UNBEKANNTE ROCKER AUS DEM NICHTS


Als das Thüringer Kampfgeschwader im Jahr 2000 mit „Asunder“ erstmals auf der Bildfläche erschienen, war nicht im Traum daran zu denken, dass 20 Jahre später Heaven shall burn zur deutschen Hartwurst Elite zählen würden. Vielmehr noch, denn neben den Metalheads vereint das Quintett auch die Hardcoreler unter ihrem Schirm, ohne sich dabei zu sehr den Stempel „Metalcore“ aufdrücken zu lassen. Aktive Umweltschützer mit politischen Texten und einer klaren Kante gegen rechts, gepaart mit brutalen Riffs und einem enorm hohen Moshfaktor…so habe ich HSB kennen und lieben gelernt. Auch wenn ein Album bei mir durchfiel, so haben die Jungs aus dem Roster-Land nie halbgares Zeug abgeliefert und mit dem extrem genialen Vorgänger "Wanderer" die Messlatte extrem hoch gelegt.

Auch wenn der nunmehr neunte Auswurf nicht an meine Bewertung der zuvor erschienenen Scheibe ran ragt, so kann man bei "Of truth and sacrifice" durchaus davon sprechen, das HSB diese hoch liegende Stange locker übersprungen haben, denn wer wagt es schon mit einem Doppelalbum um die Gunst der Hörer zu buhlen? Vor allem dann nicht, wenn eine enorm hohe Hitdichte vorliegt und selbst bei 18 Songs nebst Intro nie der kleinste Funken von Langeweile aufkommt. Eben und deshalb freute ich mich sehr darüber, dass sich Gitarrist Maik Weichert für einen netten Plausch zur Verfügung stellte, bei dem auch viel gegrinst wurde.
Maik, mit „Of truth and sacrife“ habt Ihr Euren Fans und den Kritikern einen ziemlichen Brocken hingeworfen, den es erstmal zu verdauen galt, um danach festzustellen, um was für eine geile Veröffentlichung es sich handelt. Bestand von Anfang an der Plan, ein Doppelalbum zu veröffentlichen?

Wir haben definitiv nicht vor ein weißes Blatt Papier gesetzt und festgelegt, dass es ein Doppelalbum werden muss. Allerdings entstand dann die Idee doch recht früh während unserer selbstauferlegten Pause von Bühne und Studio. Zu allererst wollten wir eine Scheibe gänzlich ohne Zeitdruck und Deadline aufnehmen. Dafür haben wir uns selbst so viel Platz im Kopf freigeräumt, damit diese Einstellung, an ein solches Unterfangen heranzugehen, überhaupt gedeihen konnte.

Wir hatten bereits nach den ersten Riffs gemerkt, was uns da für eine Kreativexplosion bevorsteht und der geneigte Hip Hopper würde dazu sagen, dass wir in einen Flow geraten sind (lacht). Dann tauchte auch schnell der Albumtitel auf, in dem sich zwei starke Wörter befinden, die in einer Art Dualität stehen und schon fast auf das jetzige Endergebnis hinausliefen. Der Weg war jedenfalls ab da gedanklich nicht mehr sehr weit, sich an ein Doppelalbum zu gewöhnen.

Allerdings haben wir dann schon während des Songwritings darauf geachtet, ob die Riffs und Ideen überhaupt interessant für ganze zwei Alben sind, oder ob es dann doch auf ein Einfaches hinauslaufen könnte. Es bringt ja nichts zwei Mal zehn Songs aufzunehmen, die sich dann komplett ähneln, nur um auf Teufel komm raus zwei Alben zu haben. Es muss eine Spannungskurve und zumindest Abwechslung vorhanden sein und als wir dann am Ende so geschaut hatten, passte es. Du gehst ja auch an das Songwriting vollkommen anders ran, wenn du ein Doppelalbum veröffentlichen willst und dementsprechend 20 statt 10 Songs schreibst. Da wird dann aus einem experimentellen Riff oder einem Part, den wir früher schon in unseren Songs hatten, gleich ein ganzer experimenteller Song. Die Freiheit hatten wir und von daher fußte diese Idee tatsächlich in der Art, wie wir an den Alben gearbeitet haben.
Hatte denn diese von Dir beschriebene Kreativexplosion damit was zu tun, dass Ihr aufgrund der selbst auferlegten Bandpause einfach frischer und freier im Denken und Arbeiten wart?

