Klavier, Klarinette, Cello und Kontrabass geht gar nicht und hört sich einfach nur gruselig an. Geschminkt wir anno dunnemal, mit Gehrock und Vatermörder ausgestattet klamaukten sich die fünf Musiker mit einigen Helferlein durch ihre 45 Minuten, begeisterten das zahlreiche Publikum und entgeisterten den Verfasser dieser Zeilen. Grundgütiger!
Nun aber zum ersten großen Highlight des Tages, denn Alex Kraft und seine Dezperadoz enterten die Bühne und bliesen zum großen Viehtrieb. Die Mikroständer stilecht mit Galgenstrick und Winchester ausgestattet, Alex beim Soundcheck und Flachmann in dem sich, wie er mir danach glaubhaft versicherte, kein Pfefferminztee sondern Bowmore befand, authentische Klamotten und mit „Under the gun“ einen mehr als fetten Opener. Großartig! Markus Kullmann verprügelte sein Kit, dass der gesamte Drumriser wackelte, Basser Alex Weigand und Gitarrist Nils Stuerzer waren permanent unterwegs, vor der Bühne war es voll…so muss das sein! Der Sargmacher nahm Maß, bei „Saloon No.10“ bekam Cowboy Kraft eine Flasche auf den Hinterkopf und Nils ballerte mit seinem Colt in der Gegend rum. Dazu noch Coverversionen von den Doors („Riders on the storm“), „Raw hide“ und natürlich zum Abschluss den Johnny Cash Klassiker „Ghostriders in the sky“, bei dem sogar 10 Minuten nach Ende des Gigs die Leute noch mitsangen. Freunde, das war gaaaanz großer Fußball und ein Sieg auf der ganzen Linie. Die Dezperadoz sind einzig, aber nicht artig! Nun also Toumas Saukkonen zum Zweiten mit Before the dawn…und es knallte gewaltig! Mit dem fantastischen „Rise of the phoenix“ im Gepäck, legten die Finnen musikalisches Feuer und spielten einen sauharten, schnellen und recht ungewöhnlichen Set. Klar kamen auch mal etwas melancholischere Nummern, doch das Hauptaugenmerk lag ganz klar auf Tempo und Heavyness. Ich fand’s geil, der Rest auch. Sauber!
Bei Primordial macht man bei mir absolut nichts falsch, denn ich mochte und mag die Iren immer. Alan ist einfach ein großartiger Frontmann und die Songs killen sowieso. Allerdings habe ich in letzter Zeit festgestellt, dass der düstere Sound im Club einfach besser rüberkommt, als Open Air in der Sonne. Jaaa…Sonne!!! „As rome burns“ und das obligatorisch abschließende „Empire falls“ killen einfach. Großartiger Gig, tolles Publikum und eine Band in absolut bester Spiellaune! Doch meine gute Laune wurde jäh getrübt, denn nun gab es verstärkten Trällerelsenalarm in Form von Epica. Ich habe die Band wirklich mal mehr als geschätzt, doch mittlerweile geht mir das Geschreie von Simone Simons völlig auf den Geist. Ging vielen im VIP Bereich so, denn fast überall sah man gequälte Gesichter und der Bierkonsum stieg beachtlich.

Leider ging es hässlich weiter, denn Paradise Lost sind in meinen Augen live ein Witz. Das war ganz übler Popmetal, Chöre vom Band, kaum Bewegung, einfach saulangweilig. Kaum einer weiteren Erwähnung wert, wie auch ASP. Die Frankfurter haben eine mächtige Fanbase, wie man auf dem Gelände schon im Vorfeld erkennen konnte und fuhren mächtige Flammensäulen und reichlich Zinnober auf. Ich hingegen gesellte mich schon so langsam zu den Leuten, die auf den Start von Blind Guardian warteten.

Und das Warten hatte sich mehr als gelohnt. Ein toller Sound und vor allem eine mördermäßige Setlist. Neben den üblichen Bekannten kramten die Krefelder sogar „Majesty“ vom ersten Album aus der Schublade, bei dem ich Putenpelle am ganzen Körper hatte. Allerdings ließ die Sangesleistung beim „Bard’s song“ etwas zu wünschen übrig…egal. „Valhalla“, „Time stand still (at the iron hill)“, „Imaginations from the other side“ oder das abschließende„Mirror, mirror“…das war große Kunst und hat tierisch Spaß gemacht…obwohl meine Freundin die ganze Zeit mit frustrierter Miene neben mir stand, da sie mit den Fantasy Metallern so rein gar nichts anfangen konnte. Also…wir sehen uns dann nach der Pause, den die blinden Gardinen nach diesem Gig antraten, in 2014 wieder!

