Es war Kunst, irgendwie zauberhaft, aber es war spät und ich bin Banause

07. bis 09. Junli 2016 – Torgau @ Entenfang

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Der Bühnenbetrieb startete am Samstag wieder pünktlich 13:00 Uhr, um die letzten verschlafenen Gestalten aus ihren Zelten und Wohnwagen zu locken. Prowler aus Leipzig haben diese Aufgabe mit ihrem 80er Jahre Heavy Metal (inkl. Zebralegging) zuverlässig erfüllt. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen – eine Tradition auf dem In Flammen. Eine lange Tafel aus Bierbänken wurde aufgestellt und jeder konnte sich bedienen. Metalheads sind eben eine große Familie, die hier eine Gartenparty feiern – nicht mehr und zum Glück auch nicht weniger als das.

So langsam wurde es aber schon voll vor der Bühne und wenn Leute ein knallrotes Gummiboot, Konfetti, Klobürste und Pittiplatsch anschleppen, wird klar: es ist Zeit für Grind. Man könnte meinen, der Moshpit von Cytotoxin wäre das unterhaltsamste an der Band, aber das würde ihnen Unrecht tun. Cytotoxin ist tatsächlich auch Musik, technisch anspruchsvoll und trotzdem zum ausrasten und im-Kreis-rennen geeignet. Auch ich hab mir ausführlich das Konfetti aus dem Haar geschüttelt und durch den Staub, den die Kreisläufer aufgewirbelt haben, war ich hinterher (nicht zum letzten Mal an dem Tag) tierisch dreckig.
Atomwinter auf der Zeltbühne war eigentlich auch so ein Must-See, das dachten sich aber viele andere auch, sodass ich nur kurz drin war, das Death Metal Brett und die Stimmung im Zelt wohlwollend zur Kenntnis genommen habe. Andermal gerne, hier bin ich lieber wieder zur Hauptbühne zurückgekehrt, denn auf Abyssous war ich auch gespannt. So jung, aus Chemnitz und dann spielen die Unholy Old School Death Metal in der Tradition von alten Morbid Angel – große Klasse!

Anschließend war bei uns erst mal Futterpause angesagt, denn der Abend versprach, lang und anstrengend zu werden. Zu Dead Lord waren wir wieder vorn und deren Hard Rock war eine willkommene Abwechslung. Ganz bis zum Ende konnten wir uns die trotzdem nicht ansehen, denn im Zelt bauten sich gerade Skeletal Remains auf. Seit ihrem Auftritt auf dem PartySan 2013 bin ich großer Fan der Kalifornier und jeder, der sie bisher erlebt hat, war genauso begeistert. Die klingen wie die ersten beiden Alben von Death, frühe Morgoth und alte Morbid Angel - und sehen auch ganz genauso aus, ohne das gewollt-übertriebene End-80er Outfit, das viele junge Kapellen so gerne auflegen, um dem Old School Kult zu frönen – einfach nur herrlich.
Theoretisch hätte man gleich für Sabiendas im Zelt bleiben können, aber zumindest ein wenig Baptism wollte ich auch erleben. Bitterböser Black Metal funktioniert im Sonnenschein nur begrenzt, aber die Finnen haben das Beste draus gemacht und mir hat’s gefallen. Ich habe Stimmen gehört, man möge den glatzköpfigen Gitarristen bitte erschießen oder zumindest knebeln, weil er bei den cleanen Gesangsparts schief gesungen hätte – es fiel mir nicht auf, aber wer weiß, wie es hätte klingen sollen.

Sabiendas waren am Samstag der Zelt-Headliner: derbes Death Metal Gebolze mit extra-tiefen Growls, keine Schnörkel, sympathische Leute – da fühlt man sich wohl, fast wie im Wohnzimmer und da tat es mir noch nicht mal leid, dass ich die erste Hälfte von (Schirenc plays) Pungent Stench verpasst habe. Ich hab Pungent Stench immer gemocht, auch und gerade als sie sich vom grindigen Death Metal zu mehr Groove hin entwickelt haben, aber zwischen all den Highlights des Festivals waren sie „nur“ gut, nicht herausragend.
Lock Up ist auch so ein Phänomen: egal, wer da gerade mitspielt, es sind alles Legenden. Alte Männer, die tierischen Spaß an dem haben, was sie tun. In dem Fall Danny Lilker statt Shane Embury. Ich hab keine Ahnung, ob Shane sich für den Auftritt von Brujeria schonen wollte oder gar nicht da war (und wer in dem Fall statt seiner bei Brujeria mitgespielt hat, Nick Barker hat die Doppel-Show problemlos gemeistert). Der Auftritt war wild, staubig und spaßig – so geht Grind, ihr Klobürsten-Kinder!