Wir versuchen ja immer, irgendwie frisch zu sein (lacht). Ich bin mit ein paar Riffideen zu Ali ins Studio gegangen, wollte diese einfach aufnehmen, da ich sie cool fand, nicht irgendwie vergesse und von dem Tag an haben wir eigentlich gar nicht mehr aufgehört, zu arbeiten. Das war gar nicht so lange, nachdem wir mit der Pause begannen, weswegen ich gar nicht so viel Luft schnappen konnte, wie ich es vielleicht selber wollte. Aber dieses Arbeiten ohne Druck hatte da schon so viel von selbst von der Festplatte im Kopf freigeräumt, dass du da ganz anders herangegangen bist.

Bei uns jedenfalls machte schon der Witz die Runde: Warum nehmen HSB ein Doppelalbum auf? Weil sie es können…

(lacht) Naja, können tut das ja Jeder, ob er es macht, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ich persönlich finde das ja extrem spannend, wenn eine Band wie Ihr ein solches Monster veröffentlicht, ohne dabei irgendwie langweilig und wiederholend zu klingen. Da Du aber das Experimentelle angesprochen hast, muss ich darauf ein wenig näher eingehen.

Bei „Expatriate“ ist ja noch ein wenig Metal enthalten, wo hingegen bei „La resitance“ schon Elemente enthalten sind, die vielleicht dem konventionellen HSB Hörer zu schaffen machen könnten.


Ich denke, dem normalen Hörer fällt das schon auf, dem richtigen Heaven shall burn Freak eher weniger, da wir auch schon früher bei Songs wie „The dream is dead“ oder „Combat“ hatten, bei denen wir Elektrobeats mit eingebaut haben, die mehr in die Rob Zombie, Nine inch nails Richtung gingen. Hmm…neee, Deinen Einwand lasse ich da nicht ganz gelten (lacht). Wir haben bei den angesprochenen Songs etwas konsequenter weitergedacht, diese Elemente vordergründig eingeschoben, aber die Andeutungen konnte man in der Vergangenheit schon erkennen.
Habe ich auch nichts dagegen gesagt, denn gerade bei „Übermacht“ beispielsweise funktioniert dieses Prinzip hervorragend. Gerade auch für mich, der gerne mal The Browning hört, die ja ebenfalls viel mit dieser Art Musik experimentieren. Dennoch bleibe ich dabei und streite mich auch gerne mit Dir: Bei „La resistance“ habt ihr es ein wenig übertrieben (diesmal muss ich grinsen)

Ok, Du willst Dich also streiten (Gelächter)? Ja, wir haben schon bei diesem speziellen Song versucht, den Metal-Anteil und die Gitarren ein wenig hochzuschrauben, das klang dann eher nach Killing Joke, was wir hier aber nicht wollten, denn uns schwebte einfach ein Synth-Wave Song vor und da bringt es nur die Flucht nach vorne, denn sich vor sich selbst zu erschrecken und einen Kompromiss einzugehen, ist seit je her nicht so unser Ding, dann hätten wir den Song ganz geknickt. Ich verstehe durchaus, dass nicht Jedem der Song gefällt, aber dafür gefällt er anderen umso mehr.

Ich sagte ja nicht, dass er mir nicht gefällt, aber er fällt halt extrem aus dem Rahmen…

Und da versteh ich Dich total und ich bin auch ganz und gar nicht beleidigt, wenn Dir irgendwas nicht gefällt.

Da bin ich ja froh, denn auch Ali hat mir damals verziehen, dass ich „Invictus“ ziemlich kritisch sah und das Album bei mir fast zur Gänze durchfiel.

Das Ihr keinerlei Kompromisse eingeht, kann man auch wunderbar bei „Weakness leaving my heart“ hören, bei dem Ihr viel mit Streichern und Piano, wie auch schon in der Vergangenheit, gearbeitet habt. Aber einen siebeneinhalbminütigen Song nur in dieser Richtung gab es von Euch auch noch nicht.