Bei den Deathstars allerdings erhellte sich ihr Gesicht dann wieder ein wenig, selbst als es erneut anfing zu nieseln. Im Vorprogramm von Rammstein als gut befunden, konnten diesmal die Schweden bei mir nicht so zünden, was vor allem an den permanenten technischen Aussetzern lag und die Band gleich mehrere Songs neu beginnen musste. Nee, dann doch lieber noch nen Frischgezapftes, bevor mit Paul Di’Anno eine lebende Legende die Bühne betrat und mit „Wrathchild“ gleich einen fulminanten Einstieg schaffte. Blöd nur, dass die meisten der jüngeren Anwesenden gar nicht wussten, mit wem sie es da zu tun bekamen. Das war ein Trip weit in die Vergangenheit und trotz des immer stärker werdenden Regens hielt ich bis zum Ende durch und war begeistert!
Der morgendliche Blick aus dem Zelt verhieß nichts Gutes, denn diesmal war noch nicht einmal ein kleiner heller Fleck am Himmel auszumachen. Die Wetterprognose war ebenfalls für’n Allerwertesten und somit fuhren wir erstmal nach Quedlinburg, wo das alterwürdige Schwimmbad heute die Pforten geöffnet hatte. Großartig! Noch ein schönes Frühstück eingefahren und flugs zurück, denn ab 11 Uhr sollte es weitergehen mit einem exotischen und großartigem Highlight.
Chthonic aus Taiwan standen auf der Rock stage und es war mehr als erstaunlich, dass sich zu solch früher Stunde bei einer für Viele recht unbekannten Band schon so viele Leute einfanden. Kein Wunder, bekamen sie doch einen energiegeladenen Gig mit der bezaubernden Bassisten Doris zu sehen und zu hören. Es ballerte aus allen Rohren und der Dimmu Borgirangehauchte Black/Death Metal der Exoten verfehlte seine Wirkung nicht. Erstaunlich war, dass hinter der Schießbude scheinbar ein Aushilfsdrummer saß, der nach jedem Song erstmal nachlesen musste, was er zu spielen hatte. Merkte man aber überhaupt nicht, denn der Kerl machte seine Sache hervorragend, wie die gesamte Band. Schade nur, dass die Erhu-Künste von Sänger Freddy nicht herauszuhören waren, denn ich liebe dieses Instrument. Fazit: Das war richtig geil.

Die englischen Extremisten von De Profundis mussten sich also mächtig strecken, um an diese Hammerperformance heran zu kommen, was ihnen erwartungsgemäß nicht gelang. Selbst eingefleischte Fans der Band hatten so ihre Schwierigkeiten mit dem Set der Jungs von der Insel, die ziemlich viel Material von ihrem neuen Album „The emptiness within“ im Gepäck hatten, welches gerade mal ein paar Tage vorher veröffentlicht wurde. Mir gefiel’s gut, aber ich mag ja auch Blutwurst…und Gulasch, was allerdings zur Folge hatte, dass ich bei der Hälfte des Gigs der Letten von Skyforger, die ich sehr schätze, ziemlich flink die Plumpsklos aufsuchen musste und somit leider nicht in den kompletten Genuss dieser erneut geilen Show der Paganmeister kommen konnte. Doch was ich vorher sah, war erneut aller Ehren wert.

Gernotshagen setzten (natürlich) auf den „Weltenbrand“, dem Titel ihres aktuellen Albums. Leider war auf der Dark stage erneut der Sound ziemlich dünn, so dass der eigentlich zu erwartende Musikschmaus der Thüringer mehr zu einem Imbisstrip wurde. Ich positionierte mich bereits vor der Rock stage, um gleich darauf mit Betontod eine richtig fette Rock’n’Roll Party zu feiern. Warum die Jungs nach 5 Studio-, 2 Livealben, unzähligen EP’s und extrem vielen Konzerten immer noch nicht den richtig großen Durchbruch geschafft haben, ist mir ein Rätsel. Ok, das letzte Album „Antirockstars“ fand sich auf Platz 28 der nationalen Charts wieder und dennoch ist ihnen der hiesige, richtig große Erfolg bislang verwehrt worden. Doch das war mir und den enormen Menschenmassen vor der Bühne scheißegal, die die Rheinberger komplett abfeierten. Bei dem mitgröhltauglichen Deutschrock auch kein Wunder und somit avancierte „Keine Popsongs“ zu einem der besten Songs des gesamten Tages.

