Es war Kunst, irgendwie zauberhaft, aber es war spät und ich bin Banause

07. bis 09. Junli 2016 – Torgau @ Entenfang

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Frisch und ausgeruht…. naja, nicht ganz. Es war angenehm warm, aber staubig und trocken. Ich hatte kein Heuschnupfenzeug dabei und die Nase lief Amok. Gut, dass um 13:00 Uhr die erste Band auf der Bühne stand, um mich von diesem Elend abzulenken. Morbid Panzer sind noch so jung und dabei so Old School: grobe Ketten, Nieten, Patronengurt, zerruppte Klamotten und machten ordentlich Krach. Nifelheim standen Pate und es hätte wirklich schlechter kommen können. Die werde ich im Auge behalten.

Mit Sacrificial Slaughter stand das erste der vielen Highlights des Tages auf der Bühne. Technischer Brutal Death Metal auf hohem Niveau und dazu ein hervorragender Sound – da fühlten wir uns gleich wohl und an selige Fuck The Commerce-Zeiten erinnert. Mit diesem Auftritt hat die Band eine Menge neuer Fans dazugewonnen. Direkt im Anschluss ging es auch auf der Zeltbühne los, aber nach Sacrificial Slaughter waren uns die Burning Butthairs zu plump. Der gemeine Klobürsten schwingende Grinder im Plüschkostüm hatte sicher auch daran seine Freude, aber wir sind lieber zur Hauptbühne zurückgetigert, um uns Sarinvomit aus der Türkei anzuschauen. Die waren irgendwie knuffig, allen voran der Schreihals, aber so richtig überzeugt hat auch das uns nicht – wir hatten da einen kleinen Durchhänger.
In dieser Stimmung holten uns Décembre Noir aus Thüringen ab und ihr melancholischer Doom Death war genau das richtige in dem Moment. Ganz wunderbar und unerwartet und ich freue mich schon sehr darauf, die Band nächstes Jahr wieder auf diversen Festivals zu sehen. Das neue Album ist ebenfalls der Hammer und wurde vom Cheffe verdient mit der Höchstpunktzahl ausgezeichnet.

So kam es, dass wir von Nuclear Vomit auf der Hauptbühne nur noch das letzte halbe Lied gehört haben und das war leider viel zu wenig, um sich mit dem ruppigen Grind der Polen zu akklimatisieren. Sie müssen aber auch gut abgeräumt haben, zumindest gab es den ersten Circle Pit des Tages.

Also zurück ins Zelt, Firtan anschauen. Diese Kapelle sieht auch noch sehr jung aus, die Kollegen sind aber alle auffallend versiert an ihren Instrumenten. Noch ein paar Jahre auf die Weide, dann können sie auch optisch den Wikinger- oder Germanenkrieger verkörpern, nach dem sich die Musik anhört. Pagan-Fans sind hier voll auf ihre Kosten gekommen und da Firtan fleißig auf den hiesigen Bühnen unterwegs sind, waren sie deutlich bekannter und hatten mehr Zulauf als die Australier von Wretch
Die taten mir ein bisschen leid. Vor der Bühne nur eine Handvoll Nasen und im Photopit zuerst gar niemand. In Worten: null. Nun gut, der Grind-Lärm von Wretch ist jetzt nichts, was der Welt bisher gefehlt hat, aber trotzdem. Schon allein aus FTC-Nostalgie und weil die von so weit weg kommen, um sich hier den Arsch abzuspielen, mussten die abgefeiert werden und ein paar Leute haben sich zum Glück anstecken lassen.