Nee, das stimmt ausnahmsweise (lacht). Wir dachten sogar anfangs daran, ein komplett klassisches Stück zu machen, doch dann kam eine kleine Gitarre dazu und…naja…es ergab sich dann einfach so, dass sich der Song so aufbaut. Traditionelle Metalhörer werden sich natürlich schon darüber wundern, was das denn nun für ein ellenlanger Einstieg ist und merken gar nicht, dass sie bereits mitten im Song sind, sich aber noch im Intro wähnen. Lustig ist allerdings schon, wenn dieser Song in einigen Klassik Playlists auftaucht, der dort von einigen Spaßvögeln reingesetzt wurde und andere sich erschrecken, wenn da plötzlich noch ein paar harte Gitarren zuschlagen (lacht). Das ist auf jeden Fall interessant, von wie vielen Seiten das man betrachten kann.
Was ich ganz stark finde ist der Sound des Albums, der ja von Ali kommt. Ist es eigentlich schwierig, wenn man als Gitarrist auch noch Produzent ist? Entstehen da nicht Interessenkonflikte?

Da müsstest Du Ali fragen, aber er hat die Gabe, diesbezüglich eine Wand in seinen Kopf einzuziehen. Ich persönlich kenne ihn ja schon ewig, da ich in Jena studiert habe und er von dort kommt und als Band hat er uns ja erst kennengelernt, als wir „Deaf to our prayers“ aufgenommen haben und schafft es auch heute noch, selbst als Bandmitglied, sich einzig und allein auf das Engineering und die Produktion zu konzentrieren und diese Zeit von früher abzurufen, als er noch nicht bei uns spielte. Es geht allerdings nicht, wenn du permanent dieses Wechsel Produzent/Gitarrist, also switch on/off durchgezogen hast, kannst du das Album nicht mehr mixen. Von daher brauchen wir auch immer einen Externen, der nochmal in Ruhe draufschaut. Tue Madsen hat in diesem Fall die Scheibe gemischt und Eike Freese gemastert.

Und das Endergebnis ist für meine Ohren soundtechnisch Euer bestes Werk…

Oh, vielen Dank, der Meinung bin ich auch, obwohl ich eine Zeitlang das von Dir geschmähte „Invictus“ als unser bestes Album vom Sound her betrachtete. Wenn ich mir das heute allerdings anhöre, denke ich so: Nee, war‘s wahrscheinlich doch nicht (lacht)! Wir haben dieses Mal besonderen Wert auf den Sound gelegt, denn heutzutage hörst du doch bei jeder Metal Produktion die gleiche Snare, das gleiche programmierte Drumset und das wird langsam langweilig. Wir haben tatsächlich für jeden einzelnen Song einen passenden Sound gesucht und haben uns da ganz viel Mühe gegeben. Deshalb freut es mich ganz besonders, wenn Du sowas sagst.

Es gar nicht unbedingt der Gesamtsound auf der Platte, sondern vor allem wenn man sich die Gitarren anhört. Da wo wir Dismember Riffs geklaut haben, klingt es nach Dismember, wo es Rammsteiniger wird, klingt es nach Rammstein. Das sind komplett verschiedene Sounds, die einem aber in Gänze das Gefühl vermittelt, dass es sich um einen einzigen und komplett für das Album konzipierten Sound handelt, dem aber nicht so ist. Und exakt das wollten wir erreichen.


Gehen wir noch einmal kurz zurück zu „Expatriate“, der ja zum Teil auf Deutsch verfasst ist.. Ich habe da während des Songs, glaube im Refrain, eine Stimme gehört, die verdächtig nach Mille von Kreator klang...
Neee....(lacht) Das war Molle und ich. Es mag Dich erstaunen, aber ich kann auch halbwegs hochdeutsch, aber ich habe nur keine Lust, vor allem bei Interviews, denn meine Schlagfertigkeit beziehe ich aus meinem Dialekt. Bei Hochdeutsch kann ich nicht so zungenfertig sein (lacht). Also nein, Mille war es nicht.

Irre ich mich denn etwa auch wenn ich behaupte, dass bei „The sorrow of victory“ Hansi Kürsch von Blind Guardian mitsingt?

Tust Du (lacht). Da singt Chris Harms von Lord of the lost mit, doch der Vergleich mit Hansi ist ja keine Beleidigung, im Gegenteil. Aber da musste ich schon bei Deinem Review ziemlich schmunzeln.

Schön, dass Du mein Review gelesen hast, denn ich komme nun zu einem kleinen Kritikpunkt, und zwar Euer Coverversion. Diesmal traf es Nuclear Assault mit ihrem Klassiker „Critical mass“, der zwar textlich prima zu Euch passt, mir aber musikalisch zu sehr HSB’lisiert wurde.