Diesen Erfolg hätten die veganen Metalcoreler Deadlock auch gerne vorzuweisen, doch wer statt „Voll-auf-die-Zwölf“-Mucke aus dem Bauch lieber mit einem Haufen Technik die Massen zu begeistern versucht und sich dann wundert, warum die auch mal ausfällt, braucht sich nicht zu beschweren. Als mal wieder Stille vor der Bühne und nichts zu hören war, kamen die Besucher auf die Idee, nach einem Schlagzeugsolo von Tobias Graf zu verlangen, was allerdings Sänger John Galert mit den Worten „Der kann das gar nicht“ ziemlich peinlich abbürstete. Jaja…manche können halt nicht ohne technischen Hokuspokus.

Nachdem ich mich mit dem Morgoth Basser Soti auf einen längeren Plausch getroffen hatte, zogen wir vor die Bühne, um den ursprünglich mal aus Berlin stammenden und nun in der Schweiz ansässigen The ocean unsere Aufwartung zu machen. Mächtig tätowiert bollerte sich der Fünfer durch ihren ziemlich fetten Slowmo Core, der richtig zu gefallen wusste. Da allerdings der während Deadlock bereits eingesetzte Regen sich erneut anschickte wiederzukehren, verzogen wir uns kurz, um so langsam für die letzte, aber heftige Runde beim diesjährigen Rock Harz Luft (und Bier) zu holen.

Komischerweise waren Suidakra frisch, ausgeruht und richtig heftig, obwohl man zuvor Indien und Brasilien live beackerte und sicherlich noch nicht auf mitteleuropäische Sommerzeit geeicht war. Jedenfalls war von Ermüdungserscheinungen bei Arkadius und seinen Mannen nichts zu spüren und der begeisternde Gig wurde allenorten kräftig gelobt und entsprechend abgefeiert. Das Gleich passierte auch bei den Färingern von Tyr, die ja letztes Jahr aufgrund technischer Probleme abbrechen mussten und in den verschiedenen Foren aufs Heftigste gefordert wurden. Heri und seine Mannen bedankten sich dementsprechend, rollten einen roten Teppich an Hits aus, welcher fulminant mit „Shadows of the swastika“ seinen Anfang fand. Warum sich allerdings Gitarrist Terji die Matte abgeschnitten hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Was alle Welt (und die Massen vor der Bühne) an den fränkischen Powermetallern von Freedom call findet, kann ich seit deren Debüt „Stairway to fairyland“ nicht verstehen und nachvollziehen. Ich mag gut gemachten und mit Keyboards unterlegten Stark-Metall, doch das hier war einfach nur strunzlangweilig und wenig inspirierend, weshalb ich mich frühzeitig in Richtung Lacuna Coil aufmachte.
Und die Italiener rund um ihre bezaubernde Frontfrau Christina Scabbia hatten einen Mordsbumms und eine exzellente Songauswahl, bei der mir mein persönlicher Favorit „Our truth“ am besten gefiel. Natürlich ging das das schon fast obligatorisch abschließende „Spellbound“ ebenfalls mächtig steil und ich hatte eine Unmenge an Spaß, was ich bei den darauffolgenden Morgoth von vornherein wusste.
Mit „Burnt identity“ startete der Death-Express in seine 50minütige Rundreise, bei der natürlich auch Klassiker wie „Pits of utumno“, „Sold baptism“, „Body count“ oder „Suffer life“ zum Zuge kamen. Der Sound war fett, Basser Soti rotierte wie ein Propeller, Marc Reign trommelte präzise wie ein Uhrwerk, Marc Grewe fauchte, keifte und schüttelte sein Mikro wie einen Instant Milschshake, lediglich die beiden Klampfer Sebastian Swart und Harry Busse hatte einen Aktionsradius wie ein Bierdeckel, was allerdings nicht weiter ins Gewicht fiel. Leider war der Fanzuspruch nicht ganz so groß, wie seinerzeit beim Party San, doch vielleicht war das junge Publikum einfach nicht reif, für diese wirklich erneut großartige oldschool Death Metal Keule. Da ich noch nie ein großartiger Arch enemy Fan war und es auch nie werde, beobachtete ich das Treiben in Ruhe von der Seite, da ja gleich Knorkatordie Bühne entern sollten, auf die ich mich schon Wochen vorher diebisch freute. Allerdings konnte die amerikanisch/schwedische/deutsche Kooperation tierisch abräumen und die wirklich beachtlichen Massen feierte die Band gnadenlos ab. War ja auch irgendwo ok…doch nun sollte das ultimative Highlight folgen.
Die Masse drängte, schubste und schob sich wogend hin und her und es so voll vor der Bühne, wie das gesamte Wochenende niemals zuvor, als Knorkator dann die Bühne betraten. Eine unfassbare Energie entwickelte sich von da an, Crowdsurfer prasselten auf uns hernieder und die Massen an Fotografen, die von Stumpen nach der Eröffnungsnummer komplett auf die Bühne geholt wurden, mussten bereits nach Song 1 das Feld räumen. Die Stimmung uferte komplett aus und als optisches und musikalisches Schmankerl holten sich die Köpenicker mit Black thunder Frontfrau Jen Majura einen Augen und Ohrenschmaus mit auf die Bühne, die gitarrentechnisch Buzz Dee unterstützte, der erneut mit einem farbenfrohen Outfit und der üblichen Lethargie glänzte. „All that she wants“, „Ma baker“ und das geniale „Wir werden alle sterben“ waren nur ein Teil einer fantastischen Rundreise durch das knorkatische Paralleluniversum, bei dem erneut Stumpen mit einem Sprung auf zehn etwas beleibtere, ältere Männer, die auf der Bühne in einer Reihe lagen, glänzen konnte.