Necromorph und Division Speed haben wir verpasst, man muss ja zwischendurch auch mal was essen, bevor Albez Duz für uns das Abendprogramm eingeläutet hat. Auf der heimeligen Zeltbühne haben sie einen saustarken Auftritt hingelegt, gerade weil deren grimmiger Okkult Doom nicht die allertypischste Musik des Festivals ist. Pripjat haben parallel dazu die Hauptbühne zerlegt und es gab wahrscheinlich nicht allzu viele Besucher, die lange überlegen mussten, wo sie hingehen. Wer unbändige Energie und Thrash Metal mag, war dort sicher glücklich, ich war in dem Moment lieber Teil der Doom-Fraktion und froh, Albez Duz gesehen zu haben. Auch auf deren kommendes Album freue ich mich schon.
Der nächsten Konflikt (Fäulnis vs. Gormathon) wurde zugunsten Gormathons auf der Hauptbühne entschieden. Man stelle sich einen gutmütigen Saruman vor, mit Haaren bis zu den Kniekehlen, schwer tätowiert und einer Ausstrahlung, dass man sich ohne zu zögern zu ihm aufs Motorrad setzen und in den Sonnenuntergang irgendeiner staubigen Wüste fahren würde. Die Musik dazu ist Death Metal, nicht spektakulär aber gut, typisch schwedisch. Dafür, dass nebenan Fäulnis spielten, die bei vielen unserer Bekannten der Favorit waren, war auch der Platz vor der Bühne gut gefüllt und die Band wurde abgefeiert, auch wenn es zwischendurch anfing zu regnen. Das war nicht weiter schlimm, es war gerade genug, um den Staub zu binden und einen Regenbogen zu zaubern, bevor Firespawn die Hauptbühne enterten. Endlich war auch der unselige Parallelbetrieb auf zwei Bühnen vorbei, das Hin- und Her-Gerenne hält doch auf Dauer keiner aus.
Firespawn – alter Schwede! Tja, genau das: LG Petrov und Victor Brandt von Entombed AD, Fredrik Folkare und Alex Friberg von Necrophobic (und Unleashed bzw. Naglfar) und dieses Allstar-Geschwader hatte deutlich mehr Pep als alles, was ich in den letzten 10 Jahren von Entombed (mit und ohne AD) gesehen habe, das hat großen Spaß gemacht.

Derart angeheizt hätten jetzt eigentlich In The Woods spielen sollen, aber die waren noch nicht vollzählig da. Kurzerhand sind Gorilla Monsoon eingesprungen und dieser Slot-Tausch war das beste, was passieren konnte. Die Party, die Firespawn gestartet hatten, ging bei Gorilla Monsoon einfach fröhlich weiter und das Publikum fraß ihnen aus der Hand. Die sind eine routinierte Liveband, die in fast allen Um- und Zuständen eine Klasseshow abliefern und nebenbei stilistisch eine Brücke bauen von Firespawns Death Metal zum Rock’n’Roll von Venom Inc.
Über den Auftritt von Venom Inc gibt es geteilte Meinungen. Spielerisch top, professionell, augenscheinlich auch menschlich in Ordnung aber verdammt – ohne Cronos ist es nicht Venom. Demolition Man ist kein schlechter Fronter, ich habe im Publikum mehrfach den Vergleich zu Motörhead gehört aufgrund es hoch gehängten Mikros und ein wenig auch wegen des Gesangsstils. Das ist mir so auch lieber, als wenn Mantas und Abaddon eine schlechte Cronos-Kopie als Sänger für ihre Combo ausgesucht hätten, aber dennoch: es ist nicht dasselbe. Außerdem ist es unverzeihlich, wenn eine Band, welche VenomInc heißt und mehr Originalmitglieder als Venom (mit Cronos) hat, nicht „Black Metal“ spielt. „In League with Satan“ und „Countess Bathory“ hab ich auch schmerzlich vermisst, aber das ist ok, denn es gibt so viele Hits, dass bei 70 Minuten Spielzeit zwangsläufig welche wegfallen müssen.

Zum Abschluss des Tages spielten dann In The Woods, die inzwischen den Weg nach Torgau gefunden hatten. Wenn ich mir nun die originale Running Order vorstelle, wenn ich mir vorstelle, dass dieser Absacker nach Firespawn gespielt hätte, anschließend hätten Venom Inc die Leute reanimieren sollen und dann als Rausschmeißer Gorilla Monsoon… ich glaube nicht, dass das für eine der Bands besser gewesen wäre. In The Woods mit ihrem Progressive Post Black Metal (oder wie auch immer man den Stil nennen möchte) waren ein perfekter Tagesausklang, den man sich auch gern aus der Horizontalen, eingemummelt im Schlafsack im eigenen Zelt anhören konnte. Es war Kunst, irgendwie zauberhaft, aber es war spät und ich bin Banause.
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