Ich muss allerdings dazu anmerken, dass ich diesen Song seit er 1989 auf „Handle with care“ veröffentlicht wurde, total vergöttere und die Crisix Version von letztem Jahr einfach mehr Bumms hat. Wenn ich da als Vergleich Eure „Agent orange“ Version von „Wanderer“heranziehe, den ich für einen der besten Coverversionen überhaupt halte, stinkt das neue Cover etwas ab.


Ich bin eher der Meinung, dass „Agent orange“ einfach nur so heruntergespielt wurde von uns, da haben wir einfach kaum etwas dran verändert. Ich finde es prinzipiell immer cooler, wenn Coversongs einen bandeigenen Drive kriegen. Wo ich Dir recht gebe ist die Tatsache, dass es unglaublich schwer ist, Nuclear Assault richtig zu treffen. Bei denen ist ja das Geile, dass sie nicht diese Perfektion haben wir beispielsweise Testament, sondern vielmehr noch die Punk Attitüde innehaben und das macht den Thrash von denen ja so geil. Das heraus zu kitzeln war recht schwer und wir haben auch lange überlegt, ob man diese Siffigkeit überhaupt reproduzieren können. Vielleicht wäre das am Ende zu slick geworden, haben es zu sehr versucht und haben deshalb am Ende vielleicht zu viel Straße mit einfließen lassen, was wiederum diesen typischen HSB Sound für Dich ausmacht. Wir sind jedenfalls total happy mit dem Song.

Ein weiterer Song, der bei mir sofort heften blieb, ist „Tirpitz“. War das eigentlich jenes Schlachtschiff, welches 2009 auf der In Flames Rundreise Euer Winter-Tour Shirt zierte, welches ich mir eine Nummer zu klein kaufte, da sonst keines mehr vorhanden war und es tatsächlich später passte?
Hahaha, nee, das war die Admiral Graf Spee, ein schwerer Kreuzer. Die Tirpitz war noch eine Nummer größer und das größte Schlachtschiff, was Deutschland im 2.Weltkrieg gebaut hat. Nur die Japaner hatten noch größere Schiffe wie die Yamato und die Musashi. Was die da gebaut haben, kannst du dir nicht vorstellen. Dreier-Geschütztürme mit noch größeren Kanonen als die Bismarck oder die Tirpitz.

Mich haben diese riesigen Schlachtschiffe immer interessiert, denn die haben irgendwie was vom Todesstern. Die böse Übermacht, die dann aber doch versenkt wurden, als Omen für den Untergang des Reiches. Das hat schon irgendwas Mythisches. Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass tausende junger Menschen jämmerlich verreckt sind, das schwingt natürlich mit und wir hoffen, der Song transportiert dies alles mit. Aber Shirts mit der Tirpitz haben wir auch, sicherlich auch in Deiner Größe (lacht). Wichtig ist für uns natürlich, dass diese Shirts nicht die falschen Leute kaufen, um irgendwelche Naziglorifizierung zur Schau zu stellen, sondern basteln da immer eine Sowjetflagge oder einen roten Stern mit drauf, damit das auch ideologisch genießbar ist.


Zu Beginn des Songs hört man ein Snippet, bei dem im Auftrag des Führers das Schiff getauft wird. Bei einer Band wie Heaven shall burn sicherlich eine kleine Gratwanderung...

Klar ist es eine Gratwanderung, aber das macht es ja auch interessant, weil die Leute auch nicht erwarten, dass so etwas kommt. Solche Aufnahmen sind natürlich auch wichtige geschichtliche Dokumente, die dazu beitragen, die Geschichte des Schiffes zu erzählen. Wir haben diesen Song auch Torstein Pettersen Raaby gewidmet, der als norwegischer Widerstandskämpfer mit seiner Spionagetätigkeit entscheidend dazu beitrug, die Tirpitz zu versenken. Wichtig ist das Gesamtkonzept, in den wir diesen Song eingebettet haben und um die Geschichte korrekt widerzugeben. Am Ende hört man ja auch den englischen Nachrichtensprecher, der von der Versenkung der Tirpitz ausführlich berichtet. Leider sind beide Soundfiles keine Originale, sondern haben sie im Studio anhand der Originale nachgestellt, aus Urheberrechtsgründen. Es beginnt mit der Taufe des Schiffes und am Ende dann die Versenkung des Todessterns.

Allerdings nicht durch eine 2x2 Meter kleine Luke, wie beim Todesstern?