Alf Ator wie immer im gelben Gewand musste dann zum Schluss mit dem Verlust einer Keyboards leben, welches vom volltätowierten Irrwisch ebenso zerlegt wurde, wie die Gitarre von Jen. Als der Gig, der vom Bühnenrand von vielen Musikern mehr als interessiert begutachtet wurde, sich dem Ende neigte, sagte Stumpen: „Jedes weitere Lied kostet uns als Strafe 5.000€…wir spielen noch 3“ und feuerte die bereits völlig ausufernde Stimmung noch weiter an. Als dann der erneut viel zu kurze Gig vorbei war, herrschte seltene Einigkeit unter den Festivalbesuchern: Das war das absolute Highlight in jeglicher Hinsicht!

Da mir meine Knochen nun ganz schön wehtaten, gab ich mir Amon Amarthnur dezent vom Bühnenrand und war ein wenig entsetzt, wie unmotiviert die Wikinger schienen. Zugegeben, Songs wie „Death in fire“, „The persuit of vikings“, „Twilight of the thunder god“ oder das abschließende „Guardians of Asgard“ sind Monsterhits, die mich heute allerdings nicht sonderlich umhauten. Irgendwie schien es auch bei weitem nicht mehr so voll wie vorher bei Knorkator und somit positionierte ich mich bereits vor der anderen Bühne, um mit Moonsorrow die vorletzte Band des Festivals zu sehen, die dann auch blutbesudelt mit einem erneut hammergeilen Sound den Abschied einleiteten. Hier passte alles, das Zusammenspiel, die Musik, der Sound, klasse! Aber man merkte nun an den Reaktionen im Publikum, dass nun langsam die Übersättigung und Müdigkeit Oberhand gewannen, so dass dann beim Rausschmeißer The other schon etwas Zuschauerschwund feststellen konnte…und das obwohl die Nordrhein Westfalen tierisch rockten und mit „Puppet on a string“ einen hammergeilen Song vom neuen Album „The devils you know“ präsentierten. Die die da waren, waren begeistert. Für alle Anderen…ihr habt echt was verpasst.

3 feucht fröhliche Tage, von innen sowie auch von außen. Richtig geniale Bands, keinerlei Überschneidungen, ein tolles Gelände, saucoole Security, günstiges Bier, tolles Essen. Freunde der Nacht, bis nächstes Jahr zum Zwanzigsten…wir freuen uns jetzt schon!!!

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