Ganz andere Baustelle, aber genauso ungezügelt wild: nächste Band war Deströyer 666, um zu beweisen, dass das grandiose „Wildfire“-Album auch live bestens funktioniert. Die Band war super aufgelegt, im Vergleich zum letztjährigen PartySan noch besser aufeinander eingespielt, das Publikum hat getobt und Fronter Keith hatte gute Laune. Als Schmankerl kam noch ein „Brother“ auf die Bühne, bei dem ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich nicht weiß, wer das war, um gemeinsam Motörheads „Iron Fist“ zu covern und ich glaube, da hätte er fast geweint.
Bei Primordial gingen die Reaktionen im Vorfeld von „ach nicht schon wieder…“ bis zu „immer wieder gern“, wobei ich zu den letzteren gehöre. Ich hab die schon gefühlte 100 mal gesehen und die Performance hing jedes Mal stark von der Tagesverfassung von Alan A. Nemtheanga ab. Alan und D666’s Keith zusammen backstage am philosophieren – da hätte ich gern mal lauschen mögen. Die Setlist war diesmal eher schwermütig gehalten (laut Recherche identisch mit der vom Tuska eine Woche zuvor), Alan schien auf einem Trip zu sein und das war kein schöner. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb war es wieder einmal ein unheimlich intensiver Auftritt. Das Publikum stand daher auch die meiste Zeit fasziniert umher, bis zum finalen „Empire Falls“ dann doch so etwas wie Schwung in die Bude kam.

Nach diesem Gig fiel es uns doch sehr schwer, wieder auf derben Spaß à la Brujeria umzuswitchen. Irgendwie mag ich die Band nur theoretisch, und wenn ich sie live sehe, bin ich doch recht schnell lieber woanders. Es war spät, ich hatte genug Staub für den Tag eingeatmet, so haben wir uns ins Bett getrollt und im Einschlafen noch „Eeeeeh Marijuana“ mitgesummt.
Fazit:

So gemütlich und entspannt wie auf dem In Flammen ist es kaum noch irgendwo. Die bunte Mischung finde ich sehr ansprechend, denn Metal ist eine vielgestaltige Richtung und 2einhalb Tage nur Geballer oder True-Truer-Amtruesten wäre mir zu langweilig. Die Besucheranzahl würde ich auf irgendetwas zwischen 1.500 und 2.000 schätzen und sehr viel größer sollte es besser nicht werden. Zum einen, weil mehr Leute auch mehr Idioten bedeutet (auf Müllherumschmeißer und 24h Helge Schneider kann ich bei einem Metal Festival gern verzichten, schlimmer sind aber Langfinger, z.B. wurde bei unseren Nachbarn der Sack mit den Pfandflaschen mittels Cuttermesser fein säuberlich abgeschnitten und mitgenommen), zum anderen weil die Toilettenkapazitäten dann nicht mehr ausreichen. Da hat man extra 5€ dafür bezahlt, dass man das WC im Haus nutzen kann und dann ist das Dixie oft die bessere Wahl, weil man dort nicht anstehen muss und sauber waren sie auch immer. Nach dem VIP-WC-Armband hat sowieso niemand geschaut, da war dann doch jeder dort, ob bezahlt oder nicht. Vielleicht wäre es besser, die festen Toiletten der Gaststätte Entenfang als Backstage-Toiletten zu nutzen (und nur dafür) und für die Gäste einen Container aufzustellen (ähnlich dem Duschcontainer) – zusätzlich zu den Dixies. Die Preise sind fair, die Lage unter den Bäumen herrlich und wenn man nächstes Jahr vielleicht nicht in der getrockneten Kacke verschiedener Tiere zelten muss, wird es noch besser. Wir kommen gerne wieder.
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