Definitiv nicht (lacht). Die Tallboy Bomben, die die Engländer da draufgeschmissen haben, rissen definitiv größere Löcher, da kannste einen drauf lassen. Auf den Satellitenbildern vom Kafjord kann man heute noch Bombentrichter erkennen.
Im Vorfeld zum neuen Album habt Ihr ja mit Videos förmlich um Euch geschmissen. Ganz besonders sticht dabei der Clip zu „Eradicate“ hervor, den Ihr zusammen mit dem Ugandischen Kult-Regisseur Isaac Nabwana gedreht habt, der ja eher Filme mit einem FSK 18 Rating veröffentlicht. Ich habe mal in „Bad Black“ von 2012 reingeschaut und dachte mir: Junge, junge...wie kam denn diese ungewöhnliche Zusammenarbeit zustande?
Sein bekanntester Film ist „Who killed Captain Alex“ und als er den damals rausgebracht hat, war das ein absoluter Internethit. Nun vielleicht nicht im Milliarden-Klick-Bereich, aber doch ungeheuer Populär und ich war absolut begeistert davon. Als ich dann noch die ganze Background Geschichte über ihn zu lesen bekam, war es um mich geschehen. Der hatte aufgrund seines Lebens gar keine Chance, seinen Traum zu verwirklichen. Er schlich als Kind immer ins Kino, weil er kein Geld hatte und wurde durch einen Schwarzenegger Film für immer infiziert.

Wenn du Artikel über Isaac Nabwana liest ist es inspirierend, mit welch einer Hartnäckigkeit er daran gearbeitet hat, seinen Traum zu verwirklichen. Dafür nutzt er auch seinen unglaublichen Charme und tut ganz nebenbei auch etwas Gutes für sein Wohngebiet Wakaliga, einem Slum in Ugandas Hauptstadt Kampala. Es ist großartig, wie er das Geld durch seine Filme und seine internationalen Projekte reinholt und wenn wir schon andauern mit dem politischen Kinnmuskelspanner arbeiten, kann man auch mal ein Video mit einem gewissen Augenzwinkern abfeuern.
Politischer Kinnmuskelspanner?

Kinnmuskelspanner kommt, glaube ich, ursprünglich aus „Das Boot“.

Bin ich kein großer Fan von...

Damit ist das Gespräch hiermit beendet (Gelächter)
Wie hattet Ihr eigentlich neben dem Mammutprojekt Doppelalbum noch Zeit, mit „Mein grünes Herz in dunklen Zeiten einen Film ins Kino zu wuchten? Jobs habt Ihr ja auch noch. Ist ja nicht so, dass Ihr alle Vollzeit Musiker seid...

Marcus arbeitet als Krankenpfleger gerade Vollzeit, hat aber soweit ich weiß eine halbe Stelle, damit er sich auch um HSB kümmern kann. Wenn Chris als Robotik Ingenieur arbeitet, Ali als Produzent oder ich irgendwelche Klausuren korrigieren muss, dann kannst du das super auf Tour erledigen, wenn du irgendwo wartest oder Videos drehst und kannst dann mit dem Notebook deinen Scheiß erledigen, das passt schon. Meine Oma sagte immer: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wir haben das ja auch alles aus langer Hand vorbereitet. An den Videos zu
My heart and the ocean und Eradicate hat ja keiner von uns mitgewirkt. Wir haben das zwar beaufsichtigt und in Auftrag gegeben, haben aber selber nicht am Set gesessen und irgendwelche Zeit für aufgebracht. Es ist oft eine Gratwanderung von zeitlichen Ressourcen, dafür muss man schon ein wenig Fanatiker sein. Doch das gibt es ja auch bei Modeleisenbahnern oder Anglern, die so viel Zeit für ihr Hobby opfern (lacht).

Dennoch ist der Gedanken schon witzig. Während andere Bands backstage Bier saufen und irgendwelchen Blödsinn verzapfen, sitzt ein Herr Weichert am Laptop und korrigiert Klausuren...

Du ohne Scheiß, wie viele Musiker ich schon gesehen habe, die irgendwelche Arbeiten korrigieren, bevor sie auf die Bühne gehen, da würdest Du Dich wundern (lacht). Es gibt schon viele Lehrer unter uns Musikern.

In Zeiten von Covid-19, Euren ausgefallenen Release Konzerten, wie geht Ihr mit dieser ganzen Situation momentan um?

Wie hoffentlich jeder andere auch. Wir sitzen Zuhause und machen so unser Ding, was in der Release Woche eh auf eine Masse Internetarbeit hinausläuft. Dazu Interviews wie mit Dir und dazu muss ich nicht im Freibad liegen oder ein Picknick machen. Wie man damit umgeht ist momentan das große Problem, da auch keiner weiß, wie es wirklich weitergeht. Das ist es, was den Leuten meiner Meinung nach zu schaffen macht. Wenn man weiß, das dauert noch ein halbes Jahr, kann ich mich darauf einstellen und kann damit umgehen, doch dieses gar nicht wissen, das ist es, was uns allen momentan zu schaffen macht, rein mental. Bei uns sind jedenfalls, soweit ich weiß, alles gesund, trotz der Arbeit von Marcus auf der Intensivstation in Saalfeld. Aber man wird schon paranoid, denn wenn es einen früher mal im Hals gekratzt hat und man hat ein kleines Hüsterchen, hat man überhaupt nicht drauf geachtet.

Sofern in diesem Jahr das Full Force stattfindet, werden Euch die Fans als Headliner bewundern dürfen. Zum einen wünsche Euch besseres Wetter als 2012, wo ein brutaler Hagelschauer gepaart mit Unwetter Euren Gig begleitete, zum anderen müsste die Freude darüber doch recht groß sein?
Jawohl ist sie, denn das Force ist für uns immer etwas Besonderes. Wir sind quasi vor der Bühne aufgewachsen und es war erstes wirkliches Festival, wo ich auch als Besucher regelmäßig besucht habe. Was ich da schon alles gesehen habe und dann wir als Headliner, dass ist schon was ganz Großes. Wir betrachten natürlich die Entwicklung mit Sorge, denn irgendwie fällt es uns momentan schwer daran zu glauben, dass überhaupt Festivals stattfinden werden. Aber die Gesundheit ist einfach wichtiger.

In den Wochen vor Corona gab es in Thüringen ja noch eine vollkommen andere Krise. Ich sag nur Kemmerich...

Ganz ehrlich, im Nachhinein wo alles wieder gut ist, etwas sarkastisch gesprochen, bin ich eigentlich fast ein bisschen froh, dass mal die Masken gefallen sind und der geneigte Wähler endlich mal sehen konnte, so was die FDP und die CDU fähig sind und wie wenig Ekel die haben. Da haben sich schon viele Charaktere gezeigt. Alleine den Leuten zu suggerieren, dass wir so lange wählen, bis was bei rauskommt, was uns gefällt, ist in keiner Richtung demokratisch, egal ob man nun links ist oder nicht.

Im Endeffekt wurde allen gezeigt, was für Luftpumpen die FDP und die CDU sind, wenn es um die Machtfrage geht oder um einen grünen oder linken Landwirtschaftsminister zu verhindern, was für die scheinbar eine absolute Horrorvision war. Da wird dann mit Leuten wie Höcke zusammengearbeitet, der ja nicht einmal ansatzweise gemäßigt ist oder sich einen bürgerlichen Anstrich verpasst, sondern ein waschechter Faschist ist. Das war absolut krass. Ich war aber auch total stolz auf meine Thüringer, die sich am folgenden Wochenende alle auf dem Erfurter Domplatz versammelten, ob es nun CDU, Linken oder Grünen Wähler waren und die das total ankotzte. Da waren nicht nur Berufsdemonstranten wie vom DGB dabei, sondern wirklich ein repräsentativer Querschnitt aus der Bevölkerung, die dieses Politikgebaren einfach angekotzt hat. Das fand ich cool, dass die Leute ihren Arsch hochbekommen haben.


Pietro muss zur Nachhilfe

Zum Abschluss noch eine kleine, aber äußerst kuriose Geschichte. In den am Freitag, dem 27.03.2020 erscheinenden Media Control Charts kämpfen HSB und Pietro Lombardi um die Pole Position. Dementsprechend werden jetzt alle Fans beider Lager mobilisiert. Die Metal Szene jauchzt natürlich vor Vergnügen, dass der 2011 Gewinner von „Deutschland sucht den Suppenkasper“ 1.) von HSB noch nie was gehört hat und 2.) die Jungs als „unbekannte Rockergruppe aus dem Nichts“ bezeichnet. Ein Nackenschlag?

Naja, was soll ich da sagen. Wir sehen das als spaßigen und sportlichen Wettkampf mit dem Deutschpop. Es ist natürlich schon ein Schlag bei all der Arbeit, die wir da reingesteckt haben, als "aus dem Nichts" bezeichnet zu werden, aber so war es ja wahrscheinlich auch gar nicht gemeint. Friendly fun!


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